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AKW Gundremmingen

01.08.2020

Wird das Atomkraftwerk Gundremmingen zum Freizeitpark?

Nach der Idee von Studenten der Uni Kassel könnte aus dem Atomkraftwerk ein Wissens- und Vergnügungspark werden. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen.
Bild: Yueting Pang, Chengyuan Zhang und Haiyao Zhou/Universität Kassel, Fachgebiet Städtebau

Plus Im AKW Gundremmingen läuft der Rückbau von Block B. Ende 2021 wird die Anlage abgeschaltet. Studenten haben Ideen entwickelt, was dort entstehen könnte.

Im März vergangenen Jahres hatte die KGG, Betreibergesellschaft des Atomkraftwerks (AKW) in Gundremmingen, nach längerem Warten die Erlaubnis bekommen: Block B darf zurückgebaut werden. Innerhalb von 15 bis 20 Jahren soll die Anlage nun gewissermaßen entkernt werden, die Gebäude sollen aber erst einmal stehen bleiben. Sie könnten konventionell abgerissen oder anderweitig genutzt werden.

Konkrete Planungen zur künftigen Nutzung des Geländes gibt es nicht, erklärt Kraftwerkssprecherin Christina Kreibich gegenüber unserer Zeitung. Derzeit werden in Block B jedenfalls die Raumbereiche der Turbinenölsysteme abgebaut, die für das Schmieren der Lager von Turbine und Generator vorhanden waren. „Eine weitere wichtige Aufgabe ist derzeit die Erweiterung und Modernisierung des Technologiezentrums. Dort werden Maschinen und Einrichtungen für eine effiziente Bearbeitung, wie Zerlegung und Reinigung sowie abschließende Messung abgebauter Komponenten, errichtet und in Betrieb genommen.“

Nicht mehr zuständig ist die KGG seit Januar vergangenen Jahres für das Atommüll-Zwischenlager am Standort. Dort werden 75 Castorbehälter mit Brennelementen aus den Kraftwerksblöcken B und C aufbewahrt, genehmigt ist es für 192 Behälter, erklärt Stefan Mirbeth. Er ist Sprecher der zuständigen bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Die nächsten sollen im September kommen.

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Das Atommüll-Lager am AKW in Gundremmingen soll autark werden

Übrigens waren bereits drei Monate nach der Abschaltung von Block B die Brennelemente aus dem Kern entladen worden, nach einer gut fünfjährigen Abklinglagerung im Brennelementlagerbecken werden sie anschließend in Castor-Behälter verpackt und ins Standortzwischenlager transportiert.

In Sichtweite zu den Kühltürmen des Kraftwerks wächst das Holzwerk der Firma Scheiffele-Schmiederer.
Bild: Bernhard Weizenegger

Parallel werde daran gearbeitet, das Lager autark betreiben zu können, denn nach wie vor ist es von der Infrastruktur des Kernkraftwerks abhängig. „Dieses Projekt wird sich über die kommenden Jahre erstrecken.“ Ein auch für die Öffentlichkeit sichtbarer erster Schritt sei beispielsweise, dass die Schilder vor dem Gebäude des Werkschutzes deutlich machen, dass sich sowohl Einrichtungen von RWE als auch der BGZ auf dem Gelände befinden.

Corona hat auch hier alles durcheinander gebracht

Wie es am Standort weitergehen soll, wenn auch Block C Ende 2021 abgeschaltet wird und die Rückbauarbeiten am Kraftwerk einmal abgeschlossen sein werden – der Betrieb des Zwischenlagers wird diese wohl überdauern –, weiß man in Gundremmingen noch nicht. Zwar gibt es ein Projekt der Universität Kassel, in dem ein Professor mit seinen Studenten die Möglichkeiten für die Konversion an Kraftwerks-Standorten untersucht (wir berichteten), aber es ist ins Stocken geraten, berichtet Bürgermeister Tobias Bühler.

Es waren ein Diskussions- und Ausstellungstermin in Berlin geplant, seitdem habe er aber nichts mehr davon gehört, da alle mit dem Thema Corona beschäftigt gewesen seien. Auf Anfrage unserer Zeitung zum Stand der Dinge sagt der Uni-Professor, dass Corona das Semester ziemlich durcheinandergebracht habe, die Ausstellung aber nachgeholt werden solle. Die im Rahmen des Projekts erstellten Dokumente gingen an die jeweiligen Kommunen, die dann entscheiden müssten, ob sie sich damit tiefergehend beschäftigen wollen.

