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Luftpistole-Bundesliga

01.02.2019

Wie Waldkirchs Nummer eins sich auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet

Der seit geraumer Zeit in Ichenhausen lebende Burgauer Alexander Kindig ist die Nummer eins der Waldkircher Bundesliga-Schützen. Mit den Holzwinklern nimmt erst zum vierten Mal an der Deutschen Meisterschaft teil.
Bild: Bernhard Weizenegger

In den Kampf um den Titel in der Luftpistole-Bundesliga startet Alexander Kindig an Position eins im Team des SV Waldkirch. Nervosität ist für den Burgauer ein Fremdwort.

Herr Kindig, durch Ihre hervorragenden Ergebnisse in der Bundesliga haben Sie sich im Lauf der Saison von der Nummer zwei auf die Position eins im Waldkircher Team empor geschossen.

Kindig: Ja leider, ich hab’s nicht auf Platz zwei geschafft.

Das ist jetzt ein Scherz, oder?

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Kindig: Natürlich. Aber mit einem Körnchen Wahrheit. Als Nummer zwei schießt man normalerweise gegen den besten Deutschen und nicht gegen den besten Ausländer aus den anderen Mannschaften. Das macht es statistisch gesehen natürlich ein bisschen einfacher, den Punkt zu holen.

Macht das auch einen Unterschied für Ihre Trainingsgewohnheiten?

Kindig: Ich trainiere für mich und nicht gegen den Gegner. Ich weiß, was für Defizite ich habe und arbeite daran, die abzustellen.

Tatsächliche oder vermeintliche Schwächen haben Sie in dieser Saison nicht offenbart. Stattdessen wirken Sie immer extrem ruhig und abgeklärt. Ist das der echte Alexander Kindig oder ist das der Schütze in Ihnen?

Kindig: Es gibt ja verschiedene Wettkampftypen. Jeder verarbeitet den Stress anders. Ich bin schon sehr nervenstark, bleibe ruhig und schaue, wie ich die Sache angehe.

Kindig weiß oft nicht, wer im Wettkampf sein Gegner ist

Aber eine deutsche Meisterschaft ist doch kein „normaler“ Wettkampf. Können Sie vorher wirklich ruhig schlafen?

Kindig: Klar. Nervosität ergibt sich ja erst aus der Wettkampfsituation. Man muss auch für sich selbst herausfinden, wie man einen solchen Wettkampf angehen kann. Ich zum Beispiel schaue zwischendurch schon mal nach meinem Gegner. Ob ich noch mehr Ringe brauche oder ob ich mir, wenn ich sehe, dass der Gegner schon x Ringe hinterherhinkt, keine Sorgen machen muss. Im Voraus mache ich mir da keinen Kopf. Das ist auch eine Sache von Erfahrung.

Ihre Trainerin Elfriede Weigelt sagt, Sie hätten einfach die Coolness, im richtigen Moment die Zehn reinzubringen. In diesen Zusammenhang passt folgende Geschichte: Wir haben vernommen, dass Sie im Vorfeld eines Duells normalerweise nicht einmal konkret wissen, gegen wen Sie antreten – und falls doch, dass Sie sich nicht weiter damit beschäftigen.

Kindig: Das stimmt. Ich weiß meistens wirklich nicht, gegen wen ich antrete. Ich sehe das erst beim Aufwärmen am Stand. Unmittelbar vor dem Wettkampf rede ich stattdessen am liebsten mit meinen Mannschaftskollegen. Damit eine gute Grundstimmung da ist. So geht man am besten in den Wettkampf.

Schützen Luftpistole Bundesliga SV Waldkirch Edelweiß. Schütze Alexander Kindig aus Burgau 23 Jahre, Student Maschinenbau, wohnhaft in Ichenhausen mit Trainerin Elfriede Weigelt. Leistungsstützpunkt Stützpunkttrainig Training Schießen LP
Bild: Bernhard Weizenegger

Stichwort Routine: Sie wurden im Jahr 2014 Junioren-Weltmeister. Da wird ja nach einem vollkommen anderen Modus geschossen. Es gibt einen Vorkampf mit 60 Schuss und dann das Finale der besten acht Teilnehmer, das als Ausscheidungswettkampf ausgetragen wird. In der Bundesliga dagegen tritt Schütze gegen Schütze an: Der Sieger nach 40 Schuss bekommt einen Punkt. Was macht zwischen diesen Modi aus Schützen-Perspektive den größten Unterschied?

Kindig: Wenn man beim internationalen Einzel-Modus im Finale ist, hat man wegen der Wertung auf Zehntelpunkte mehr als eine Chance, einen etwas schlechteren Schuss auszugleichen.

2016 wurde Kindig mit Waldkirch Deutscher Meister

Sie standen schon vor dem Aufstieg in die Bundesliga im Waldkircher Team. Nach der vierten Saison stehen sie jetzt zum vierten Mal in einer Endrunde um den Titel. Wann war dieser Erfolg gefühlsmäßig am schönsten?

Kindig: Beim ersten Mal, definitiv. Im Nachhinein natürlich, weil wir gleich in unserem ersten Bundesliga-Jahr Meister wurden. Aber die Lokalitäten in Rotenburg an der Fulda waren einfach optimal. Die Sporthalle lag direkt am Hotel. Es herrschte eine ganz andere Stimmung als in Paderborn. Obwohl: Auch dort haben wir es gut erwischt, aber es ist schon alles weitläufiger.

Nicht-Schützen runzeln ungläubig die Stirn, wenn sie hören, dass bei Schießwettkämpfen Karnevalsstimmung auf der Tribüne und phasenweise infernalischer Lärm in der Halle herrscht. Stört Sie das tatsächlich nicht? Oder blendet ein Schütze das aus?

Kindig: Man gewöhnt sich an die Fans im Hintergrund. Nach einigen Wettkämpfen ist das dann sogar ein wichtiges Element. Wenn die Fans fehlen, fehlt auch uns Schützen was.

Was meinen Sie: Zählen die Waldkircher Anhänger eher zu den Stimmungskanonen auf der Tribüne?

Kindig: Unter der Saison sind wir definitiv eine der Mannschaften mit den meisten und lautesten Fans. Beim Finale rekrutiert dann jede Mannschaft alles an Fans, was mitfahren kann. Da gleicht sich das ein bisschen aus.

Sie tauchen seit Ihrem WM-Titelgewinn nicht allzu häufig bei großen internationalen Einzel-Wettkämpfen auf. Träumen Sie gar nicht von einer Olympia-Teilnahme oder ähnlichen Höhepunkten?

Kindig: Mein Fokus liegt auf meinem Maschinenbau-Studium und auf der Bundesliga als Mannschaftssport. Ich habe für mich herausgefunden, dass das professionelle Wettkampfschießen nichts für mich ist. Wenn man schießen muss und nicht mehr kann oder will, geht für mich der Spaß verloren. Hier in Waldkirch dagegen ist Zusammenhalt da. Das Ganze ist gewachsen. In gewisser Weise hat man auch eine eigene Fankultur generiert.

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