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Interview

24.05.2019

„Es gibt einige, die komplett versagt haben“

Kapitän Mesut Yildiz (links, 34) und Arlind Berisha, 23, standen in der vergangenen Saison bei fast allen Spielen der TSG Thannhausen auf dem Platz.
Bild: Alexander Sing

Wie die TSG-Spieler Mesut Yildiz und Arlind Berisha die Katastrophen-Saison erlebten und warum sie sich schon auf die Kreisliga freuen

Jetzt habt ihr doch tatsächlich zum Schluss noch ein Spiel gewonnen. Welche Rolle hat der 4:3-Sieg im letzten Saisonspiel gegen Donaumünster für euch gespielt?

Er war schon wichtig, vor allem für die Moral im Hinblick auf die nächste Saison. Er hat gezeigt, dass wir noch gewinnen können. Berisha: Vor allem den Trainer wollten wir positiv verabschieden nach einer so turbulenten Saison.

Das Spiel hat aber auch Probleme deutlich gemacht, die euch die ganze Saison begleitet haben. Zum Beispiel, dass ihr eine scheinbar komfortable Führung hinten raus noch aus der Hand gebt.

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Man muss ganz klar sagen, dass wir die ganze Saison über nie zu 100 Prozent fit waren. Deshalb sind wir oft nach 70, 75 Minuten eingebrochen. Dazu kam, dass wir selten vollzählig waren. Du musst dann immer wieder neu rotieren, da fehlen Automatismen. Yildiz: Wenn man sich unsere Abwehr mal anschaut, das sind lauter junge Leute, inklusive dem Torwart. Da hast du gemerkt, die brauchen einfach noch ein paar Jahre, um in der Bezirksliga dauerhaft mithalten zu können.

Aber ist das eine Erklärung für 131 Gegentore in einer Saison?

Da kommt dann der Kopf dazu. Wir haben oft bis zur 60. Minute gut mitgehalten, waren teilweise die bessere Mannschaft. Dann sind wir eingebrochen und haben vier, fünf oder mehr Tore kassiert. Je öfter das passiert ist, desto schwerer wurde es. Berisha: Ich finde aber, es war trotzdem wichtig, dass wir’s durchgezogen haben und kein Spiel abgesagt haben.

Also hättet ihr vor der Saison in Sachen Fitness mehr tun müssen?

Definitiv. Und dann auch in der Winterpause. Aber wenn du viele Verletzte hast und dann auch noch gewisse Leute immer wieder im Training fehlen, ist es schwer, daran zu arbeiten. Das reicht dann einfach für die Bezirksliga nicht. Das hat jeder eindeutig gesehen. Weil da viel noch über Kampf geht, weniger über das Spielerische.

Ist der Aufstieg für euch zu früh gekommen?

Das ist immer so eine blöde Aussage, finde ich. Wenn du aufsteigst, dann nimmst du das auch mit. Als Spieler setzt du dir Ziele und wenn du die erreichst, dann ist das geil. Aber ich denke, das hat man sich alles ein bisschen einfacher vorgestellt in der Bezirksliga. Berisha: Es sind auch wichtige Leute gegangen. Ein Patrik Merkle, der an die 30 Tore gemacht hat. Oder ein Lindner Alex, der fürs Menschliche, für die Mannschaft extrem wichtig war. Spieler, die immer da waren und immer ihre Leistung gebracht haben. Aber ich denke, dass man aus den Fehlern, die man nach dem Aufstieg gemacht hat, auf jeden Fall was gelernt hat.

Ihr habt schon angedeutet, dass sich in dieser schwierigen Situation nicht alle so reingehängt haben. Ich denke etwa an einen Berkan Köroglu, der mit großen Hoffnungen kam und in der Winterpause wieder gegangen ist.

