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Vöhringen

27.01.2020

400 Lichter für Frieden und Freiheit erhellen Vöhringen

Nur das Rauschen der Autos unterbrach die Stille auf dem Hettstedter Platz: An die 400 Menschen demonstrierten in Vöhringen für den Frieden.
Bild: Ursula Katharina Balken

Vöhringens Bürgermeister Karl Janson mahnt, dass schon die Verrohung der Sprache ein drohendes Anzeichen ist. Zwei Zeitzeugen erinnern an die Gräuel des Kriegs.

Wäre nicht hin und wieder das Rauschen der Autos auf nassem Asphalt zu vernehmen, dann hätte auf dem Hettstedter Platz in Vöhringen Stille geherrscht. An die 400 Menschen standen in Gruppen zusammen, brennende Kerzen in ihren Händen. Die Männer der Feuerwehr bildeten mit ihren leuchtenden Fackeln eine starke Phalanx.

Sie alle waren gekommen, um mit ihren Lichtern den Wunsch nach Frieden und mehr Toleranz zum Leuchten zu bringen. „Frieden ist hierzulande als selbstverständlich hingenommen, aber er ist es nicht“, sagte Bürgermeister Karl Janson in seiner Ansprache. „Frieden kennt keine Ewigkeitsgarantie. Er muss immer wieder neu erschaffen und auch erhalten werden.“ Janson bezog sich dabei auf die Worte des Philosophen Immanuel Kant, der gesagt hatte, dass Frieden kein natürlicher Zustand ist, sondern gestiftet werden muss. Das war im Jahr 1795.

Aktion "1000 Lichter für Frieden und Toleranz" in Vöhringen

Wie sehr der Frieden bedroht ist, zeigten die Ermordung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Angriff und der gezielte Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine, machte Janson deutlich. In vielen Teilen der Welt mache sich zunehmend Angst vor einem Krieg bemerkbar. Im Deutschland unserer Zeit dauert der Frieden schon so lange, dass die meisten, die heute leben, glücklicherweise selbst keinen Krieg vor Ort erleben mussten. Dass nur die Älteren sich noch daran erinnern, an Schlachtfelder, an in Schutt und Asche liegende Städte, an zügellose Gewalt, an Menschen auf der Flucht und Tote am Straßenrand, an diese Verwüstungen, die Kriege über Jahrhunderte immer wieder in Europa und in den Seelen der Menschen hinterlassen haben.

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Janson unterbrach seine Rede an dieser Stelle und ließ Georg Bader, 94 Jahre alt, und Valentin Mayer, der in wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag feiert, von den Gräueln des Zweiten Weltkrieges berichten. Beide schilderten Erlebtes und gaben zu, manches nicht vergessen zu können. Deshalb sei es ein Gebot, Frieden zu stiften. Karl Janson erinnerte daran, dass in vielen Ländern auf der Erde Krieg, Terror und Gewalt fast zum Alltag zählen. 230 gewaltsam ausgetragene Konflikte habe es allein im vergangenen Jahr gegeben. Grund genug, angesichts dieser Zahlen eindringlich zur Mäßigung und zum offenen Dialog aufzurufen. „Wir alle wollen ja den Frieden, gibt es denn keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät wird?“, fragte der Bürgermeister. Allein die Verrohung der Sprache, die Entwertung einzelner Menschen, die in dieser Gesellschaft leben und dann mit Gewalt attackiert werden, seien Anzeichen, dass das ein bedrohlicher Anfang ist, fürchtet Janson. Für Freundschaft und Frieden brauche man Verständnis. Das bedeute, auf den anderen zuzugehen, auch wenn er anders ist. Frieden brauche Mut. „Die großen Themen unserer Zeit wie Klimawandel, Digitalisierung und auch Migration müssen gemeinsam gelöst werden. Frieden muss immer wieder neu geschaffen werden und er beginnt im eigenen Haus“, sagte Janson. Wenn auf einem Plakat zu lesen sei, „Diktatur der Toleranz“ dann müsse man wohl mehr Angst haben vor einer Diktatur des Hasses.

Zeitzeugen berichten in Vöhringen aus dem Zweiten Weltkrieg

Ihren Ruf nach Frieden unterstrich Siyou Isabel mit ihrer starken und doch gefühlsbetonten Stimme. Auch die Chorgruppe Wir-r-sing fand die richtigen Songs für den Anlass. Als Zeichen der Hoffnung lässt die Sängerin zum Schluss „What a wonderful world“ erklingen.

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