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Illertissen

13.11.2018

Ärger um Jugendgang: Wie gefährlich ist es in Illertissen?

Düstere Unterführung am Bahnhof: In Illertissen gibt es wenig Kriminalität – das geht aus der Statistik der Polizei hervor. Manchmal ist das Sicherheitsgefühl aber ein anderes.
Bild: Alexander Kaya

Plus Zuletzt machten Unruhestifter in Illertissen von sich Reden. Grund zur Beunruhigung gibt es laut Polizei nicht – manchmal ist das Gefühl der Bürger ein anderes.

Nach den Berichten über eine Jugendgang wird in Illertissen viel diskutiert: Gibt es in der Vöhlinstadt ein Problem mit Rowdys? Oder sind manche Bürger nur besonders sensibel? Und wie sicher ist es hier überhaupt? Das liegt wohl im Auge des Betrachters: Sicherheit ist nicht gleich Sicherheit, sagt Jürgen Krautwald, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten auf Anfrage. Niemand müsse in Illertissen große Angst davor haben, Opfer einer Straftat zu werden. Das zeigt der Blick in die Statistik des Präsidiums. Darin liege Illertissen was die Häufigkeit von Kriminaldelikten angeht, weit unter dem bayerischen Durchschnitt. Doch das ist nur die eine Seite.

So mancher Passant bekommt nämlich durchaus ein mulmiges Gefühl, wenn er durch die Unterführung am Bahnhof geht und dort auf eine Gruppe rüpelhafter Heranwachsender trifft. Sie mache spät abends mitunter sogar einen Bogen um den Bahnhof, sagte eine junge Frau in einer nicht repräsentativen Umfrage unserer Zeitung im April. Im Notfall könne man sich dort nachts auch nirgends hinwenden. Wenngleich die Bahnhöfe in Ulm oder Senden wohl noch unsicherer seien. Soweit das Gefühl der Frau. (Mehr über die Jugendgang lesen Sie hier: Eine Jugend-Gang hält Illertissen auf Trab).

Erwägungen wie diese spielen in der Polizeiarbeit allgemein durchaus eine Rolle: Wer nämlich in eine Straftat verwickelt wird – und sei es nur eine Pöbelei – dem bringe der Verweis auf die geringe Wahrscheinlichkeit auch nichts, sagt Krautwald. Mitunter widerspreche die Einschätzung der Bürger den nüchternen Zahlen. Das gilt freilich nicht nur in Illertissen.

In Illertissen gibt es wenig Kriminalität – das geht aus der Statistik der Polizei hervor. Manchmal ist das Sicherheitsgefühl aber ein anderes
Bild: Alexander Kaya

Wie oft sich Straftaten ereignen, gibt die Polizei mit der sogenannten Kriminalhäufigkeitszahl (KHZ) an. Dabei wird die Zahl der Delikte auf 100000 Einwohner hochgerechnet – damit die Gefährdungslage in ländlichen Gebieten mit der in Ballungsräumen vergleichbar ist, wie Krautwald erklärt. Die Zahlen sprechen für sich: In Bayern lag die KHZ im Jahr 2017 bei 4533 (bereinigt um jene Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können und die sich nicht auf die Sicherheitslage auswirken). Das ist bundesweit betrachtet ein recht niedriger Wert. Insgesamt ereigneten sich in Bayern rund 586000 Straftaten. Statistisch betrachtet noch sicherer ist der Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, der von Lindau bis nach Neu-Ulm reicht. Dort wurden weniger Straftaten pro Einwohner verzeichnet, die KHZ lag bei 4062 (insgesamt 39104 Delikte). Noch wesentlich niedriger war der Wert in Zuständigkeitsbereich der Illertisser Polizei, die KHZ lag bei 3249. Insgesamt wurden 1564 Straftaten registriert. Kriminologisch betrachtet sei die Welt in der Vöhlinstadt noch in Ordnung, folgert Krautwald aus dem Vergleich.

Polizei: In Illertissen kann man sich sicher fühlen

Zur gleichen Einschätzung kommt der Illertisser Polizeichef Franz Mayr: In der Stadt und ihrer Umgebung könne man sich sehr sicher fühlen, sagte er bei der Präsentation der örtlichen Kriminalitätsstatistik im April dieses Jahres. Daran ändern auch die Jugendlichen nichts, die zuletzt wegen ihres Verhaltens in den Fokus gerückt sind. Angst müsse in Illertissen niemand haben, so Mayr. Wer hier eine Straftat verübt, kommt meistens nicht ungestraft davon: Auch das zeigt der Blick in die zahlen, die Aufklärungsquote der Illertisser Polizei liegt bei 70,8 Prozent.

Illertissen: Bankraub war falscher Alarm

Spektakuläre Kriminalfälle ereignen sich in Illertissen und der Umgebung eher selten. Eine Serie von autoaufbrüchen im Jahr 2016 und der Kirchensprayer mit insgesamt 16 Sachbeschädigungen im Jahr darauf erregten einiges Aufsehen. Viel öfter hat es die Polizei mit gestohlenen Fahrrädern zu tun, mal mit Einbrechern – die hatten zuletzt wieder einige Male ihr Unwesen getrieben, oder das zumindest versucht. Ein großer Polizeieinsatz war kürzlich der bei einem angeblichen Raubüberfall in einer örtlichen Bank. Falscher Alarm. Die Auszubildenden hatten ein Video für eine Feier gedreht und die Szene nachgestellt. Sie dürfen den Schrecken ihres Leben bekommen haben, als plötzlich schwer bewaffnete Polizisten vor der Tür standen (Mehr über diesen Fall lesen Sie hier: Falscher Banküberfall: Muss die Sparkasse den Polizeieinsatz zahlen?)

Da sollte man die Kirche im Dorf lassen, sagt der stellvertretende Polizeichef Alexander Kurfürst. Als Ermittler hat er in Weißenhorn Erfahrungen mit einer Gang namens „Brutal Nightmare“ gesammelt. Von so einer Entwicklung könne in Illertissen bislang keine Rede sein. Freilich dürfe man nichts verharmlosen, Straftaten würden geahndet. Aber irgendwo müssten sich die Jugendlichen ja treffen.

Das weiß auch Bürgermeister Jürgen Eisen, der kürzlich noch spät Abends im Rathaus war und plötzlich sehr laute Musik ins Büro drang. Einige junge Leute hockten vor dem Gebäude. „Ich halt runter und habe sie gebeten, ob sie nicht etwas leiser machen könnten, das hat auch anstandslos geklappt“, sagt Eisen. Nur einige Zigarettenstummel seien tags darauf noch herumgelegen. Der Bürgermeister hält die Sicherheitslage in Illertissen keinesfalls für dramatisch. „Wir haben früher wohl noch viel mehr Mist gemacht“, sagt er und lacht. Und fügt Ernst hinzu: „Wenn es hier wirklich eine Gang gäbe, würde ich persönlich eingreifen.“

Eine Bilanz der Illertisser Polizei zum Jahr 2017 gibt es hier: Ungebetene Gäste machen sich in Illertissen rar.

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