Die Bürgerinnen und Bürger, deren Abwasser in die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Unteres Günztal fließt, müssen sich womöglich auf höhere Abwassergebühren einstellen. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe: Das Schneckenhebewerk in der Anlage bei Kötz muss saniert werden. Außerdem wird der anfallende Klärschlamm bereits nicht mehr als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht, sondern thermisch verwertet. Insgesamt etwa 1,4 Millionen Euro muss der Abwasserzweckverband für die beiden Maßnahmen investieren, dazu kommen etwa 100.000 Euro für Planungshonorare.
Abwasser von 20.000 Einwohnern im Günztal
Der 1969 gegründete Abwasserzweckverband Unteres Günztal ist verantwortlich für das Sammeln und Klären des Abwassers aus den Kommunen Kötz, Ichenhausen, Ellzee, Waldstetten, Neuburg, Wiesenbach, Deisenhausen, Breitenthal und Ebershausen. Abwasser von knapp 20.000 Einwohnern Menschen und von etlichen Betrieben wird in der Kläranlage im Günztal zwischen Kleinkötz und Großkötz so aufbereitet, dass es problemlos wieder in die Günz geleitet werden kann. Auf insgesamt 42.000 Einwohnergleichwerte ist die Verbandskläranlage ausgelegt. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich manches bei der Abwasserreinigung verändert und die Anforderungen an die Qualität des schließlich gereinigten Brauchwassers sind stetig gewachsen.
Auch bei der Verwertung des anfallenden Klärschlamms hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Galt er Landwirten lange Zeit als wertvoller und günstiger Dünger für die Felder, so stehen heute Verbraucher, Landwirte und Gesetzgeber dieser Art der Klärschlammverwertung äußerst kritisch gegenüber, Stichwort Schwermetalle. "Ein Richtungswechsel, der uns durch die veränderte Einstellung der Bevölkerung zur Klärschlammverwertung in der Landwirtschaft und vom Gesetzgeber auferlegt wurde. Der will die Inhaltsstoffe von Klärschlamm, zum Beispiel Schwermetalle, immer weniger auf die Ackerflächen ausgebracht sehen. Die Klärschlammentsorgung verteuert sich dadurch im laufenden Betrieb", sagt Verbandvorsitzender Robert Strobel, Bürgermeister der Stadt Ichenhausen und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Ichenhausen, in der der Abwasserzweckverband mitverwaltet wird.
Weniger Klärschlamm auf den Feldern rund um Kötz
Schon in den vergangenen Jahren hatte der Gesetzgeber das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen immer weiter eingeschränkt, ein komplettes Verbot ist absehbar. Dass jetzt die Kammerfilterpresse auf der Kötzer Kläranlage nach 50 Betriebsjahren endgültig am Ende ihrer Lebensdauer angelangt ist, machte eine richtungsweisende Entscheidung notwendig. Bisher hatte man dem bei der Abwasserreinigung anfallenden flüssigen Klärschlamm, der einen Trockensubstanzanteil von etwa fünf Prozent hat, in der Kammerfilterpresse Wasser entzogen, sodass der Trockensubstanzanteil bei 26 Prozent lag - das ist vergleichbar mit der Konsistenz von feuchter Erde - und per Lkw transportiert werden konnte.
Das ist der Abwasserverband Unteres Günztal
Der Abwasserzweckverband Unteres Günztal ist 1969 von der Stadt Ichenhausen, den Gemeinden Kötz und Waldstetten sowie den damals noch selbstständigen Ichenhauser Stadtteilen Autenried, Deubach, Hochwang, Oxenbronn und Rieden gegründet worden. Zehn Jahre später kamen Ellzee, Neuburg, Wiesenbach, Deisenhausen, Breitenthal und Ebershausen hinzu.
In der Verbandskläranlage in Kötz wird das Abwasser von knapp 20 000 Einwohnern sowie zahlreichen Betrieben gereinigt. Der Verband unterhält etwa 35 Kilometer überörtlicher Abwasserkanäle von Ebershausen im Süden bis Kötz im Norden. Flächenmäßig deckt der Verband rund ein Viertel des Landkreises ab.