Es gibt einige, von denen man sich vor der Saison viel versprochen hat und die dann komplett versagt haben. Wo dann Einstellung, Moral, Disziplin, was auch immer, nicht gepasst haben. Und dann waren da Leute wie Mesut (klopft seinem Nebenmann auf die Schulter). Der ist selbstständig, arbeitet von früh bis spät, aber war in wirklich jedem Training da. Selbst, als wir zu zehnt in Nördlingen waren, hat er die Leute motiviert. Solche Leute brauchen wir. Yildiz: Wenn du halt einen relativ kleinen Kader hast, dann müssen die Leute auch nicht 100 Prozent geben. Weil sie wissen, sie spielen so oder so. Weil man sie braucht. Sonst hätte man aus der Mannschaft noch viel mehr rausholen können.

Nehmt ihr irgendwas Positives mit aus der Bezirksliga-Saison?

In Sachen Disziplin sind wir besser geworden. Dank Anil (Zambak; Anm. d. Red.), aber auch, weil der Rainer (Amann, Trainer für die neue Saison; Anm. d. Red.) das über mich an die Mannschaft weitergegeben hat, dass so was einfach nicht geht. Und dass solche Unsportlichkeiten Konsequenzen haben werden. Der Rainer ist ein Trainer, vor dem haben die Leute einfach Respekt. Er ist das Beste, was uns passieren konnte.

Mit welchem Gefühl geht ihr jetzt in die neue Saison in der Kreisliga?

Das ist vielleicht unüblich nach einem Abstieg, aber wir freuen uns alle auf die neue Saison. Und vor allem auf den neuen Trainer. Und der Kern der Mannschaft bleibt. Das war der Vorteil, dass wir so früh so tief unten drin waren: Man konnte früh für die neue Saison planen.

Wollt ihr dann wieder oben mitspielen?

Ich will einfach mit dem Abstieg nix mehr zu tun haben. Das haben wir jetzt ein Jahr lang gehabt. Und der Rainer wird uns schon da hinführen, wo wir hingehören. Auch wenn es seine Zeit dauert. Berisha: Einfach ein Jahr, in dem wir regelmäßig 15 Leute im Training sind, wo was geht. Das wär’s. Die Kreisliga nächstes Jahr wird schwer genug.

Die TSG Thannhausen ist ja hier in der Region als – ich sage mal vorsichtig – sehr speziell bekannt. Was macht den Verein für euch aus?

Es gibt hier sonst keinen Verein, in dem schon so viel passiert ist. Da hast du Sachen erlebt, die du woanders nicht erlebt hast. In der Jugend gab es für mich nix anderes als Thannhausen. Selbst, als ich woanders gespielt habe, habe ich immer wieder geschaut, was die TSG macht. Im Trainingslager in Österreich hat uns letzten Sommer einer gefragt, wo wir herkommen. Der kam von irgendwoher, keine Ahnung. Aber Thannhausen hat er gekannt. Berisha: Wenn man sich mal anschaut, welche Spieler zum Beispiel mit Ichenhausen in der Landesliga jetzt so stark waren: Kustermann, Beckmann, Reitz, Nickel. Mit denen hab ich in der Thannhauser Jugend zusammengespielt. Klar hätte ich wechseln können. Aber Thannhausen hat mir damals so viel ermöglicht. Das war ’ne geile Zeit. Ich bin hier aufgewachsen und kann mir nicht vorstellen, woanders zu spielen. Auch, wenn viel Negatives über die TSG gesagt wird. Ich lieb’ den Verein, ich lieb’ die Stadt, ich lieb’ die Leute hier.

Bekannt ist Thannhausen aber ja auch für internen Krach und Querelen in der Führungsebene. Das letzte Mal ist erst eineinhalb Jahre her.

Das war auch für uns ein Schock. Du bist Tabellenführer und Trainer und Abteilungsleiter werfen hin. Aber wer da intern mit wem nicht konnte, da waren wir als Spieler außen vor. Yildiz: Wichtig ist auch, dass es jetzt – nach Jahren – mal wieder in die richtige Richtung geht. Dass man weiß, dass das Ganze wieder eine Zukunft hat, ist mir persönlich fast wichtiger gewesen, als der Klassenerhalt in der Bezirksliga.

Wann startet ihr dann in die neue Saison?

24. Juni ist Trainingsbeginn. Berisha: Zwei Paar Laufschuhe.

Mehr braucht ihr erst mal nicht?

(lacht)Ganz genau. Interview: Alexander Sing.

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