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30.09.2019

140 Illertisser feiern in Loket

Die Jedesheimer Volkstanzgruppe trat beim Partnerschaftsjubiläum im tschechischen Loket (Elbogen) auf. Im Hintergrund ist die Burg zu sehen, die über der Stadt thront.
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Die Jedesheimer Volkstanzgruppe trat beim Partnerschaftsjubiläum im tschechischen Loket (Elbogen) auf. Im Hintergrund ist die Burg zu sehen, die über der Stadt thront.

Eine Delegation hat die Stadt besucht, um das Jubiläum der Partnerschaft zu würdigen. Die Reise zeigt, wie nahe sich Deutsche und Tschechen wieder gekommen sind

Wie über Illertissen das Vöhlinschloss thront, so thront über dem tschechischen Loket (Elbogen) eine Burg. Das ist längst nicht das einzige verbindende Element zwischen den beiden Städten. Die Loketer Burg ist auch ein wichtiger Schauplatz in der Geschichte dieser Städtepartnerschaft. Vor 20 Jahren haben dort die ehemaligen Bürgermeister Jan Hadrava und Karl-Heinz Brunner den Vertrag unterzeichnet, der die Partnerschaft offiziell machte.

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Am Wochenende sind beide Männer in diesen Burghof zurückgekehrt, um den fruchtbaren Austausch zu feiern, der während der vergangenen zwei Jahrzehnte zwischen Loket und Illertissen stattfand. Und um auf die Anfänge und Absichten der Partnerschaft zurückzublicken. So erinnerte Karl-Heinz Brunner, inzwischen Abgeordneter im Bundestag, daran, wie wichtig Europa und das Zusammenwachsen der Völker und Menschen ist. „Heute dürfen wir froh sein, dass Loket in der EU und mitten in Europa ist“, sagte er.

Ein besonderes Zeichen der Versöhnung und Annäherung setzte der Historiker Filip Prekop bei der Eröffnung der Ausstellung „Elbogener Einheimische“. Sie zeigt die Schicksale verschiedener gebürtiger Loketer und handelt von denen, die heute in dieser Stadt leben, und von denen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gehen mussten. Einer der Vertriebenen, der dem Historiker seine Geschichte erzählt hat, ist Erich Schmidt. Er war noch ein kleines Kind, als seine Familie gezwungen wurde, Loket zu verlassen. Eingebrannt hat sich bei ihm die Erinnerung an sein Lieblingsspielzeug, ein kleines Holzpferd, das er nicht mitnehmen durfte. „Alles Weinen hat nichts gebracht, der Beamte blieb stur“, erzählte Schmidt, der heute in Lauf an der Pegnitz lebt.

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Genau so ein Pferd hat Historiker Prekop besorgt und Schmidt nun im Rahmen der Ausstellungseröffnung überreicht – und den Rentner damit zu Tränen gerührt. „Mit dieser Geste hat sich ein Kreis geschlossen“, sagte Jan Hadrava. Solche Momente zeigen, worum es bei dem deutsch-tschechischen Austausch, bei dieser Städtepartnerschaft geht. „Die Partnerschaft wischt nicht weg, was war“, sagte der ehemalige Bürgermeister. Aber sie sei ein Eckpfeiler, auf dem man aufbauen könne.

Der Präsident des Illertisser Partnerschaftskomitees Franz Münzenrieder dankte in seiner Ansprache vor allem einem Mann, der maßgeblich zu der Erfolgsgeschichte „Städtepartnerschaft Loket und Illertissen“ beigetragen hatte: Unternehmer Josef Kränzle. Er hatte sich nicht nur als Münzenrieders Amtsvorgänger viele Jahre lang engagiert, sondern Loket anfangs auch finanziell unterstützt.

Kränzle war einer von rund 140 Illertissern, die zum Jubiläumswochenende nach Loket gereist sind. „Botschafter ehrenhalber“ seien diese Menschen, die sich in Städtepartnerschaften einbringen, zitierte der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Wie diese Botschafterarbeit konkret aussehen kann, zeigte sich dann am Samstagnachmittag, als die Stimmung trotz durchwachsenen Wetters immer gut war. Im Open-Air-Theater der Stadt Loket, am Fuße der Burg, traten abwechselnd Gruppen aus Deutschland und Tschechien auf.

Aus Illertissen waren unter anderem die Stadtkapelle und die Jedesheimer Volkstanzgruppe angereist. Das Partnerschaftskomitee hatte 100 Paar Weißwürste und Brezeln mitgebracht. Die deutschen Gäste hatten im Gegenzug die Gelegenheit, das Honigbier der Loketer Imker zu probieren. Hobbybäckerin Jirina Vlasata bot tschechische Spezialitäten an, zum Beispiel Laskonka oder Nussbaiser mit einer Füllung aus Vanillecreme. Und am Stand von Dobrota Karlovarského Kraje, eine Organisation, die Wettbewerbe zwischen regionalen Lebensmittelproduzenten veranstaltet, konnten die Besucher preisgekrönte Wurst und Käse kosten.

Doch auch wenn bei diesem Jubiläum, wie bei solchen Feiern üblich, viel auf vergangene Erfolge zurückgeblickt wurde, markierte es in gewisser Weise auch einen Neuanfang oder zumindest einen Wandel. Während auf Illertisser Seite der langjährige, engagierte Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Franz Münzenrieder sein Amt niederlegt, hat Loket mit Petr Adamec einen neuen Bürgermeister bekommen. Münzenrieder gibt sein Amt nicht leichtfertig ab, er geht mit vielen guten Erinnerungen. Zu den Höhepunkten zähle wohl der Oktoberfestbesuch mit der Fußballmannschaft aus Loket, erinnert sich der scheidende Partnerschaftspräsident. Dem amtierenden Loketer Bürgermeister Adamec, der Illertissen in seiner etwa einjährigen Amtszeit bereits besucht hat, liegt, wie auch seinen Vorgängern, viel an der Städtepartnerschaft. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er, es gebe viele gute Dinge in dieser Partnerschaft, der regelmäßige Austausch zwischen Vereinen etwa. Adamec hat sich vorgenommen, diese weiter voranzutreiben. Es gebe zudem Dinge, die man noch verbessern könnte. Er will den Fokus noch stärker auf die Kinder legen, indem er zum Beispiel Schüleraustausche fördert. Die Jungen müssten begreifen, wofür diese Städtepartnerschaft da ist. Denn die ältere Generation werde sie nicht für immer auf ihren Schultern tragen können.

Bilder vom Besuch in Loket (Elbogen) finden Sie auch online unter illertisser-zeitung.de/lokales

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