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Obergessertshausen

10.06.2017

Zwei Brüder lieben’s querfeldein

Andreas (links) und Georg Egger trainieren zwölf bis 15 Stunden pro Woche für ihre Leidenschaft. Besonders gerne sind sie im heimischen Wald nahe Obergessertshausen unterwegs. An den Hindernissen dort haben sie selbst mitgebaut.
Bild: Alexander Sing

Georg und Andreas Egger steuern ihre Räder am liebsten über Wiesen und Hänge. Einer der beiden will das sogar bei Olympia 2020 tun. Welche Tipps sie für Anfänger haben.

Noch leicht verschwitzt von einer kleinen Tour durch den heimischen Forst, sitzen Georg und Andreas Egger am Küchentisch in einem Haus am Rand von Obergessertshausen. Die 22 und 21 Jahre alten Brüder sind in dem Aichener Ortsteil aufgewachsen. In der Garage neben dem Haus steht ihr wertvollster Besitz. Mehrere Mountainbikes, ordentlich in Ständern aufgereiht, warten dort auf eine Ausfahrt. Drumherum liegt und steht genug Werkzeug, um eine kleine Fahrradwerkstatt zu betreiben. Drinnen haben sich die Brüder alkoholfreies Bier eingeschenkt. Isotonisch, genau das Richtige nach dem Sport. Kilometerlang über Wiesen, durch Wälder und Hänge hinauf und hinunter zu fahren, das kostet Kraft. Aber einfach nur auf der Straße zu fahren, das ist den Brüdern zu langweilig. Ihre Leidenschaft ist das sogenannte Cross Country. Wer bei den Rennen in dieser Mountainbike-Disziplin vorne mitfahren will, der braucht nicht nur Ausdauer und Kraft, sondern auch eine gute Fahrtechnik und Konzentration. All das haben sich die Eggers über Jahre hinweg antrainiert.

Am heimischen Küchentisch berichten sie von ihren Zielen. Georg Eggers Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Doch die Konkurrenz ist groß. „Da kämpfen etwa zehn Leute um zwei bis drei Plätze im Kader.“ Um dafür noch besser trainieren zu können, hofft Georg Egger auf einen Profivertrag. Er startet schon seit mehreren Jahren für das semi-professionelle Lexware-Team und gehört dem deutschen U-23-Nationalkader an. Ein von Sponsoren finanzierter Profi-Rennstall würde noch bessere Möglichkeiten bieten. Aktuell studiert der 22-Jährige Maschinenbau an der Hochschule Augsburg und kann auch dank eines Förderprogramms seiner Leidenschaft nachgehen. „Für einen Profivertrag muss man vor allem bei internationalen Rennen auf sich aufmerksam machen. Da habe ich im vergangenen Jahr leider mehrmals das Podest knapp verfehlt.“ In der neuen Saison klappt es schon besser für den 66. der Weltrangliste. Beim Weltcup in Altenstadt kam Georg Egger auf Platz zwei ins Ziel.

Sein Bruder Andreas hat bescheidenere Ziele. Der 21-Jährige, der für den MSC Wiesenbach an den Start geht, will erst einmal auf internationaler Ebene Fuß fassen und sich in den Top 20 der deutschen Fahrer etablieren. Der Anschluss an ein Team würde dabei helfen.

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Sie wollten sich von der Trauer ablenken

Zum Mountainbike kamen die Brüder nach dem frühen Tod ihrer Mutter. Gemeinsam mit ihrem Vater waren sie auf der Suche nach einer Ablenkung von der Trauer. Ein Bekannter holte Georg in seine Mountainbike-Hobbymannschaft und der damals Zwölfjährige gewann auf Anhieb die Landkreismeisterschaft. „Mit dem Spaß kam der Erfolg, auch wenn ich am Anfang noch sehr wenig Disziplin hatte, was das Training angeht.“ Andreas Egger eiferte schon bald seinem großen Bruder nach und bald gab es für sie nichts anderes mehr. „Wir haben unsere Aldi-Bikes lackiert und sind damit über selbst gebaute Schanzen gesprungen. Im Urlaub haben wir den ganzen Tag an der Rampe verbracht.“

Von den beiden Brüdern ist Andreas der Tüftler. Nach einer Ausbildung zum Feinwerkmechaniker bei der Firma Wanzl repariert er mittlerweile in Teilzeit „Bikes“ in einem Radgeschäft. Ihren eigenen Rädern widmen die Brüder aber gar nicht so viel Aufmerksamkeit, wie man denken könnte. „Etwa eineinhalb Stunden pro Woche reichen für die Wartung. Hauptsache, das Material hält“, ist die Devise von Georg Egger. „Da sind manche Hobbysportler schlimmer als wir.“

Das sind ihre Tipps

Wer es selbst einmal querfeldein mit dem Rad versuchen möchte, für den haben die Eggers ein paar Tipps parat. „Mit dem Trekkingrad klappt das nicht. Man braucht schon ein Mountainbike mit breiten Reifen und einer Federgabel. 1000 Euro sollte man schon investieren“, sagt Andreas Egger. Er rät auch davon ab, sich das Rad in Einzelteilen online zu bestellen. „Bei der Montage können immer Fehler passieren. Besser ist es, sich im Geschäft beraten zu lassen.“ In Sachen Sicherheit gibt es keine zwei Meinungen. „Ob wir einen Helm anziehen oder nicht, darüber denken wir gar nicht nach. Denn Stürze gehören zu diesem Sport einfach dazu“, sagt Georg Egger.

Außerdem seien Handschuhe, eine Radbrille, eine eng anliegende Radlerhose und Schuhe mit Klickpedalen zu empfehlen. Durch sie sind Füße und Pedale verbunden und man kann auch den Aufschwung nutzen. Eine Fehlerquelle bei Anfängern sei auch das Überschätzen der eigenen Kondition. „Viele geben zu früh zu viel. Es ist wichtig, langsam zu starten. Am Ende kann man sich dann auspowern“, rät Georg Egger. Wer all das beachtet, so die Brüder, habe einen tollen Sport gefunden. „Das ist wie Joggen. Einfach raus und die Wege fahren, die man will.“

Das ist der Mountainbike-Sport

Die ersten Mountainbikes wurden 1973 in Kalifornien entwickelt, um Schotterpisten in den Bergen bewältigen zu können. In den 1980ern wurde das Mountainbike weltweit populär. Es entwickelte sich eine Industrie, die bis heute Material und Technik weiterentwickelt. Etwa zehn Prozent der Deutschen fahren ab und zu Mountainbike. Die erste Weltmeisterschaft fand 1988 im schweizerischen Crans-Montana statt. Seit 1996 ist das Cross Country olympisch. Bekannte Sportler sind der Schweizer Nino Schurter (Olympiasieger 2016) sowie der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiasieger Julien Absalon aus Frankreich. Die Deutschen kennen Sabine Spitz (Olympia-Gold 2008).

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