Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Auch in Illertissen gibt es jetzt Frühförderung

Illertissen

22.01.2020

Auch in Illertissen gibt es jetzt Frühförderung

Barb Sobott und Puppe „Pelle“ fühlen sich bereits richtig wohl in den neuen Räumen der Lebenshilfe. Am Freitag wird der neue Illertisser Standort der Frühförderung offiziell eingeweiht. Für Familien aus dem südlichen Landkreis wird durch das neue Angebot der Weg zu den Therapieangeboten deutlich verkürzt.
4 Bilder
Barb Sobott und Puppe „Pelle“ fühlen sich bereits richtig wohl in den neuen Räumen der Lebenshilfe. Am Freitag wird der neue Illertisser Standort der Frühförderung offiziell eingeweiht. Für Familien aus dem südlichen Landkreis wird durch das neue Angebot der Weg zu den Therapieangeboten deutlich verkürzt.
Bild: Rebekka Jakob

Plus Die Lebenshilfe Donau-Iller eröffnet in Illertissen einen zusätzlichen Standort für die Frühförderung von Kindern. Hier wird ab jetzt spielerisch gelernt und therapiert.

Die Hausmeister bringen gerade noch die letzten Schilder an, an den Schränken warten noch die Ersatzschlüssel darauf, sicher verstaut zu werden. Doch ansonsten sieht man den Räumen in der Illertisser Hauptstraße, oberhalb der Rathausapotheke schon an, was ab Freitag ihre Bestimmung ist: Ein Platz, an dem Familien Unterstützung erhalten und Kinder spielerisch den Weg zu einer guten Entwicklung finden. Die Lebenshilfe Donau-Iller eröffnet hier einen neuen Standort ihrer Frühförderstelle. Der soll zum Einen Eltern mit Kindern aus dem südlichen Landkreis den Weg zu den Therapieangeboten erleichtern, zum anderen auch den Hauptsitz in Senden entlasten.

Puppe Pelle unterstützt die Therapeuten bei der Frühförderung.
Bild: Rebekka Jakob

Denn die Zahl der Kinder ab Geburt bis zum Schuleintritt, die durch die Frühförderung Unterstützung brauchen, ist in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Barb Sobott. Sie ist die Leiterin der Interdisziplinären Frühförderung, die es in Senden bereits seit 30 Jahren gibt.

Frühförderung: Im Motorikraum warten ein Bällebad und eine Kletterwand

Etwa 260 Kinder aus dem Landkreis Neu-Ulm werden derzeit durch die Frühförderung betreut, davon kommen 60 bis 70 Kinder aus dem Süden des Landkreises. Die Betreuung findet in den Räumen der Frühförderstelle statt, einen großen Anteil der Arbeit leisten die Mitarbeiter aber auch in den jeweiligen Kindertagesstätten oder bei den Familien zuhause. Das Ziel der Fachleute aus den verschiedenen Bereichen – 30 Mitarbeiter sind es im Landkreis Neu-Ulm – sei dabei, Kindern mit Entwicklungsverzögerungen dabei zu helfen, dass sie in der Regelschule gut mitkommen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Therapeuten haben dabei auch am neuen Standort in Illertissen viele Möglichkeiten. Ein spezieller Motorikraum hat nicht nur ein Bällebad, Kletterwand und eine einladende Schaukel zu bieten, sondern auch Schränke voller Materialien, mit denen die Sinne der Kinder angeregt werden können.

Spielerische Angebote wie diese
Bild: Rebekka Jakob

Sobott: „Viele Kinder haben beispielsweise Probleme, sich selbst zu spüren und wahrzunehmen. Dabei helfen zum Beispiel Fühlkisten mit unterschiedlichen Inhalten.“ Beim Eintauchen mit den Armen in Behälter voller Kirschkerne oder Bohnen lernen die Kinder, den Bezug zum eigenen Körper herzustellen.

Erst mal runterkommen im Zimmer mit dem grünen Teppich

Ein anderes Zimmer kommt dagegen mit ganz wenig Reizen aus – außer dem runden, grünen Teppich und einem Podest mit allerlei Schubladen, das sich in eine Spiellandschaft für kleine Autos oder Mini-Tiere verwandeln lässt, gibt es praktisch keine Farbtupfer. Barb Sobott erklärt, warum dieses Zimmer buchstäblich zum Runterkommen dient: „Reizüberflutung verursacht bei vielen Kindern Probleme. Gerade zur Diagnostik können die Therapeuten in diesem Raum mit den Kindern erst einmal runter auf den Teppich gehen und zur Ruhe kommen, bevor mit wenigen Materialien gearbeitet wird.“

In der Hauptstraße 14 in Illertissen eröffnet die Lebenshilfe Donau-Iller einen weiteren Standort für die Frühförderung im Landkreis Neu-Ulm.
Bild: Rebekka Jakob

Kreativ werden dürfen die Besucher dann in einem anderen Zimmer: Ein Becken mit Sand zum Buddeln gibt es hier, aber auch eine mit Glas geschützte Wand zum ungestörten Malen und eine Werkbank, auf der auch gehämmert und gebastelt werden kann. „Am Ende des Tages können die Kinder dann etwas mit nach Hause nehmen, das sie selbst gemacht haben“, erklärt Barb Sobott. Auch solche greifbaren Erfolgserlebnisse sind Teil der Therapie.

Bis zu 90 Prozent der Kinder holen Entwicklungsverzögerung wieder auf

Die Erfolgsquote der Lebenshilfe ist hoch: 80 bis 90 Prozent der Kinder, die die Frühförderung besuchen, könnten bestehende Verzögerungen in ihrer Entwicklung aufholen, sagt Sonja Ruprecht. Für die zehn bis 20 Prozent der Kinder, bei denen das nicht gelingt, unterstütze die Frühförderung bei der Suche nach einem Lern- und Förderangebot, das für die Kinder passt.

Die Beratung der Eltern ist ein wesentlicher Baustein in der Arbeit der Lebenshilfe. „Eltern, die sich Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen, können sich direkt an uns wenden“, erklärt Barb Sobott. Wenn sich dann ein Förderbedarf anzeichnet, stellt die Lebenshilfe in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt einen Therapieplan zusammen. Je nach den Bedürfnissen des Kindes werden dann Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten in jeweils einer Wochenstunde pro Disziplin tätig, entweder in Einzelsitzungen oder in kleinen Gruppen.

Handpuppen können Kinder zum Sprechen bringen

Manche Kinder, so erzählt Barb Sobott, lernen dabei wieder, außerhalb der eigenen Familie zu sprechen. Handpuppen wie Pelle können dabei helfen, manchmal ist es auch das Schaukeln im Motorikraum, das den Durchbruch bringt. „Es kann oft lange dauern, bis ein Kind reagiert“, so die Leiterin. Aber wenn es klappt, freut das auch die Therapeuten. Sobott: „Für uns alle im Team ist die Frühförderung eine Herzenssache. Allen geht es darum, den Kindern das mitzugeben, was sie brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Dabei sind wir alle mit dem Herzen dabei.“

Wer die neue Frühförderstelle in Illertissen und ihr Angebot kennen lernen möchte, hat dazu am Freitag, 24. Januar, Gelegenheit. Von 15 bis 17 Uhr ist in den Räumen in der Hauptstraße 14 Tag der offenen Türe.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren