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Günzburg

23.08.2020

Wie junge Günzburger ihre Zeit verbringen - und was ihnen in der Stadt fehlt

Vor allem mit Freunden und dem Smartphone verbringen junge Günzburger gerne ihre Zeit.
Bild: Silas Stein/dpa (Symbolbild)

Plus Die Ergebnisse von fast 1500 Fragebögen sind da. Warum die Mobile Jugendarbeit bei Problemen mit Ruhestörung und Vandalismus in Günzburg nur bedingt helfen kann.

Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird gerne nachgesagt, sich für nichts zu interessieren und sich nicht einbringen zu wollen. Die Stadt Günzburg aber will sie einbinden und hat mit der Jugendhilfe Seitz das Projekt „You & GZ“ ins Leben gerufen. Bestandteil ist eine Befragung der 14- bis 20-Jährigen: Was bewegt sie, was würden sie ändern? Die Ergebnisse liegen seit Kurzem vor. Wie wohl fühlen sie sich also in der Großen Kreisstadt Günzburg, wo immer mal wieder Beschwerden über Ruhestörungen und Vandalismus laut werden, die vermeintlich auf ihr Konto gehen sollen?

Zunächst zur Ausgangslage: Angeschrieben wurden 1452 junge Bürger im Alter von 14 bis 20 Jahren. 295 Fragebögen kamen zurück. 68 Teilnehmer bekunden ihr Interesse, sich aktiv einbringen zu wollen. Ganz oben auf der Prioritätenliste der beliebtesten Beschäftigungen stehen Sport, das Smartphone und das Treffen mit Freunden. Am liebsten sind sie daheim, bei Freunden oder im Verein. Bemängelt werden zu wenige Treffpunkte in der Stadt, das Freizeitangebot sei ausbaufähig.

Jugendliche und junge Erwachsene wünschen sich eben solche Treffs, ein Jugendlokal beziehungsweise eine Jugendbar, mehr Sportplätze, den Ausbau des Waldbads und eine bessere Verkehrsanbindung, Vergünstigungen für Schüler, bessere Freizeitmöglichkeiten und ein passendes musikalisches Angebot im Bereich Discos und Konzerte. Beim genaueren Blick in die Auswertung wird deutlich: Vor allem die 14- und 15-Jährigen haben an der Befragung teilgenommen, die 19- und 20-Jährigen hingegen eher weniger.

Im September sollen die Ergebnisse in Günzburg besprochen werden

Die Ergebnisse liegen nun also auf dem Tisch. Was aber passiert damit? Bevor Corona das öffentliche Leben in der davor normalen Form unmöglich machte, sollten die Ergebnisse im Forum am Hofgarten vorgestellt und mit den jungen Leuten diskutiert werden. Da dies nicht ging, wurde die Auswertung zumindest auf digitalem Weg kommuniziert, um zu zeigen, dass das Thema nicht vergessen ist, sagt Andrea Burkhardt von der Jugendhilfe Seitz.

Die Erzieherin ist die pädagogische Leitung im Bereich der Jugendarbeit, seit gut dreieinhalb Jahren dabei und kümmert sich zusammen mit ihrem Kollegen Benjamin Bierweiler um die Mobile Jugendarbeit in Günzburg. Außerdem ist sie im Jugendtreff aktiv. Im September sollen die Ergebnisse nun auch in einer Stadtrats-Ausschusssitzung besprochen werden.

"Wir sind nicht das Ordnungsamt oder die Polizei"

Was den beiden wichtig ist: „Wir sind nicht das Ordnungsamt oder die Polizei, sondern wir sehen uns als Vermittler“, betont Burkhardt. Sie treten bei ihren Rundgängen montags und mittwochs nicht als Wächter auf, sie sehen sich als Ansprechpartner für alle Lebenslagen. Wer etwa Sorgen wegen Ausbildung oder Schule hat oder bei dem in der Familie etwas nicht rund läuft, kann sich an sie wenden, auch in ihrem Büro an der Krankenhausstraße. Auch wenn es um Alkohol- und Drogenmissbrauch geht, haben sie ein offenes Ohr und versuchen, zu Stellen zu vermitteln, die hier helfen können. Eltern hätten sich auch schon ratsuchend an sie gewandt.

Um Sorgen und Nöte junger Günzburger kümmern sich Andrea Burkhardt und Benjamin Bierweiler von der Mobilen Jugendarbeit.
Bild: Christian Kirstges

Die Hotspots, an denen sich junge Leute in der Stadt treffen, änderten sich ständig, was auch von der Witterung abhänge. Burkhardt: „Unsere Hauptzielgruppe sind junge Leute im Alter von 12 bis 24 Jahren. Wir schicken aber auch keinen weg, der jünger oder älter ist.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei sehr gut, ergänzt Bierweiler, und auch mit denen, auf die sie draußen treffen, gebe es keine Probleme: „Der Austausch mit den Jugendlichen findet in einem gegenseitig höflichen und respektvollen Umgang statt.“

Beschwerden über Ruhestörungen und Vandalismus in der Innenstadt

Weniger angetan sind gerade Anwohner in der Innenstadt, die in der Vergangenheit immer wieder von Ruhestörungen und Vandalismus berichteten, die Rede dabei war oft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Verursacher. Günzburgs Polizeichef Stefan Müller sagt dazu, dass es bei Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum im Vergleich der Jahre 2018, 2019 und dem bisherigen Zeitraum in 2020 steigende Zahlen gebe, sie sich aber gemessen an der Größe der Stadt im unteren Bereich bewegten.

Rund ums Forum habe es 2018 insgesamt elf Sachbeschädigungen gegeben, aber etwa kein einziges Graffiti. 2019 waren es 25 Sachbeschädigungen, davon zehn im öffentlichen Raum. Und in diesem Jahr seien die Zahlen schon ähnlich zu denen aus 2019. In der Tat falle der Verdacht häufig auf junge Leute, bei Graffiti sei das auch naheliegend, aber letztlich könne man das natürlich nur mit Gewissheit sagen, wenn ein Täter ermittelt werden kann.

Die Stadt Günzburg ist zufrieden mit der Mobilen Jugendarbeit

Was Ruhestörungen angeht, sei die Toleranzgrenze der Bürger sehr unterschiedlich, die Polizei gehe allem nach. Die Beamten und auch die Sicherheitswacht zeigten Präsenz und versuchten, mit den jungen Leuten etwa im Hofgarten ins Gespräch zu kommen. Einen Kriminalitätsschwerpunkt gebe es jedenfalls nicht in der Innenstadt. Und ein anderes Ärgernis vieler Anwohner sei zumindest im Stadtzentrum abgeebbt: das der Autoposer mit ihren quietschenden Reifen und lauten Auspuffanlagen. Hier zeige die Polizei auch „null Toleranz“.

Eine solche verfolgt die Stadtverwaltung nach eigenen Worten ebenfalls bei Beschädigungen: Es werde immer Anzeige erstattet, wenn städtischen Eigentum angegangen werde. Erhöhte Zahlen zu Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten seien aber nicht bekannt. Die Mobile Jugendarbeit, mit der man zufrieden sei, appelliere an junge Leute, den öffentlichen Raum, in dem sie sich aufhalten, sauber zu halten und nichts zu beschädigen. Aber sie sei keine Hilfspolizei. Was untereinander besprochen wird, sei vertraulich. Und so sagt auch der Polizeichef: Kontakt zur Mobilen Jugendarbeit gebe es nicht.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Christian Kirstges:

Bei der Jugendarbeit hilft nur Ausdauer - sonst kann man's bleiben lassen

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