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Au

20.01.2020

Abschied im Rathaus-Stüberl: Den Wirten bleiben viele Erinnerungen

Gottfried Kuisl, Inge Eckel und Kathi Eckel (von links) schenken bald die letzten Gläser Bier im Rathaus-Stüberl aus. Die Wirte haben das langjährige Pachtverhältnis beendet – und betreiben künftig den Catering-Service von Christertshofen aus.
Bild: Alexander Kaya

Plus Gottfried Kuisl war 25 Jahre alt, als er das Rathaus-Stüberl in Au übernommen hat. In diesem Jahr übergeben die Wirte die Gaststätte an eine neue Pächterin. Was bleibt, sind eine Menge Erinnerungen.

Ruhig werden ihre letzten Monate im Rathaus-Stüberl in Au wohl nicht werden. Da sei „eher Vollgas“ angesagt, vermutet Gottfried Kuisl und lacht. „Viele wollen ja nochmal vorbeikommen.“ Umtriebig sind die Wirte immer gewesen – so also auch noch bis zum 31. Juli. Dann sperren Kuisl und Inge Eckel die Türen der Gaststätte zu, packen den letzten Kram ein und bringen ihn an ihre neue Wirkungsstätte: nach Christertshofen, in einen alten Bauernhof, den die Familie in den vergangenen 14 Jahren umgebaut hat. Auch wenn die Wirte sich schon auf den neuen Lebensabschnitt freuen: Eine gewisse Wehmut wollen sie gar nicht leugnen. Schließlich haben sie mehrere Jahrzehnte lang im Rathaus-Stüberl gearbeitet, man kann durchaus sagen: gelebt.

Gerade einmal 25 Jahre alt war Gottfried Kuisl, gelernter Koch, gewesen, als er die Gaststätte übernahm. Mittlerweile besteht das Pachtverhältnis mit der Stadt Illertissen seit 35 Jahren. „Ich habe immer gesagt: Mit 60 ist’s dann gut. Das bin ich jetzt“, sagt er.

Bei Hochzeiten waren hunderte Gäste zu bewirten

Was bleiben wird, sind eine Menge Erinnerungen. An Jubiläumsfeste von Vereinen und an öffentliche Hochzeiten in der Josef-Weikmann-Halle, bei denen hunderte Gäste zu bewirten waren. An den Start des Catering-Services in den 90ern, der im Grunde zunächst mehr Freundschaftsdienst war als Geschäftsmodell. „Das war auch bei der Brotbackerei so: Erst macht man es ein bisschen, dann noch ein bisschen mehr...“, sagt Kuisl.

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Das Brotbacken ist ein Steckenpferd von Inge Eckel. Worauf es dabei ankommt, vermittelt sie auch in Kursen. „Angefangen hat es damit, dass Gäste nach dem Brot gefragt haben und Tipps wollten“, erinnert sich die jüngste Tochter Kathi Eckel. Kuisl ergänzt: „Wurstsalat mit Brot, das läuft auch an Weihnachten und an Silvester.“

Ja, auch an Feiertagen und Wochenenden ist die Familie und ihr eingeschworenes Team – „ohne das läuft nichts“ – über die Zeit hinweg im Einsatz gewesen. Dann, wenn andere frei hatten und feierten, gut essen und trinken wollten. „Wir haben Leute, die haben mit uns ihre Kommunion, ihre Hochzeit, die Taufe und die Kommunion der Kinder gefeiert“, erzählt Kuisl. Einmal, da wollte ein Ehepaar, dessen Heirat die Wirte schon begleitet hatten, an einem Hochzeitstag im Rathaus-Stüberl zusammen essen. Die Eheleute wunderten sich: Warum ist denn sonst niemand da? „Wir hatten eigentlich Ruhetag und haben für das Paar aufgemacht“, erzählt der 60-Jährige und zuckt mit den Schultern, als wäre das selbstverständlich.

Nun aber soll die mehr als volle Arbeitswoche zumindest etwas entspannter werden. „Auf Dauer geht das Tempo nicht, da muss man Realist sein“, sagt Kuisl. Vom renovierten Bauernhaus in Christertshofen aus wollen die Wirte und ihre Helfer „Kuisl’s Catering“-Service, der planbarer sei als der Gaststättenbetrieb, ab September weiterführen. Aus dem früheren Kuhstall wurde eine Küche, in der alten Traktorgarage entstand ein Brotbackhaus. Schon am 8. August stehe die erste Veranstaltung, eine Hochzeit, ins Haus – „Bei Stammgästen sagt man da nicht ab.“

Nun heißt es aber erst einmal: Abschied nehmen vom Rathaus-Stüberl, von ihrem „Wohnzimmer“ – buchstäblich, denn ein solches haben die Wirte in ihrer Wohnung gar nicht.

Stadt Illertissen will Rathaus-Stüberl renovieren

An den Tischen und Stühlen in der Gaststube – handgemacht, Eiche massiv – hänge man schon, sagt Eckel. Dasselbe gelte für die Bilder an der Wand, die eine Freundin gemalt habe. „Die gibt man nicht her“, so die 58-Jährige. Von anderem hingegen trennen sich die langjährigen Pächter. Als sich herumgesprochen hatte, dass sie das Rathaus-Stüberl bald verlassen werden, kamen Gäste und fragten, was denn mit der Dekoration geschehe. So zeichnete das Team einige Stücke mit Preisen aus, die Leute kamen und nahmen Liebgewonnenes mit. Die Marionetten etwa: „Eine Kuh ist jetzt im Elsass“, sagt Kuisl und nickt mit dem Kopf in die Richtung, in der diese wohl platziert war.

Das Auer Rathaus-Stüberl wird sich in den kommenden Monaten wandeln – in vielfacher Hinsicht. Die Stadt will die Räume noch renovieren, etwas heller und luftiger gestalten, bevor mit Melanie Börsing eine neue Pächterin die Gaststätte und die Bewirtung der Josef-Weikmann-Halle im Spätsommer übernehmen wird. Mehr dazu lesen Sie hier: Änderungen 2020: Alles neu im Auer Rathaus-Stüberl?

Lesen Sie außerdem: Schwabenbühne: Die Schranne wird zum Tatort

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