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Vöhringen

09.09.2019

Beim Spectaculum in Vöhringen stellt sich die Frage: Wer turtelt hier mit wem?

Chaos pur – mit Esprit serviert – bietet das Stück „Ein toller Dreh“, aufgeführt von der Jugendbühne Spectaculum in Vöhringen. Auf unserem Bild zu sehen sind: (von links) Ann-Kathrin Didovic, Elena Lenard, Simone Steinhauser, Jannis Sälzle, Henri Blaas und Elias Hauke.
Bild: Ursula Katharina Balken

Für ihre neue Produktion „Ein toller Dreh“ erntet die Vöhringer Jugendbühne Spectaculum jede Menge Applaus vom Publikum.

Extravaganz wohin man blickt – mitten im eleganten Wohnzimmer ein Baum, der mit einer Jugendstil-Bank zusätzliche Zierde erhält, ein chromblitzender Einstieg ins Badezimmer über eine Treppe, die sonst nur für den heimischen Pool Verwendung finden dürfte. Diverse Türen verdienen besondere Beachtung.

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Es gibt eine, die dank moderner Elektronik hin- und herpendelt und bei Bedarf auch stehen bleibt, ein quer geteilter Zimmereingang, der wie eine Jalousie ausschaut, dazu eine Tür, die an die Kofferausgabe in einem Airport erinnert und eine schräg liegende Pforte, ein Zugang in die übrigen Etagen. Ziemlich schräg ist auch der Plot, der dem englischen Autorengespann Antony Marriot und Alistair Foot eingefallen ist, jetzt in besagter Kulisse aufgeführt von der Jugendbühne Spectaculum im Josef-Cardijn-Haus.

Ein leidenschaftlicher Junggeselle gibt vor, verheiratet zu sein

Zum Inhalt: Jenes Haus, an dem sich ein Architekt mit abstrusen Ideen offensichtlich ausgetobt hat, steht zum Verkauf. Der allerdings gestaltet sich schwierig. Aber Eigentümer Bernard Lockwood (David Klement) im strahlend weißen Anzug hat eine blendende Idee, wie man die Veräußerung forcieren kann. Sein Geschäftsführer (Henri Blaas), angehendes Mitglied des britischen Unterhauses und leidenschaftlicher Junggeselle, soll vorgeben, verheiratet zu sein. Familienleben vorzutäuschen und dass man glückselig in dem Haus gewohnt hat, könnte den Verkauf etwas beschleunigen. Es findet sich die ehrgeizige Schauspielerin Melanie Sinclair (Simone Steinhauser), die auf entzückend raffinierte Weise die Ehefrau mimt.

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Aber da sind schon einige Hürden mehr zu überwinden. Es ist ja ein No-Go, wenn ein angehender Politiker mit einem bis dato einwandfreiem Lebenswandel mit einer Frau zusammenlebt und beide unverehelicht sind. Wenn das an die Öffentlichkeit gelangt, dann ist sein Mandat futsch. Die Sache wird spannend, wenn sich Kaufinteressenten einfinden, wie Sir Lindsay Cooper (Jannis Sälzle) und die elegante Lady Cooper (Ann-Kathrin Didovic). Pikant – die beiden haben auch keinen Trauschein, suchen aber eine diskrete Bleibe.

Spielfreude überträgt sich auf die Zuschauer

So entwickelt sich eine Geschichte, die mit sprühenden Ideen turbulent von Thomas Boxhammer in Szene gesetzt wird. Die ansteckende Spielfreude überträgt sich auf das Publikum. Da tut sich dann schon die Frage auf, wer turtelt bei den chaotischen Verhältnissen mit wem? Wer hat da noch den Durchblick? So agiert lebhaft Franziska Bucher als leicht überforderte Sekretärin des Hausbesitzers Bernd Lockwood. Katharina Bucher als Yvonne, Lehrmädchen bei Lockwood, wirbelt über die Bühne und wird mit allerlei Ungemach konfrontiert.

Marius Welk spielt David Prosser, der nicht nur Anwalt ist, sondern auch Verlobter von Melanie, die gerade als Ehefrau auf Zeit gebunden ist. Der findet das gar nicht komisch und wird schließlich zum Prügelknaben für alles und jedes und wirft mit lateinischen Sprüchen nur so um sich. Sarah Grötzinger als Lady Space ist Privatdetektivin und verfügt über ungewöhnliche Schlagkraft. Mit im Spiel auch Elias Hauke als Andrew Grey, ein eleganter Parlamentsabgeordneter, der sich zusammen mit Ehefrau Audrey (Elena Lenard) auch für die Immobilie interessiert. Leona Sälzle als Lady Macy Spens vervollständigt das Ensemble.

Komödie hat alles, was Boulevard-Theater braucht

Wenn allen Spielern für ihre Darstellung auch dickes Lob gebührt, so darf die Anerkennung für Henri Blaas und Marius Welk ein bisschen üppiger ausfallen. Denn wie Blaas die jeweiligen Situationen mit verschiedenen Stimmlagen ausfüllt, ist Sonderapplaus wert, der auch Marius Welk als hysterischem Bräutigam gilt, der hart im Nehmen sein muss. Diese Komödie hat alles, was gutes Boulevard-Theater braucht. Witz, spritzige Dialoge, überbordende Lust am Spiel und ein aufwändiges Bühnenbild, das in Eigenregie entstanden ist. Lang anhaltender Beifall für Spiel und Regie.

Weitere Termine Freitag, 13. September, 20 Uhr, Samstag, 14. September, 20 Uhr, Sonntag, 15. September 18 Uhr, Freitag, 20. September, 20 Uhr, und Samstag, 21. September, 20 Uhr. Kartenvorverkauf bei Musik & Musik Illertissen und in der Schuhwerkstatt Trips in Vöhringen.

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