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Illertissen/Kirchberg

17.06.2017

Badeunfall im Sinninger See: Kam die Hilfe zu spät?

Bei einem Badeunfall im Sinninger See ist am Sonntag ein 25 Jahre alter Mann aus Illertissen gestorben.
Bild: Franziska Wolfinger

Ein 25-jähriger Mann ist am Sonntag im Sinninger See ertrunken. Jetzt wurde Kritik an den Rettungskräften laut. Was diese zu den im Netz geäußerten Vorwürfen sagen.

Nach dem tragischen Tod eines 25-Jährigen am Sonntag im Sinninger See ist Kritik am Einsatzverhalten der Rettungskräfte laut geworden. Vor allem in den sozialen Netzwerken diskutieren die Bürger über den Badeunfall. Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung wird etwa bemängelt, dass Helfer zu spät am Einsatzort gewesen seien. „Hätten sie früher reagiert, wäre er nicht ertrunken“, beschreibt eine Nutzerin ihren Ärger.

Hubert Lang, Leiter der Wasserwacht Kirchberg/Sinningen, weist solche Vorwürfe entschieden zurück. Rettungsschwimmer seien nur wenige Sekunden, nachdem der 25-Jährige in Not geraten und untergegangen sei, im Wasser gewesen und hätten nach dem Mann gesucht.

Wie berichtet, überwachen Ehrenamtliche der Wasserwacht an Sonn-, Feier- und Samstagen von 12 bis 18 Uhr das Geschehen vor Ort. Die ausgebildeten Rettungsschwimmer patrouillieren sowohl am Ufer als auch auf dem See. Für die Rettungsschwimmer, die in der Regel nur mit ABC-Ausrüstung – also mit Schnorchel, Brille und Flossen – ausgestattet sind, gestaltete sich die Suche nach dem 25-Jährigen allerdings als sehr schwierig.

Denn der junge Mann war an einer Stelle untergegangen, an der der See rund acht Meter tief ist. Ohne technische Hilfsmittel oder einer speziellen Ausbildung sei es „nahezu unmöglich“, sagt Wasserwachtler Lang, einen Menschen aus so großer Tiefe an die Wasseroberfläche zu holen. Einem gut trainierten Sporttaucher, der am Sonntag als Badegast vor Ort war, war es schließlich gelungen, in diese Tiefe abzutauchen und den leblosen Körper an die Oberfläche zu ziehen. „Wir können uns nicht vorwerfen, zu langsam gewesen zu sein“, sagt Lang.

Auch Dieter Schmid, Einsatz- und Ausbildungsleiter der Wasserwacht in Illertissen, weist die Kritik an den Einsatzkräften zurück. Nicht jede Wasserwacht habe einen ausgebildeten Rettungstaucher im Team. Das sei nicht ungewöhnlich. Eine Ausbildung zum Rettungstaucher dauere fast ein ganzes Jahr – psychischer Stress und physische Anforderungen seien groß. Auf keinen Fall vergessen dürfe man, dass die Mitglieder der Wasserwacht ihre Arbeit ausschließlich ehrenamtlich leisteten. „Jedes Jahr werden von ihnen viele, viele Wachstunden abgehalten.“

Wasserretter sorgen in ihrer Freizeit für Sicherheit an Seen

In ihrer Freizeit sorgten die Ehrenamtlichen für die Sicherheit an den Seen. Jedes Gewässer mit hauptamtlichen Rettungskräften auszustatten, wäre „mit ordentlichen Kosten verbunden“, so Schmid. Schließlich sei es nicht damit getan, einen Bademeister zu beschäftigen. Ein Team müsse mindestens aus Rettungsschwimmern, -tauchern, Signalmännern und Bootsführern bestehen, erklärt Schmid.

Dass eine speziell geschulte Schnelleinsatzgruppe (SEG), wie ebenfalls im Netz kritisiert, erst nach rund 20 Minuten am Einsatzort gewesen ist, sei dem allgemeinen Vorgehen in solchen Situationen geschuldet. Werde ein Notruf im baden-württembergischen Sinningen abgesetzt, landet der Anrufer automatisch bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Ulm. Im Normalfall werden von dort aus die zuständigen Einsatzkräfte alarmiert und zum Unfallort geschickt.

Da die für den Sinninger See zuständigen beiden Schnelleinsatzgruppen allerdings in Memmingen und Illertissen stationiert sind, sei der Notruf von Ulm aus zunächst an die Integrierte Leitstelle Donau-Iller in Krumbach weitergegeben worden. Diese habe dann die Memminger und Illertisser Wasserretter alarmiert, die sich auf den Weg zum Unfallort gemacht hätten.

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