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Babenhausen

20.08.2020

Babenhauser Zuchtveesen: Eine alte Dinkelsorte kommt im Günztal zu neuen Ehren

Michael Königsberger aus Westerheim im Unterallgäu ist einer der Bauern, welche die alte Dinkelsorte Babenhauser Zuchtveesen zunächst in kleinen Versuchsmengen anbauen.
Bild: Tom Otto

Plus Drei Landwirte im Günztal bauen testweise eine alte Getreidesorte an – den Babenhauser Zuchtveesen. Sortenschützer versprechen sich viel von diesem Versuch.

Hinter dem Begriff Babenhauser Zuchtveesen steckt nicht etwa eine Sammlung längst überkommener Erziehungsmethoden im Fuggermarkt. Auch eine spezielle Pferderasse, deren Ursprung im örtlichen Reitverein zu suchen wäre, geht an der korrekten Bedeutung vorbei. Es handelt sich vielmehr um eine früher nur im Günztal vorkommende Dinkelsorte. Und die kommt zu neuen Ehren.

Einst hieß Dinkel noch nicht überall Dinkel. Alternativ nannten ihn die Menschen Veesen oder in anderer Schreibweise auch Fesen oder Vesen.

Unlängst zog der Babenhauser Zuchtveesen das Interesse der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf sich. Er wurde in einem Saatenarchiv der Deutschen Genbank für Kulturpflanzen in Gatersleben ( Sachsen-Anhalt) mit Einlagerung aus dem Jahr 1923 gefunden. Dass überhaupt nach solchen alten Sorten gesucht wird, liegt mitunter an der Verabschiedung des Biodiversitätsprogramms Bayern 2030 „Natur Vielfalt Bayern“.

Einmal verloren gegangene biologische Vielfalt ist nicht wiederherstellbar

Für Dr. Klaus Fleißner, der von der LfL mit der Sammlung von historischem landwirtschaftlichen Sortenmaterial in Bayern beauftragt wurde, sind die alten Landsorten von großer Bedeutung: „Die Vielfalt unserer landwirtschaftlichen Nutzpflanzen sowie das Wissen über deren Anbau, Vermehrung und Nutzung sind ein bedeutender Teil unseres kulturellen Erbes.“ Denn diese, so Fleißner weiter, wiesen oft eine größere genetische Heterogenität auf als die modernen Hochleistungssorten.

Genetische Vielfalt sei eine grundlegende Voraussetzung für zukünftige Nutzungen und züchterischen Fortschritt. „Einmal verloren gegangene biologische Vielfalt ist nicht wiederherstellbar.“ Deutschlandweit, so Fleißner, seien bereits etwa 90 Prozent der Getreidesorten verschwunden.

Im Günztal bauen nun drei Landwirte den Babenhauser Zuchtveesen versuchsweise an. Einer von ihnen ist Michael Königsberger aus Westerheim. Der Bio-Bauer hat das Getreide auf einer Fläche halb so groß wie ein Fußballfeld kultiviert. Vorerst säen die Versuchslandwirte nur kleine Mengen auf ihren Feldern aus. Das Getreide steht höher als üblicher Dinkel. Typisch für die Sorte ist auch die Rotfärbung von Halm und Ähre.

Öko-Modellregion Günztal unterstützt Programm

Nach der Ernte wird sich zeigen, welche Eigenschaften die alte Dinkelsorte mit sich bringt. Da das Saatgut aus der „biozid-freien“ Zeit der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts stammt, also noch ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskam, ist davon auszugehen, dass die Sorte eine größere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten aufweist als moderne Hochleistungssorten.

Die Stiftung Kulturlandschaft Günztal sowie die neu geschaffene Öko-Modellregion Günztal unterstützen die LfL bei dem Biodiversitätsprogramm „Natur Vielfalt Bayern“. Sie betreuen die teilnehmenden Landwirte und suchen derzeit nach Partnern, die das „alte“ Korn verwerten. Das ist nicht so einfach wie bei der herkömmlichen Getreideverarbeitung; der übliche Mühlenbetrieb ist nicht auf eine so geringe Ernte ausgelegt.

Und schließlich soll noch ein Bäcker, möglichst aus dem Raum Babenhausen, gefunden werden, der den Zuchtveesen zu schmackhaftem Dinkelbrot oder klassischen schwäbischen Seelen verarbeiten und backen kann. „Im Herbst wissen wir dann mehr“, freut sich Peter Guggenberger-Waibel, der das Projekt bei der Stiftung Kulturlandschaft Günztal mit Sitz in Ottobeuren leitet. Damit wäre man dann dem Ziel eines verbraucherorientierten Ansatzes mit regionaler Wertschöpfungskette einen deutlichen Schritt näher.

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