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Bildung

22.07.2020

Wie gut sind Schulen im Kreis Günzburg digital aufgestellt?

Zeigt her eure Tablets! Jede Schülerin und jeder Schüler der Grundschule Jettingen-Scheppach hat von der ersten Klasse weg leihweise seinen eigenen kleinen Computer. Das ist längst nicht überall so im Landkreis Günzburg. Ein in Gründung befindlicher Zweckverband macht sich daran, dass alle Grund- und Mittelschulen im Landkreis fit gemacht werden für das digitale Zeitalter.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der eingeschränkte Präsenzunterricht in der Corona-Zeit wurde mit Homeschooling aufgefangen. Wie das gelungen ist. Und wie die Digitalisierung vorankommen soll.

Wenn man sich das Gute aus der Corona-Zeit herauspickt, ist es die Erkenntnis, „dass wir eine richtige Schulgemeinschaft erleben durften. Uns wurde von vielen Kindern und Eltern eine Wertschätzung entgegengebracht, wie wir das noch nie erfahren haben.“ Das sagt Christian Hörtrich, der zugleich das Maria-Ward-Gymnasium in Günzburg und die gleichnamige Realschule leitet. Anstrengend sei es für alle Beteiligten gewesen. Auch für die Pädagogen, die gewissermaßen selbst noch einmal die Schulbank gedrückt haben, um zu lernen, wie digitaler Distanzunterricht am besten vermittelt wird. Auch nach Feierabend und in den Ferien haben die Lehrer nicht einfach abgeschaltet, um dem Ziel nahezukommen, „möglichst alle“ auf dieser ungewöhnlichen Reise mitzunehmen.

Auslöser für das nun zu Ende gehende „sportliche Schuljahr“ (Hörtrich) ist die Corona-Pandemie. Schulen blieben zunächst geschlossen. An einen „Normalbetrieb“ ist bis heute nicht zu denken, was auch am letzten Schultag, wenn die Zeugnisse übergeben werden, noch einmal deutlich wird. „Gefühlt“, sagt der Leiter der Maria-Ward-Schulen, die unter kirchlicher Trägerschaft stehen, „sind wir durch Corona mit der Digitalisierung um zehn Jahre nach vorne gepusht worden.“

Es gibt nicht nur einen Plan für das kommende Schuljahr

Wie es im kommenden Schuljahr weitergeht, kann Hörtrich noch nicht sagen. Er muss in mehrerlei Richtungen planen. Wenn alle wieder Präsenzunterricht haben sollten, sind die Abstandsregelungen nicht mehr zu halten. „Das ist schon räumlich gar nicht möglich.“ Eingespielt ist inzwischen auch das jetzige Modell – eine Aufteilung der Schülerinnen und Schüler in A- und B-Gruppen: Die einen werden an der Schule unterrichtet – in kleine Gruppen aufgeteilt. Die anderen sitzen zu Hause und können durch entsprechende Software-Programme und Endgeräte ebenfalls am Unterricht teilnehmen. Eine zweite Corona-Welle könnte aber auch einen erneuten „Lockdown“ nach sich ziehen. „Das brauchen wir nicht mehr“, sagt Hörtrich. Denn trotz aller digitalen Fortschritte hätten die sozialen Kontakte doch spürbar gelitten. Und auf die komme es an.

Zwei Lehrkräfte am Gymnasium wollen das nicht mehr länger mitmachen und haben sich ein halbes Jahr früher als geplant in den Ruhestand verabschiedet. Der Schulleiter kann das nachvollziehen. Ihn schmerzt der frühzeitige Verlust dieser „wirklich guten Pädagogen“. Es sei diese Woche schon ein „tränenreicher Abschied“ gewesen.

