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Osterberg

18.04.2019

Am Karfreitag wird es in einigen Gemeinden laut

Osterberg: Kilian Höß schiebt den Rätschenkarren. Sophie Blechschmidt, Luis Fackler, Lisa Blechschmidt, Simon Käufler und Theresa Fackler (von links) schauen zu.
Bild: Langhans

Ministranten pflegen in Osterberg und anderen Orten in der Region einen besonderen Brauch: Hölzerne Rätschen ersetzen die Kirchenglocken. Was dahinter steckt.

Wenn Brauchtumsfreunden keine besseren Erklärungen einfallen als „das war schon immer so“, kann es spannend werden. Christliche Hochfeste sind voll religiösem Brauchtums, gerade die Woche vor Ostern. Etwa, wenn an den sogenannten Kartagen Rätschen statt Glocken zu hören sind. Dann sind in Osterberg rund 30 und im Ortsteil Weiler zehn Ministranten mit einem besonderen Instrumentarium bis zu viermal täglich auf den Beinen. Auch andernorts ist dieser Brauch nicht ganz eingeschlafen. Doch warum wird der Aufwand betrieben?

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Einige der Osterberger Ministranten sagen: „Das war schon immer so.“ Schließlich kennen sie den Brauch bereits aus Erzählungen ihrer Eltern. „Und weil die Glocken von Gründonnerstagabend bis zur Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag nach Rom fliegen“, ergänzt Simon Straub. Da Glockenläuten etwas Festliches an sich habe und somit nicht zum Gedenken an das Sterben Jesu passten, würden sie verstummen. Der 17- jährige Oberministrant weiß aber auch: „Früher orientierten sich die Bauern bei ihrer Feldarbeit an den Glockenschlägen.“ Und es mussten ja die Andachten in der Kirche angekündigt werden. Dazu ergänzt die Mesnerin Waltraud Bauer, dass sich in Osterberg die alte Rätsche direkt im Glockenturm befunden habe. „Später wurde sie nach unten gebracht und auf einem Leiterwagen durchs Dorf gefahren.“ Doch das Kurbeln dabei war umständlich, sodass der handwerklich versierte Osterberger Reinhold Hruschka eine Schubkarrenrätsche mit Antrieb durch das Laufrad konstruierte. Noch brauchbare Teile der alten Rätsche verwendete er mit.

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Die Ministranten haben derzeit also viel zu tun. Und los geht es schon um sechs Uhr morgens. Regina Straub als die „Ministrantenmutter“ teilt deswegen auch Teams ein, dann sei es nicht so wild, wenn einer ausfalle. Um so lustiger wird es für die Rätschenkinder, die auf einer bestimmten Route das ganze Dorf umrunden. Mehr Straßen seien erlaubt, aber nicht weniger. Denn bei schlechtem Wetter zu tricksen gehe gar nicht. Augenzwinkernd sagt Kilian Höß: „Vor manchen Häusern drehen wir nämlich eine Ehrenrunde.“ Das weithin zu hörende Rätschen mache Spaß, sagt die neunjährige Theresa Fackler, die zum zweiten Mal ihren älteren Bruder Luis begleitet und erst heuer den Ministranten beitritt. Auch Sophia Blechschmidt hat Schwester Lisa „angelernt“ und weiß inzwischen: „Viele warten schon an den Fenstern auf uns.“

Alter Rätschenkasten ist noch in Gebrauch

In Weiler ist noch der stehende Rätschenkasten in Gebrauch. Für seinen Einsatz wird er jeweils vor die Kapelle geholt und mit Handkurbel betrieben. Auch er hat längst eine Verjüngungskur erfahren, indem Helmut Bürzle vom Hof gegenüber marode Holzwände durch neue ersetzte. Oberministrantin Theresa Wiest braucht sich nicht um mangelndes „Personal“ kümmern, indem sich neben all ihren „Minis“ weitere Kinder aus dem Dorf einfinden. Denn das Drehen der großen Kurbel ist eine Attraktion, die sonst nicht mehr so schnell geboten wird. „Wenn jeder mindestens einmal kurbelt, sind wir schon eine gewisse Zeit lang zu hören“, sagt die 16-Jährige.

Einmal ging ihr Diensteifer so weit, dass sie sich in der Zeit geirrt und zusammen mit Julia Wiest bereits um fünf Uhr morgens an der Kapelle gestanden hätten. „Da sind wir nicht umgekehrt sondern spazieren gegangen, bis die anderen eingetroffen sind.“

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