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Gundremmingen: Was ist seit Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen passiert?

Gundremmingen

Was ist seit Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen passiert?

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    Vor einem Jahr ist das Kernkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet worden. Seither wird rückgebaut. Aber wie sieht das konkret aus?
    Vor einem Jahr ist das Kernkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet worden. Seither wird rückgebaut. Aber wie sieht das konkret aus? Foto: Ernst Mayer

    Freitagmittag, sieben Grad zeigt das Thermometer an, lediglich ein paar Schleierwolken geben dem blauen Himmel noch andere Farbanstriche. Wenn es nicht so abgedroschen wäre, könnte man schreiben: Die Sonne strahlt über Gundremmingen. Spaziergänger nutzen die Gelegenheit für eine Runde in der Natur. Manche wählen das Kernkraftwerk Gundremmingen als Fixpunkt, an dem sie sich orientieren. 

    Dass es da liegt, wie immer, stimmt so nicht. Denn noch bis vor einem Jahr produzierte der Siedewasserreaktor von Block C Strom, bis 31. Dezember 2017 waren es zwei baugleiche Reaktoren. Jährlich waren dies den Angaben des betreibenden Energiekonzerns RWE zufolge rund 20 Milliarden Kilowattstunden Strom. Damit sei die Doppelblockanlage eine wesentliche Säule der Energieversorgung in Süddeutschland gewesen. Sie habe etwa ein Viertel des in Bayern insgesamt erzeugten Stroms geliefert. 

    Das Kernkraftwerk wird jetzt als Rückbauanlage bezeichnet

    Das alles ist mit der Abschaltung am 31. Dezember 2021 beendet. Der gut gesicherte Koloss ist gewissermaßen eine Industrieruine, die seither behutsam abgebaut wird. Das Kernkraftwerk wird deshalb auch als Rückbauanlage bezeichnet. Nach außen hin ist der Rückbau bislang kaum sichtbar. Am ehesten noch ist das Ende des Atomkraftwerks (AKW) daran zu erkennen, dass kein Dampf mehr aus den 161 Meter hohen Kühltürmen emporsteigt. 

    In den beiden Kühltürmen sind keine Einbauten mehr.
    In den beiden Kühltürmen sind keine Einbauten mehr. Foto: Ernst Mayer

    Innen aber hat sich einiges getan, wie Sprecher Christian Kirstges auf Nachfrage erklärt: Demnach gehört der Ausbau des Generators in Block C – in Block B war dies bereits vorher erfolgt – sowie das Zerschneiden der Frischdampf- und Speisewasserleitungen in Block C zu den "Meilensteinen" des Rückbaus im Jahr 2022. Die Kühltürme sind inzwischen frei von Einbauten. Nun kann man von unten tatsächlich durch die Öffnung der entkernten Türme ein Stück Himmel sehen. 

    Block B in Gundremmingen hat seit September keine Brennelemente mehr

    Block B ist seit September brennelementfrei, für Block C ist dies für das Jahr 2026 geplant. Im Zwischenlager am Standort, betrieben von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung, befinden sich dem Vernehmen nach 103 beladene Castor-Behälter (Stand: 10. Dezember). Dort gibt es eine Kapazität von insgesamt 192 Stellplätzen.

    2023 wird unter anderem die Zerlegung von beweglichen Reaktoreinbauten wie Messlanzen (sie dienten der Überwachung des Reaktorkerns) in Block B abgeschlossen. Ist das zu Ende gebracht, wird dieser Prozess unmittelbar danach in Block C wiederholt. Außerdem soll damit begonnen werden, die Reaktordruckbehälter samt ihren Einbauten zu zerlegen und zu verpacken: ein Großprojekt in der Rückbauanlage. Dessen Leiter Heiko Ringel erklärt dazu: "Am sicheren Rückbau unseres Kraftwerks arbeiten die eigene Mannschaft und unsere Partnerfirmen Hand in Hand. Die Arbeiten sind aufwendig vorbereitet und laufen planmäßig.“

    100 Arbeitsplätze weniger innerhalb eines Jahres

    Abgebaut wird im stillgelegten Kernkraftwerk auch das Personal: Es sei wie vorgesehen zum Jahresende sozialverträglich von knapp 540 auf rund 440 Kolleginnen und Kollegen reduziert worden, berichtet Kirstges. Und weiter: "Der notwendige kontinuierliche Stellenabbau erfolgt, wie an allen Kraftwerksstandorten von RWE, sozialverträglich und unter Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter."

    Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler (CSU) hat sich auf die Zeit nach dem AKW eingestellt. Er sagt, dass es im Vergleich zum Jahr 2014 in der 1350-Einwohner-Gemeinde um die 100 Arbeitsplätte mehr gibt. Ob diese Bilanz bei einem weiteren kontinuierlichen Stellenabbau bei RWE bald noch gilt, steht freilich auf einem anderen Blatt. 

    Gundremmingens Bürgermeister: Wiederinbetriebnahme ist Geschichte

    Eine von der Politik vor allem in Berlin und München in diesem Jahr diskutierte Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerk-Standorts Gundremmingen wird nach der Überzeugung Bühlers nicht stattfinden. "Das ist Geschichte. Ein Monat Rückbau, hat man mir gesagt, würden zwei bis drei Monate Wiederaufbau bedeuten. Und für den Betreiber muss das ja alles noch planbar sein."

    Das Gewerbesteuer-Aufkommen liegt dem Gemeindechef zufolge heuer zwischen 2,6 und 2,8 Millionen Euro. Das macht ihn nicht unfroh, wenn man davon ausgehen kann, dass das vom Netz genommene Kernkraftwerk ja keine Gewinne mehr erzielen kann. Mit Verweis auf das Steuergeheimnis geht Bühler darauf nicht ein. Er ist aber erleichtert darüber, dass der Branchenmix in Gundremmingen nichts mit der Automobilindustrie zu tun hat. Und: Seine Vorgänger hätten in noch besseren Zeiten solide gewirtschaftet und clever investiert. Dies habe er fortgesetzt. Gemeint sind damit die Immobilienkäufe der Kommune und die anschließende Vermietung der Wohnungen: In drei Gebäuden in der Landeshauptstadt München sind das knapp unter 100 Wohneinheiten, in Gundremmingen 65. Und auch in Günzburg steht ein Mietshaus, dessen Eigentümerin die Gemeinde Gundremmingen ist. Entscheidender Unterschied zur Gewerbesteuer: Von dieser Steuerart streicht die Kommune nur einen Anteil ein, die Miete kassiert sie komplett. 

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