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Sportpsychologie

31.01.2020

Die Schützen des SV Waldkirch ticken ähnlich, aber am Stand ist jeder allein

Ist zuversichtlich, dass es diesmal besser für ihn und für das Team läuft als vor einem Jahr in Paderborn: Dimitrije Grgic.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Wie die Luftpistole-Asse des SV Waldkirch die sehr spezielle Situation erleben, Einzel-Duelle für ein Teamergebnis zu absolvieren.

Für viele Schützen wird die eigene Person zum größten Gegner. Das gilt umso mehr, wenn sie statt als Einzelsportler für eine Mannschaft antreten. Wer als Einzelner einen möglichen Teamerfolg vermasselt, fühlt sich doppelt und dreifach schlecht. Es ist die Situation, die keiner haben will, Es ist die Situation, in die Dimitrije Grgic vom SV Waldkirch vor genau einem Jahr geriet und die ihm nachhaltig die Laune verhagelte.

Am Boden zerstört

In der Sporthalle am Maspernplatz in Paderborn lief das Halbfinale um die deutsche Luftpistole-Meisterschaft. Waldkirch gegen Braunschweig. Eine spannende Geschichte deutete sich an. Eine ganz enge Kiste wurde es. Der Punkt von Grgic, dem an Position zwei im Waldkircher Team schießenden Serben, war fest eingeplant und genau das entsprach auch seiner eigenen Erwartungshaltung. Doch es lief nicht. 380 Ringe waren einfach zu wenig gegen Patrick Meyer. Das Duell gab letztlich den Ausschlag. Die Schwaben verloren 2:3. Braunschweig stand im Finale. Grgic war am Boden zerstört.

Auch jetzt, ein Jahr später, kommt ihm die Sache von damals immer wieder in den Sinn. „Ich hoffe, dass ich diesmal fröhlicher bin als beim letzten Mal“, sagt er in der unmittelbaren Vorbereitung auf die nun anstehenden Titelkämpfe in Rotenburg an der Fulda. Erneut wird er an Position zwei antreten. Einen Durchschnitt von 381 Ringen bringt er aus der laufenden Bundesliga-Runde mit nach Nordost-Hessen. Dazu ein neues Sportgerät, mit dem er seit anderthalb Monaten antritt. Auf die Frage, wie er sich fühlt, setzt er den Tunnelblick auf, lächelt zurückhaltend und sagt: „Mental bin ich in guter Verfassung, körperlich bei 95 Prozent. Aber ich denke, es wird okay sein.“

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Der gefühlt schlechteste Schuss war eine Zehn

Innere Ruhe bringt Alexander Kindig mit ins Finale. Seine Herangehensweise an Eins-gegen-Eins-Duelle ist total entspannt. „Warum macht man sich verrückt, wenn das Wort Wettkampf fällt? Das ist doch nichts Besonderes“, sagt der coolste Pistolero im Waldkircher Team achselzuckend. Wie groß der Anteil genau dieser Einstellung an seinen persönlichen Erfolgen ist, dürfte schwer zu messen sein. Doch den zweifelhaften Wert von Emotionen am Stand hat die aktuelle Nummer eins der Schwaben schon früh in seiner Laufbahn kennengelernt. Damals, 2014, als er in Granada mit dem buchstäblich letzten Schuss sensationell Junioren-Weltmeister wurde. Heute sagt er grinsend: „Das war gefühlt der schlechteste Schuss – aber er war halt eine Zehn.“

Etwas anders formuliert Sebastian Kugelmann seine Gedanken. „Es ist schwierig vorauszusehen, wie gut der nächste Gegner schießt. Von daher mache ich mir da keinen Kopf“, sagt er. Der 30-Jährige aus Igling-Holzhausen (Landkreis Landsberg am Lech) startet mit einem gesunden Selbstbewusstsein in die Wettkämpfe um die deutsche Meisterschaft. „Diese Saison war die beste, die ich jemals geschossen habe“, sagt er. Die Zahlen untermauern das: 376,5 Ringe schaffte er im Durchschnitt seiner zehn Bundesliga-Duelle. Daraus ergibt sich von selbst, dass er auf seiner Position vier meistens punktete. Ob es diesmal auch für die Mannschaft reicht? Kugelmann ist zuversichtlich. Er legt sich zwar nicht auf eine konkrete Platzierung fest, lässt aber Hoffnung durchscheinen, wenn er sagt: „Wir sind Süd-Meister geworden. Jetzt das i-Tüpfelchen draufzusetzen, wäre ein Traum.“

"Dieses Team ist bombastisch"

In kaum einem anderen Sport ist die Brücke zwischen Heldentum und Versagen so schmal wie im Schießen. Doch wie auch immer die Sache ausgehen mag: Im Waldkircher Team lässt niemand den anderen fallen, betont Kugelmann. „Die Mannschaft harmoniert auch deshalb so gut, weil wir alle ähnlich ticken. Dieses Team ist bombastisch. Das habe ich noch nie gesehen, das ist fast wie eine Familie.“ (ica)

Lesen Sie auch: Der SV Waldkirch und die Erfolgsfaktoren für das große Finale

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