Wo jeder Grundschüler sein eigenes Tablet hat

Die Maria-Ward-Schulen sind digital verhältnismäßig gut aufgestellt. Das gilt auch für die Grundschule Jettingen-Scheppach. Dort hat seit Januar jeder Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse sein eigenes iPad – ein Tabletcomputer der Marke Apple. 290 Geräte stehen insgesamt zur Verfügung. 250 davon haben die Grundschüler leihweise zur Verfügung gestellt bekommen, der Rest ist Reserve. „Wenn man Medienkompetenz wirklich vermitteln möchte, dann ist es gut, wenn die Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse ihre eigenen Geräte haben, auf denen sie auch ihre Daten solange lassen können“, sagt Grundschulrektor Andreas Spatz.

Er selbst ist Klinken putzen gegangen und hat Geld von verschiedenen Betrieben vor Ort bekommen – damit konnte er zunächst 60 der Tablets anschaffen. Online waren diese Geräte in der Schule zu buchen. „Und sie waren ständig ausgebucht. Deshalb sind wir zur großen Lösung übergegangen“, sagt Spatz. Der Sachaufwandsträger, die Gemeinde Jettingen-Scheppach hat für einen Zeitraum von fünf Jahren 230 Geräte geleast. Das kostet die Marktgemeinde 100000 Euro.

"Extrem sinnvoll" - der in Aussicht stehende Zweckverband

Für „extrem sinnvoll“ hält der Grundschulleiter den in Gründung befindlichen Zweckverband „Digitale Schulen“ im Landkreis Günzburg. Dort schließen sich die Träger der Grund- und Mittelschulen zusammen – das können Kommunen sein oder Schulverbände. Das Ziel ist es, die Digitalisierung in den Klassenzimmern im Landkreis Günzburg voranzubringen, zu vereinheitlichen und zentral zu verwalten. So muss nicht jede Schule an einer hauseigenen Lösung basteln. Mit der Gründung des Zweckverbands ist man coronabedingt etwas hinter dem Zeitplan, sagt Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler, der das Projekt bislang auf politischer Ebene koordiniert und auch bereit wäre, Vorsitzender des künftigen Zweckverbands zu sein, „so ich gewählt werde“.

Zwei Gremien haben sich in dieser Woche noch mit dem Beitritt zum Zweckverband beschäftigt. Die Beschlüsse gelten als Formsache. Nach den Sommerferien steht dann im September oder Oktober tatsächlich die Gründung an. Nicht dabei sein wird die Stadt Günzburg, die im EDV–Bereich offenbar recht komfortabel aufgestellt ist und ihre Schulen entsprechend unterstützen kann. Und auch der Landkreis Günzburg ist noch nicht als Aufwandsträger weiterführender Schulen dabei. Diese Lösung ist ganz bewusst so gewählt, da ohne diese Mitgliedschaft das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde der Ansprechpartner ist. Wäre der Landkreis ebenfalls Zweckverbandsmitglied müsste die Regierung von Schwaben die Rechtsaufsicht ausüben. Das war in der Aufbauphase scheinbar nicht die Option für die handelnden Personen.

Viele Lehrer haben gelernt

Jürgen Schlieszeit ist der medienpädagogische Beratungsrektor digitale Bildung für Grund- und Mittelschulen in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm und Leiter des Medienzentrums im Kreis Günzburg. Er hat in den vergangenen Tagen im Kreis Günzburg zwei Dutzend Schulen besucht und geschaut, wie es um das lokale Funknetz, die WLAN-Infrastruktur, bestellt ist – Voraussetzung für einen schnellen Zugang ins Internet. Daneben geht es um die Hard- und Software und um die Fertigkeiten der Lehrer. Aufeinander aufbauende Online-Seminare wurden deshalb angeboten, bis zu vier Schulungen an einem Tag. Auf diese Weise seien innerhalb eines Monats 2600 Teilnehmer im Kreis Günzburg erreicht worden, bilanziert Schlieszeit.

Der Stand: Eher befriedigend als gut

Wie bewertet der Experte nun die Digitalausstattung an den Grund- und Mittelschulen insgesamt? In eine Note gefasst würde er „eine 2 bis 3“ verteilen „mit Tendenz zu 3“. Möglichst schnell soll das weiter verbessert werden hin zur Note „gut“. Mittel zum Zweck ist dabei der künftige Zweckverband.

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