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Bundestagswahl

08.04.2017

Zwischen Ökologie und sozialer Gerechtigkeit

Ekin Deligöz will als Grünen-Abgeordnete der Region wieder in den Bundestag. Ihre Chancen stehen als Nr. 3 der bayerischen Landesliste gut.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mit welchen Themen Ekin Deligöz punkten will. Und wo sich die Grünen noch verbessern müssen

Wenn alles klappt, wie sie es sich vorstellt, kann nächstes Jahr schon mal ein Fläschchen aufgemacht werden: Denn dann ist die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz, die in knapp zwei Wochen 46 Jahre alt wird, seit zwei Jahrzehnten im Bundestag. Die Voraussetzung für dieses Abgeordnetenjubiläum wird im Herbst geschaffen: Dann ist Bundestagswahl. Die Aussichten für den erneuten Sprung ins Parlament scheinen gut. Auf der bayerischen Landesliste steht sie auf Platz drei hinter Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth und Toni Hofreiter, dem Fraktionschef im Bundestag. Derzeit kommen neun der 63 Grünen-Bundestagsabgeordneten aus Bayern.

Ein Verlust des Mandats droht also kaum. Dennoch ist Deligöz mit dem Auftreten ihrer Partei, die im Augenblick eher zurückhaltende Umfrage-Ergebnisse einfährt, nicht zufrieden. „Wir machen gute Arbeit, aber verkaufen uns nicht gut“, sagt die Mutter zweier Kinder, die in Senden (Kreis Neu-Ulm) lebt und bei der Bundestagswahl als Direktkandidatin der Grünen unter anderem im Landkreis Günzburg zu wählen sein wird.

Deligöz nennt ein Beispiel: Es kam keine Freude auf, als – vor allem wegen der Beteiligung der Grünen in verschiedenen Länderregierungen – Bayern mit dem Antrag im Bundesrat gescheitert ist, dass die Abschiebungen von Flüchtlingen nach Afghanistan überall in der Republik fortgeführt werden sollen. Stattdessen ärgerten sich die Vertreter der Ökopartei über den baden-württembergischen Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann, dessen Land sich aus Gründen der Koalitionsräson der Stimme enthalten hatte. Schließlich übernahm die Junge Union die Öffentlichkeitsarbeit: Grüne verhindern Abschiebung nach Afghanistan. „Das hätten wir melden und stolz darauf sein sollen“, sagt Deligöz beim Besuch unserer Zeitung.

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Die Stärke der Partei sei schon immer gewesen, Dinge „vorausgedacht“ zu haben. Die „Multi-Kulti-Gesellschaft“ führt sie an; von vielen verächtlich gemacht und ihre Befürworter als naiv abgetan. Im Kern gehe es aber darum, „wie Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, bei uns integriert werden können. Das Thema kann nicht aktueller sein.“

Wirklich naiv dagegen sei angesichts des bereits in einigen Branchen akuten Fachkräftebedarfs, hier gut ausgebildete und integrierte Menschen wieder zurückzuschicken. Die Altenpflege sei eines von diesen Berufsfeldern. „Die älteren Leute in unserem Land sind fitter als früher, leben länger und haben Bedürfnisse“, sagt die Politikerin. Mit der Demografie, ihren Folgen und konkretem politischen Handeln würden sich die Grünen eingehend beschäftigen. Ekin Deligöz sieht die Pflege zu Hause fast schon als Auslaufmodell in einer Zeit, in der junge Menschen für einen Arbeitsplatz flexibel sein müssen, was in zunehmendem Maße bedeutet: von den Eltern wegziehen. „Ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist, kann ich nicht beurteilen. Aber sie vollzieht sich.“

Mit ökologischen Themen, der Agrarwende, Verkehrswende und der sozialen Gerechtigkeit wollen die Grünen Boden im Bundestagswahlkampf gut machen. Der SPD soll dieses letzte Feld jedenfalls nicht überlassen werden. Über die Sozialdemokraten kann sie neben dem Spitzenkandidaten Martin Schulz und dem von ihm ausgelösten „Effekt“ nicht viel sagen, „denn danach kommt vor allem Leere“.

Und noch auf etwas setzt Ekin Deligöz: Darauf, dass die Menschen von einer Großen Koalition, in der „alles vor sich hin plätschert“, genug haben.

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