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Illerzell

10.12.2017

Auf Spurensuche in Illerzell

Illerzell ist der älteste Ortsteil Vöhringens. Dennoch ist noch nicht viel über das Dorf bekannt. Eine Chronik, die derzeit entsteht, soll das ändern. Einzug in das Heimatbuch wird sicherlich auch das Wasserwerk finden, das noch in Betrieb ist. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und war einst eine Mühle, die aus dem Jahr 1690 stammt.
Bild: Ursula Katharina Balken

Über den ältesten Ortsteil Vöhringens entsteht derzeit eine Chronik. Doch die Geschichte des Dorfs zu ergründen, ist eine mühsame und schwierige Arbeit.

Alles hat seine Geschichte. Es gibt Städte und Gemeinden, in denen bedeutsame Geschichte geschrieben wurde. Illerzell gehört nicht dazu. Aber wie alles hat auch das kleine Dorf, das im Jahr 1247 erstmals urkundlich erwähnt wurde und seit 1972 ein Stadtteil Vöhringens ist, eine Vergangenheit.

Die Historie zu ergründen, aufzuarbeiten und sie in einer Chronik zusammenzufassen, ist derzeit Aufgabe des heimatverbundenen Konrad-Verlags in Weißenhorn. Zahlreiche Helfer sind nötig, um der Vergangenheit nachzuspüren. Einer davon ist Theo Span, der sich in seinem Heimatort genau auskennt. Seine Spürnase ist so gut, dass er aus einem Container, der beim Umbau des Kindergartens gebraucht wurde, die Chronik des Männergesangvereins „Cäcilia“ herausfischte – ein besonders wertvoller Fund. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Chor aufgelöst. Für Hausgeber Christoph Konrad ist Theo Span deshalb ein wichtiger Mann.

Im Gegensatz zu Vöhringen, über das zwei Geschichtsbände verfasst wurden, ist über Illerzell bislang nur wenig bekannt. Im Heimatbuch von Franz Helmschrott etwa, einst Rektor der Uli-Wieland-Schule, wird Illerzell nur nebenbei erwähnt. Es erschien im Jahr 1975 noch zu Zeiten von Bürgermeister Otto Stocker. Die zweite Chronik aus dem Hause Konrad, die sich nur auf die Kernstadt Vöhringen bezieht, kam 2002 heraus. Die Geschichte von Illerberg, dem höchsten Ortsteil der Stadt, wurde 2013 publiziert. Der Ruf nach einem eignen Buch über Illerzell wurde deshalb immer lauter. Bürgermeister Karl Janson ergriff die Initiative und ließ Mittel in den Haushaltsplan einstellen.

„Das war ein bemerkenswerter Schritt“, sagt Christoph Konrad, der den Verlag in zweiter Generation führt. „Es ist wichtig, dass Bürgermeister den kulturellen Auftrag, den sie haben, erkennen, und es so zu einer Ortsmonographie kommt.“ Eine Ortsmonographie ist ein Wissensformat, dessen Fokus oft nur auf der Nachkriegsgeschichte gerichtet ist. In diesem Fall gehen die Verantwortlichen allerdings weiter, zurück bis ins 13. Jahrhundert.

Aber wie entsteht nun eine Chronik? Wo fängt man an, wo hört man auf? „Was man unbedingt braucht, ist einen ortskundigen Bürger. Ich stieß auf Theo Span“, sagt Konrad. Dass Span ein „Jäger und Sammler“ ist, war ein Glücksfall. „Ich habe mich schon immer für alte Fotos, Veröffentlichungen und Urkunden interessiert“, so Span. „Aber eigentlich nie mit dem Ziel, ein Buch herauszubringen. Ich wollte nur nicht, dass alte Dinge, die auf Geschichte hinweisen, verloren gingen.“ Doch als dann die Anfrage vom Verlag in Weißenhorn kam, ob er zur Mitarbeit bereit wäre, sagte Span sofort ja.

„Früher“, so sagt Konrad, „war es Sache des Lehrers oder Pfarrers, sich mit den Vorkommnissen in einem Ort zu beschäftigen und sie niederzuschreiben.“ Heute sei die Regionalgeschichtsschreibung bis in höchste Ebenen vorgestoßen, in den Bereich der Universitäten. So wurde von der Universität Augsburger etwa Historikerin Dr. Anke Sczesny gewonnen, die sich dem Kapitel der Frühen Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert widmet. Als Quellen dienen das Fuggerarchiv und das Staatsarchiv Augsburg. Peter Wischenbarth nimmt sich der Wirtschaft an, Jeannette Wischenbarth der Gefallenen aus beiden Weltkriegen, Hellmuth Mößle spürt der ganz jungen Geschichte nach, die mit dem Illertal-Gymnasium zu tun hat. Mößle, ehemaliger Schulleiter, schreibt über die Schule, die zwar schon 1973 gegründet wurde, ihr endgültiges Domizil aber 1982 in Illerzell entstand. Der vielfältigen Vereinsgeschichte geht Theo Span nach, mehr noch – er kümmert sich auch um Häuser und Familien sowie um die Kirchengeschichte.

„Damit fing eigentlich alles an“, erinnert sich Span. Als die Ulrichskirche nach abgeschlossener Renovierung im Jahr 1989 wiedereröffnet wurde, habe er die Kirchenhistorie geschrieben. „Plötzlich taucht man in die Geschichte ein und fängt immer tiefer an, zu graben.“

Die Vereinsgeschichte zusammenzutragen, sei nicht schwierig, sagt Span. Mit Gehöften und Familien sei es schon nicht mehr so einfach. Er gehe von Haustür zu Haustür und frage nach alten Bildern. Was ihm bei dieser zeitraubenden Arbeit entgegenkommt, ist sein Bekanntheitsgrad – die Illerzeller „Späne“ kennt man. Immerhin war Theos Vater Hans Span ein bekannter Heimatdichter.

Was in den Gesprächen mit den „eingeborenen Zellermern“ immer wieder zur Sprache kommt, ist die Iller. Dieser unberechenbare Gebirgsfluss trat beinahe jedes Jahr über die Ufer und überschwemmte wertvolles Ackerland. Bei der Jahrhundertflut 1999 waren es Häuser, die erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Hochwasserschutz war das Gebot der Stunde. Nachdenklich sagt Span: „Illerzell hat Geschichte und die Iller hat daran tüchtig mitgeschrieben.“

Nach Angaben von Christoph Konrad kann – wenn es gut läuft – die Chronik in einem Jahr fertig sein. „Ich habe gute Autoren, sie alle arbeiten ehrenamtlich. Wenn sie ihre Manuskripte abgegeben haben, wird lektoriert. Dann geht es an den Druck.“ Welches Titelbild auf der Chronik zu sehen sein wird, steht noch nicht sicher fest: „Es muss ein markantes Gebäude sein“, sagt Konrad. „Wohl die Ulrichskirche.“

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