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Chronik

20.10.2017

Auf historischen Spuren in Bellenberg

Die Ortsführung endet im historischen Ambiente der unteren Mühle in Bellenberg. Sie wurde im Jahr 1442 erstmals urkundlich erwähnt. Als heutige Vogtmühle wurde sie 1869 errichtet.
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Die Ortsführung endet im historischen Ambiente der unteren Mühle in Bellenberg. Sie wurde im Jahr 1442 erstmals urkundlich erwähnt. Als heutige Vogtmühle wurde sie 1869 errichtet.
Bild: Regina Langhans

Jörg Zenker und Stefan Ilg führen Heimatfreunde durch die Geschichte des Orts. Wie die Gemeinde ihre Chronik nun mit modernen Mitteln erlebbar machen will

Die Gemeinde Bellenberg ist älter, als es für Außenstehende den Anschein hat. Der Eindruck einer vergleichsweise jungen Ortschaft entstehe, sagt Bellenbergs Heimatforscher Jörg Zenker während einer Führung, etwa beim Ablaufen der Bauerngasse. Deren über Jahrhunderte gewachsene Anwesen würden nach und nach mehrstöckigen Gebäuden weichen. Damit nicht alles in Vergessenheit gerät, macht der gelernte Schauspieler und Hobbyhistoriker auf Wunsch historische Ortsführungen. Dabei teilt sich Zenker die Aufgaben mit Stefan Ilg, dem ebenfalls die Ortsgeschichte am Herzen liegt.

Als Ausgangspunkt haben die beiden den Rathausbrunnen mit der Darstellung zweier, für Bellenberg wegweisender Personen gewählt. Einmal handelt es sich um die Figur eines bronzegießenden Kelten als Verweis auf bronzezeitliche Wohnungen um 1500 vor Christus oberhalb der örtlichen Ziegelei. Die Chronisten sprechen von einer 4000-jährigen Siedlungsgeschichte in Bellenberg. Als Zweites ist „Cunrat der Bellenberger“ dargestellt, der 1302 als Zeuge der ersten urkundlichen Erwähnung Bellenbergs aufgeführt wird.

Der Rundgang führt durch die Bauerngasse vorbei an wenigen, über 200 Jahre alten Höfen. Laut altem Ortsplan gab es um 1830/35 etwa 300 Einwohner. Es geht auf den Schlossberg, „mit einem Kreuz von 1860 als das älteste sichtbare Objekt“, erfahren die rund 20 Teilnehmer. Wenig später wurde die Kapelle errichtet. Die tiefen Gräben rund um den Kapellenhügel lassen erahnen, dass der Flecken Erde vieles zu erzählen hätte. Denn dort stand einst das Schloss der Herren von Ellerbach, bevor es 1378 beim Streit der Reichsstädte gegen die Fürsten von Ulmern abgebrannt wurde. Jörg Zenker weiß, dass Steine des zerstörten Burgsitzes für den Münsterbau benötigt wurden und bis heute im Original vorzufinden sind. In Zusammenarbeit mit der Kommune gebe es Bestrebungen, verrät Zenker, exemplarisch einen Bellenberger Burgstein vom Münster zurückzuholen. „Er soll mit einer Info-Stele an den Burgsitz am Schlossberg erinnern“, erklärt Zenker. Mehrere Chronik-Stelen sollen als Leader-Projekt mit Geldern der Europäischen Union in Bellenberg errichtet werden.

Ein weiterer historisch spannender Ort ist die frühere Pfarrkirche St. Peter und Paul unterhalb des Schlossbergs. Die Chronisten geben amüsante Einträge aus Pfarrbüchern zum Besten. Aber auch Bemerkenswertes aus den Anfängen der Pfarrei – etwa, dass es sich bei der bestehenden Kirche um das fünfte Bauwerk handelt. Allein im 8. Jahrhundert hätten zwei Holzkirchen an dessen Stelle gestanden. Für ihre Kirchenneubauten hätten die damaligen Bellenberger außen um das bestehende Gebäude herum Mauern errichtet und zum Schluss die inneren Wände abgebrochen.

Weitere Stationen gelten der, heute als Wohnhaus genutzten alten Schule am Kirchberg, dem abgerissenen Schlösschen am heutigen Kreisel, der Gastwirtschaft „Zur Traube“ oder dem Eisenbahnbau. Stefan Ilg erzählt, wie sich Bellenberg seinen Bahnhof erst erkämpfen musste: „Anfangs hat der Zug zwischen Vöhringen und Illertissen nicht gehalten“. Der Rundgang endet in der 1869 errichteten Vogtmühle. Als untere Mühle wurde sie 1442 erstmals erwähnt, heute ist sie im Besitz von Leopold Vogt und Cordula Klemm und erzeugt mittels Wasserkraft Strom. Elfmal haben Jörg Zenker und Stefan Ilg auf diese Weise durch den Ort geführt. Nun hoffen sie, dass über die geplanten historischen Stelen noch mehr Bellenberger die spannende Geschichte ihres Ortes kennenlernen können.

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