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Illertissen

13.05.2015

35-Jähriger zündet im Wahn Betten an

Nachdem er von einem Jahr im Wahn seine Wohnung angezündet hat, bleibt ein Mann aus dem Landkreis Neu-Ulm auch weiter in der Psychiatrie. (Symbolfoto)
Bild: Alexander Kaya/Symbolfoto

Im Mai 2014 hat ein 35-jähriger Mann seine Wohnung in Illertissen angezündet und damit zwei Nachbarn in Lebensgefahr gebracht. Das Gericht entschied nun, was mit dem Mann passiert.

Ein 35-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Neu-Ulm bleibt auf vorerst unbestimmte Zeit in der Forensischen Psychiatrie des Günzburger Bezirkskrankenhauses. Dorthin wurde der Mann schon am Tag nach der Brandstiftung vor einem Jahr eingewiesen. Am 12. Mai 2014 hatte er in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Illertissen einen Brand gelegt, der zwei Menschen in Lebensgefahr brachte und 91.000 Euro Schaden anrichtete.

35-Jähriger zündet im Wahn seine Wohnung an

Der Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen war von Anfang an als "Sicherungsverfahren" angelegt, weil die Frage der  Schuldunfähigkeit im Vordergrund stand. So verlas auch Oberstaatsanwalt Markus Schroth keine Anklage, sondern einen Antragssatz, der nach der Schilderung des Tatgeschehens auf die Unterbringung in der Psychiatrie hinaus lief. Anhand der polizeilichen Ermittlungen und der Zeugenaussage eines Illertisser Feuerwehrmannes, der die Brandwohnung beim Einsatz als erstes betreten hatte, wurde der Ablauf schnell deutlich: Der 35-Jährige, der schon seit vielen Jahren sowohl an Alkoholsucht als auch an einer paranoiden Schizophrenie leidet, hatte sich als "Gott" gefühlt und war gleichzeitig einem "akuten psychotischen Wahnerleben" zum Opfer gefallen. Diesem zufolge sah er sich als "Untersekretär einer israelischen Geheimorganisation namens SEPO". Diese habe, so berichtete er den Günzburger Psychiatern, für ihn ein Bankkonto in der Schweiz eingerichtet, nach dessen Stand er sich auch regelmäßig beim Sozialdienst des Bezirkskrankenhauses erkundigte.

Feuerwehr rettet Nachbarn aus brennendem Haus

Am Tatabend stapelte er eine Unmenge an Kleidungsstücken, Büchern, Schubladen und sonstigem brennbarem Hausrat auf seinem Bett im Schlafzimmer und einem weiteren Bett im benachbarten Wohnzimmer. Beide Häufen zündete er an und verließ die Wohnung. Das Schlafzimmer geriet schnell in Vollbrand, sodass die Fenster zersprangen; der hinausziehende Rauch brachte zwei Männer in den darüber liegenden Wohnungen in Lebensgefahr. Einer konnte von der schnell eintreffenden Feuerwehr über Steckleiter gerettet werden. Der andere wurde am Fenster stehend von einem Feuerwehrmann zunächst beruhigt und betreut, weil aufgrund der Lage im Garten kein Drehleitereinsatz möglich war und der Mann unter anderem aufgrund einer Knieverletzung nicht auf die Steckleiter steigen konnte. Dann wurde er nach den ersten Löschmaßnahmen über das zuvor total verrauchte Treppenhaus ins Freie gebracht. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein bescheinigte der Feuerwehr dafür "vorbildliche Arbeit".

Brandstifter leidet an paranoider Schizophrenie

Als Sachverständige erklärte die Ärztliche Direktorin der Forensik am BKH Günzburg, Prof. Dr. Manuela Dudeck, die Krankheitsgeschichte des Mannes, der schon seit 17 Jahren sowohl an Alkohol- und Drogensucht als auch an einer dadurch verursachten paranoiden Schizophrenie leidet. Er hatte im Zustand der Schuldunfähigkeit bereits eine Reihe von leichteren Straftaten begangen, und es war auch in mehreren Behandlungen nicht gelungen, ihn "dauerhaft abstinent" zu machen. Vielmehr, so die Professorin, verweigere er die Einnahme von Psychopharmaka, weil einmal massive Nebenwirkungen aufgetreten seien. Er zeige sich aber auch sonst "uneinsichtig" und "hoch psychotisch angespannt". In einer längeren Diskussion mit Verteidiger Mahler ergab sich, dass zumindest für absehbare Zeit eine erhebliche Eigen- und Fremdgefährdung besteht. Rechtsanwalt Mahler und Oberstaatsanwalt Schroth waren sich deshalb in ihren Plädoyers einig, dass eine Unterbringung in der Forensik die einzige Möglichkeit darstelle.

So lautete dann auch das Urteil, wobei Vorsitzende Richterin Grenzstein in ihrer Begründung betonte, dass eine Aussetzung auf Bewährung und danach eine Überweisung in Betreutes Wohnen wohl "nicht schnell geschehen" könne und erst in Frage komme, wenn eindeutig belegt sei, dass von ihm keine Eigen- und Fremdgefährdung mehr ausgeht. Es habe sich bei der Brandstiftung um eine "erhebliche Straftat" gehandelt, die zwei Menschen in Lebensgefahr gebracht hätte, wenn die Feuerwehr nicht "so schnell und vorbildlich" eingegriffen hätte, wie dies hier der Fall war. Der Beschuldigte verzichtete auf sein Schlusswort. wis

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