Versuchsfelder für Agrarforschung in Gundremmingen statt Atomkraft

Eine Idee für die künftige Nutzung der Anlage in Gundremmingen: „Die Reaktorgebäude, Maschinenhallen und Kühltürme würden erhalten und durch ein neues, fünf Meter hohes Plateau aus Ateliers und Handwerksbetrieben zusammengeschnürt.“ Es könnte Raum für Open-Air-Veranstaltungen geschaffen werden, heißt es in den Projekt-Unterlagen der Studenten Sophie Dornieden, Mariolina Herfeld, Nannette Peters und Nuoqi Wang. „Die Kühltürme werden als einzigartige Ausstellungsräume für Großinstallationen umgedeutet. Zwischen ihnen und dem Plateau spannt sich ein großzügiger und grüner Freiraum auf, der die Besucher empfängt und Orientierung schafft. Der Saum der Anlage wird renaturiert“, der Werkraum für Kunst und Handwerk würde wie in einer Waldlichtung stehen.

Eine andere Möglichkeit wäre, das „Synonym für Risiko und Gefahr für Mensch und Natur“ umzukehren als Ort „für eine innovative Lebensmittelproduktion, zukunftsorientierte Agrarforschung und die Erzeugung erneuerbarer Energien. Das Umfeld der Reaktorgebäude und Maschinenhallen wird in Versuchsfelder für die Agrarforschung umgewandelt. Anfallende Pflanzenabfälle speisen eine benachbarte Biogasanlage, die wiederum Dünger für den Lebensmittelanbau hervorbringt. Das erzeugte Gas wird an ein Gasturbinenkraftwerk in den früheren Maschinenhäusern geleitet, das Strom für den Betrieb der gesamten Anlage liefert.“

Die Dimensionen sind gewaltig

Im Zentrum stünden nach den Vorstellungen von Jana Götte, Vinciane Jacobs und Jasmin Schwerdtfeger auch hier die Kühltürme: „In vertikalen Aquaponik-Farmen werden Fische in Aquakultur und Nutzpflanzen in Hydrokultur gezüchtet.“ Die Dimensionen sind gewaltig, denn die Abfälle beziehungsweise Produkte der einen Kultur würden als Nährstoffe für die andere genutzt, es könnten jährlich gut siebeneinhalb Tonnen Fisch und 45.000 Tonnen Gemüse und Kräuter hergestellt werden. Tomaten kämen dann nicht mehr aus dem Ausland, sondern aus Gundremmingen.

Und auch bei der dritten Idee würde das Kraftwerk nicht dem Erdboden gleichgemacht, wenn hier ein Freizeit- und Bildungspark entstünde. In der Region Schwaben gebe es Potenzial für ein solches Angebot, „der zentrale Bereich mit Reaktorgebäuden und Maschinenhallen wird in einen Edutainment-Bereich in Form eines Technikmuseums umgewandelt“, schreiben Yueting Pang, Chengyuan Zhang und Haiyao Zhou in ihrem Entwurf.

Das Atomkraftwerk - während es gerade abgeschaltet ist - aus der Luft betrachtet.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Auch ein Hotel wäre in Gundremmingen denkbar

Rund um die anderen Anlagen würden unter anderem technische Exponate gezeigt. Die Strommasten könnten zur Seilbahn werden, in den Kühltürmen könnten Wasserrutschen und eine Panaromaplattform entstehen, „ergänzt um eine Achterbahn im Bereich des aktuellen Zwischenlagers“. Auch ein Hotel sowie ein Ausstellungs- und Kongresszentrum seien vorstellbar.

Als ein Stück Zukunftsvorsorge ist von der Gemeinde jedenfalls die Ansiedlung der Holzfirma Scheiffele-Schmiederer geplant, die von Dillingen nach Gundremmingen umzieht. Im Januar 2019 war der Spatenstich für das Millionen-Projekt, zunächst 100 Menschen sollen in Sichtweite zum Kraftwerk einmal arbeiten. Wie Maximilian Ruf, zuständig für die Kommunikation der Firma, erklärt, laufen die Arbeiten nach Plan. „Die Eröffnung ist für den Sommer 2021 geplant.“

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02.08.2020

Ein Freizeit Park auf dem Gelände des AKW Gundremmingen wird für viele strahlende Gesichter sorgen.

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