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Illertissen

26.10.2020

Alte Meister, neu interpretiert: Junges Streicher-Trio überzeugt in Illertissen

Sarah Christian, Jano Lisboa und Maximilian Hornung (von links) konzertieren in der Aula des Kollegs in Illertissen.
Bild: Regina Langhans

Plus Sarah Christian, Jano Lisboa und Maximilian Hornung erobern mit Beethoven und Mozart spielend die Herzen des Illertisser Publikums.

Klassiker der europäischen Musikgeschichte sind gern gehört in den Konzertsälen. Es geht um Virtuosität und Rezeption. Diesmal zählte aber auch die Interpretation mit Bogenkunst, wie sie die Streicher zu Zeiten Mozarts oder Beethovens mit ihren technischen Mitteln niemals hätten leisten können. So überraschte beim vorletzten Konzert des Festivals „Junge Künstler – Stars von morgen“ das Trio Sarah Christian (Violine), Jano Lisboa (Viola), Maximilian Hornung (Cello) mit seinem Zusammenspiel: erzeugt durch eine fein abgestufte Bogenführung aus geworfenem Strich, flüchtigem Staccato-Spiel, angerissenen Tönen und druckreich gespielten Akkorden. Eine moderne Interpretation alter Meister, die aber ankam. Das Publikum in der Kollegshalle in Illertissen war fasziniert.

Zu hören gab es das Divertimento in Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, komponiert 1788, sowie das Streichtrio in c-Moll, Opus 9,3, das Ludwig van Beethoven 1797/98 verfasst hat. Es heißt, Beethoven habe sein Streichtrio in Reminiszenz an Mozart und dessen weit über Unterhaltung hinausgehende Divertimento komponiert.

Die jungen Künstler begannen mit dem Beethoven-Werk in vier Sätzen für Violine, Viola, Violoncello. Bereits die ersten, mit leichten Strichen dahingespielten Tonfolgen in c-Moll klangen ahnungsvoll. Bald wurde das Gefüge komplexer. Mal schien die Bratsche mit der Geige im Duett zu wetteifern, mal stellte sie sich an die Seite des Cellos. Die Geige führte wegen ihrer hohen Tonlage, aber auch als Impulsgeberin. Zugleich zeigte sie sich als Triopartnerin im ebenbürtigen Zusammenspiel mit Jano Lisboa an der Viola und dem gegenüber sitzenden Cellisten Maximilian Hornung. Zu dritt schienen sie auf einem einzigen Klangkörper zu spielen, dessen Umfang vom „großen c“, der tiefsten Cellosaite, zum „zweigestrichenen e“, der höchsten Geigensaite, reichte. Das Auf und Ab der meist eilig über die Saiten huschenden Bogenstriche und das Mitgehen der Bewegungen schien demselben Antrieb zu folgen.

Statt der Zugabe gab es CDs

Ebenso im vierten Satz, einem Finale mit abschließendem Presto, die sich steigernde Spannung. Die Streicher lösten sie nach rasender Fahrt in klangliche Abgründe zuletzt mit unbekümmerten Dur-Akkorden. Das Streichtrio, ein Frühwerk Beethovens, sprengt bereits den Rahmen des Genres Kammermusik und gilt als Vorausschau auf sein späteres sinfonisches Schaffen.

Umgekehrt verhält es sich mit Mozarts Divertimento, ein Spätwerk und längstes Kammermusikstück mit dem Ruf, höllisch schwer zu sein. Gleichwohl brauchten die Zuhörer bei dem Trio mit sechs Sätzen auf die gern gehörten Tonverzierungen und Klangspielereien des Komponisten nicht zu verzichten.

Christian setzte dazu im ersten Satz, einem Allegro, höchst melodiös ein. Lisboa und Hornung nahmen ihren Schwung sogleich auf, um sich im Stil der Wiener Klassik die musikalischen Motive, Stil- und Taktwechsel und Tanzfiguren wie Spielbälle zuzuwerfen. Die Musiker lächelten sich an, während ihre Finger auf den Saiten Pirouetten zu drehen schienen. Der Komponist kennt keine festen Rollenverteilungen, jedem gab er Gelegenheit zu glänzen. Auch Hornung, dessen warme Celloklänge angesichts der eruptiven Beethoven-Musik fast zu kurz kamen.

In der Trio-Besetzung konnten sich die Streicher nicht verstecken, jede Stimme war herauszuhören. Die jungen Künstler meisterten diese Herausforderung brillant. Statt Zugabe verschenkten sie CDs.

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