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Babenhausen

01.01.2021

Artenschutz: Natur an der Günz erobert ihren Raum zurück

Seit 20 Jahren gibt es die Naturschutzstiftung im Günztal.
Foto: Sabrina Schatz (Archivbild)

Plus Vor 20 Jahren wurde die erste Naturschutzstiftung in Schwaben gegründet. Seitdem hat sich viel getan zwischen Obergünzburg und Günzburg.

Es war die Sorge um die Natur im Günztal, die Michael Nett aus Ottobeuren (Unterallgäu) in den 1980er Jahren umtrieb. Es war eine Zeit, in der die intensive Landwirtschaft immer mehr Fahrt aufnahm. Hecken verschwanden, Gräben wurden verfüllt, weil sie für die landwirtschaftlichen Maschinen ein Hindernis waren. „Die Feuchtwiesen, wie ich sie aus meiner Kindheit kannte, wurden immer artenärmer“, erinnert sich der heute 69-Jährige. Nett wollte bei dieser Entwicklung gegensteuern und der Natur im Günztal wieder mehr Raum verschaffen.

Zehn Jahre lang kümmerte er sich zunächst mit seinem Mitstreiter Walter Schneider um einen Biotopverbund an der Günz zwischen Ottobeuren und Westerheim. Doch Nett hatte größere Pläne: Auf seine Initiative hin wurde vor 20 Jahren die Stiftung Kulturlandschaft Günztal gegründet. Es war die erste private Naturschutzstiftung in Schwaben. Dem Förderverein gehören heute etwa 350 Mitglieder an.

Biotopverbund im Günztal: Die Natur soll sich selbst wieder regenerieren

Mithilfe der Stiftung entstehen seither an der Günz neue Biotope, die miteinander verbunden werden. Das Gebiet erstreckt sich von der Quelle bei Obergünzburg bis zur Mündung bei Günzburg. Über 450 Hektar Naturschutzflächen sind in den Biotopverbund Günztal eingebunden. Davon gehören 78 Hektar der Stiftung selbst. 17 Hektar wurden gepachtet. In diesem Biotopverbund soll sich die Natur wieder selbst regenerieren. Dabei lautet das Motto: Je größer, desto besser. „Von einer Fläche von der Größe eines Fußballfeldes sind keine Wunder zu erwarten. Um einen wirklich nachhaltigen Effekt für die Artenvielfalt zu erzielen, braucht es größere Gebiete“, sagt Projektleiter Peter Guggenberger-Waibel. So seien gerade Vögel in dieser Hinsicht sehr anspruchsvoll. Zudem sei die Pflege zusammenhängender Flächen einfacher. Die Stiftung konzentriert sich dabei auf 15 Kerngebiete – darunter das Hundsmoor bei Ottobeuren. Die Wiesen werden maximal zweimal im Jahr gemäht, damit sich die Pflanzen- und Tierwelt dort besser entfalten kann.

Eine Privatperson schenkte der Stiftung acht Hektar Land

Das Geld für die Grundstückskäufe stammt vor allem aus Spenden und aus dem Ertrag, den das Stiftungskapital abwirft. Waren es vor 20 Jahren noch 50000 Euro, so beträgt das Stiftungskapital nun etwa 1,25 Millionen Euro. Aber auch Gemeinden, Landkreise und Privatleute stellen Flächen zur Verfügung. „Einmal haben wir von einer Privatperson gleich acht Hektar geschenkt bekommen“, erinnert sich Nett.

In den vergangenen Jahren hat sich die Initiative auch über die Region hinaus einen Namen gemacht. So setzt sich die Stiftung seit 2008 mit dem Projekt „Günztal Weiderind“ für eine naturschutzorientierte Landwirtschaft in Form einer naturnahen Weidewirtschaft ein. Die Rinder fungieren dabei quasi als natürliche Rasenmäher. Da die Wiesen nur langsam „gemäht“ werden, können Bewohner wie Vögel und Insekten besser ausweichen. Guggenberger-Waibel verweist auch auf die „Tümpelkampagne“. Dabei wurden in den Biotopen zahlreiche Kleingewässer und Weiher angelegt. Dadurch habe sich die Population der dort lebenden Amphibien wie Grasfrosch und Gelbbauchunke wieder stabilisiert.

Doch trotz dieser Erfolge gehe der Rückgang der biologischen Vielfalt weiter.

Michael Nett

„Bei den Vögeln und Tagfaltern ist leider immer noch ein Abwärtstrend erkennbar“, sagt der Projektmanager. „Es liegt noch viel Arbeit vor uns“, fügt Michael Nett hinzu. Ihr langfristiges Ziel ist ein Biotopverbund zwischen Alpenvorland und Donautal, damit sich die dort lebenden Tierarten „genetisch austauschen“ können. Für ihr Engagement wurde die Stiftung mehrfach ausgezeichnet. Noch heuer erhält sie den Umweltpreis der Bayerischen Landesstiftung.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der Stifung.

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