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Ichenhausen

24.07.2019

Wie Ichenhauser Bürger dem Vandalismus trotzen

Die Schmierereien sind weg. Mert, Samet, Manolito, Niklas und Nic (von links) haben den Pavillon im Ichenhauser Hindenburgpark frisch gestrichen. Nic sagt: „Das ist deine eigene Stadt. Die musst du sauber halten.“ Die Hilfsbereitschaft war so groß, dass einige Freiwillige wieder heimgeschickt worden sind.
Bild: Irmgard Lorenz

Schmierereien im Ichenhauser Hindenburgpark waren der Auslöser für eine Hilfsaktion. Warum eine Gruppe Jugendlicher Bürgermeister Robert Strobel besonders überrascht hat.

Vandalismus gibt es allerorten. Eine eingeschlagene Scheibe an einer Fischerhütte bei Kötz vor wenigen Tagen, die Anfang Juni an einem Feldweg bei Ichenhausen beschädigte Jesusstatue, im März umgeworfene Telefonverteilerkästen in Röfingen, das Galgenbrünnele in Thannhausen, das mehrfach mit Farbe beschmiert und beschädigt worden ist, immer wieder auf Friedhöfen ausgerissene Pflanzen, vor Gebäuden umgestoßene Pflanzkübel ... die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. In Ichenhausen aber hat sich jetzt ein Fall von Vandalismus in einen Fall von bürgerschaftlichem Engagement verwandelt.

Besonders häufig sind es Schmierereien, wie vor Kurzem in Günzburg am Aufgang zum Turniergarten, wo die Wände mit zum Teil kryptischen Buchstabenkombinationen und Zahlenreihen verunstaltet worden sind, die nicht nur Ärger, sondern auch Kosten verursachen. Auch Schmierereien am Veranstaltungspavillon im Hindenburgpark in Ichenhausen waren ein solches Ärgernis.

Strobel rechnete mit Kosten von etwa 1000 Euro

Mit Kosten von etwa 1000 Euro rechnete Bürgermeister Robert Strobel, um den Schaden zu beheben. Über Facebook bat er um Hinweise auf die Täter. Was er damit ins Rollen gebracht hat, überraschte ihn selbst. Zuerst waren es die üblichen Posts von Leuten, die ihrem Ärger über den Vandalismus Luft machten. Aber dann wendete sich das Blatt. „Plötzlich kamen andere Stimmen“, sagt Strobel, Menschen boten ihre Hilfe an, ein Neubürger kündigte an, die Farbe für die Streichaktion zu spenden.

Wie Ichenhauser Bürger dem Vandalismus trotzen

Der Pavillon strahlt in schönstem Weiß

Die zweite Überraschung erlebte der Ichenhauser Bürgermeister, als er am Montagspätnachmittag in den Hindenburgpark kam. Er wollte den Helfern danken, die freiwillig gekommen waren, um den Pavillon zu streichen. Die erwachsenen Freiwilligen waren da aber schon mit Dank heimgeschickt worden, und der Veranstaltungspavillon strahlte in schönstem Weiß. Nur ein paar Kleinigkeiten waren noch zu machen.

Zu verdanken ist das einer kleinen Gruppe von Jugendlichen, die bereits zwei Stunden vor dem vereinbarten Termin gekommen waren und sich gleich an die Arbeit gemacht hatten. Ein paar ihrer Kumpels hatten sie auch schon heimgeschickt. Zu viele Helfer wären sich nur im Weg gewesen, sagt der 18-jährige Nic Müller, den seine Freunde als „Nic-King“ vorstellen.

Zusammen mit den Brüdern Mert, 16 und Samet, 17, Kesimoglu, Manolito Hammerschmidt, 13 und Niklas Sailer, 17, hat Nic-King Kanten abgeklebt und Abdeckfolie ausgerollt wie die Profis. Danach hat sich die Clique ans Weißeln gemacht.

Alle hatten ihren Spaß dabei

Und warum haben sie schon zwei Stunden früher als vereinbart mit der Arbeit angefangen? „Sie sehen ja, wir sind alle weiß“, sagt Nic-King und zeigt lachend auf die Farbkleckse auf seinen Armen. Auch seine Freunde haben etwas abbekommen. Und offensichtlich hatten alle ihren Spaß dabei.

Warum sind die Schüler Mert, Manolito und Niklas, der angehende Maler Samet und der Kinderpfleger Nic zu dem freiwilligen Arbeitseinsatz gekommen? „Weil sie viel für uns getan haben“, sagt Nic-King. Er meint damit die Stadt. Für ihn und seine etwa zwei Dutzend Freunde ist der Hindenburgpark Treffpunkt. Und dass die Stadt den kleinen Holzpavillon nahe der Seniorenwohnungen gestrichen und dort Aschenbecher aufgestellt hat, findet er klasse. Beteiligt ist auch Stadtjugendpfleger Simon Paintner-Frei, der Kontakt zu den Jugendlichen gesucht hat, nachdem sich Anwohner über Unrat im Park beschwert hatten. Er hat die Clique auf die Streich-Aktion aufmerksam gemacht, und zudem den Kontakt zum Jugendzentrum Mon Ami angebahnt, damit die Jugendlichen künftig nicht nur den Hindenburgpark als Anlaufstelle haben.

Strobel hofft auf eine "gewisse soziale Kontrolle"

Zum Brücklesfest, das am Wochenende im Hindenburgpark stattfindet, ist der Veranstaltungspavillon also wieder makellos – und er bleibt es hoffentlich auch. Bürgermeister Strobel ist zuversichtlich. „Man kann es nicht hermetisch abriegeln“, sagt er, aber er verspricht sich von der Bürgeraktion auch eine „gewisse soziale Kontrolle“ und hofft, dass die Bürger sich mehr verantwortlich fühlen. „Dieses Gefühl zu entwickeln, ist auch Aufgabe der Stadt“, sagt der Bürgermeister. Nic-King ist da ganz seiner Meinung. „Das ist deine eigene Stadt. Die musst du sauber halten“, sagte er am Montag zu seiner Clique.

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