In den 50 Jahren seines Bestehens hat der Verband nach Angaben von Robert Strobel, der Ichenhauser Bürgermeister und Verbandsvorsitzende, rund 102 Millionen Euro in die Abwasserentsorgung investiert, für Betrieb und Unterhalt sind etwa 53 Millionen angefallen. In den fünf Jahrzehnten sind 64 Milliarden Liter Abwasser (ohne Regenanteil) in der Kläranlage gereinigt und anschließend in die Günz geleitet worden. (kai)
Den Verwertungsweg über die Landwirtschaft hatte man beim Abwasserzweckverband schon länger in Frage gestellt und jetzt hat die Verbandsversammlung offiziell beschlossen, einen neuen Weg zu gehen. Der Klärschlamm wird bereits seit einigen Monaten thermisch verwertet, also verbrannt. Anstelle einer Kammerfilterpresse ist deshalb in der Kläranlage eine Zentrifuge installiert worden. Nach erfolgter Aufplanung durch das Büro Ing.-Büro Dippold und Gerold (Honorarsumme circa 30.000 Euro) wurde die Lieferung und Installation der Zentrifuge mit zugehöriger Dosiertechnik an die Firma Hiller, Vilsbiburg, vergeben. Inklusive der außerdem nötigen Austragsfächer, Verteiltechnik, Umbau des Gebäudes sowie der Anschaffung eines Teleskopladers wurden hier rund 650.000 Euro investiert. Die thermische Verwertung des Klärschlamms für die kommenden zehn Jahre wurde öffentlich ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt die deutschlandweit agierende Firma Remondis.
Die thermische Entsorgung ist etwa 25 Prozent teurer als die bisherige Verwertung. Diese Mehrausgaben müssen letztlich die Bürgerinnen und Bürger über höhere Abwassergebühren, die von den Gemeinden erhoben werden, ausgleichen.
Die Schneckenpumpen sind altersschwach
Zusätzliche Kosten entstehen auch durch die Sanierung des Schneckenhebewerks. Dieses Hebewerk transportiert das in der Kläranlage ankommende Schmutzwasser mit großen schneckenähnlichen Gewinden auf das Höhenniveau der mechanischen Reinigung. Die vier Schneckenpumpen, Baujahr 1972, laufen in einem Betontrog und "drehen" das Abwasser nach oben. Durch Abnutzung und Verschleiß im Betrieb über Jahrzehnte hat sich der Spalt zwischen Schneckenschaufel und Betontrog so vergrößert, dass die Schnecken auf Dauer nicht mehr die erforderliche maximale Abwassermenge fördern können. Ersatzteile sind kaum noch zu bekommen.
Deshalb hat die Verbandsversammlung des Abwasserverbandes beschlossen, die Schneckenpumpen auszutauschen und das Schneckenhebewerk zu sanieren. Die Maßnahme wurde vom Ingenieur-Büro Dippold und Gerold für eine Honorarsumme von etwa 70.000 Euro aufgeplant. Der Bau wurde samt eines vierjährigen Wartungsvertrages nun an die Firma Kuhn GmbH, Höpfingen, zum Preis von 722.000 Euro vergeben. Der Umbau des Schneckenhebewerks soll im ersten Halbjahr 2022 erfolgen. Weil auch in dieser Zeit das Abwasser gereinigt werden muss, wird dann das Schmutzwasser mit mobilen Pumpen am Schneckenhebewerk vorbei in die Kläranlage gehoben.
Auch die Kosten für die Sanierung des Schneckenhebewerks muss der Abwasserzweckverband auf seine Mitgliedsgemeinden umlegen, die wiederum die Kostensteigerung an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben werden, denn die Reinigung des Abwasser muss nicht nur einwandfrei nach den aktuellen Standards erfolgen, sondern auch kostendeckend kalkuliert werden.
Ob es zu Gebührenerhöhungen kommen wird, werden die neun Kalkulationen der neun Mitgliedskommunen des Zweckverbandes ergeben müssen, erklärt Strobel gegenüber unserer Redaktion. Da sei der Klärschlamm „nur“ ein Kostenfaktor. Denkbar sei es schon.