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Ulm / Landkreis

28.11.2019

Black Friday: Machen die Händler in der Region mit?

Der Black Friday weitet sich offenbar aus: Tagelang werden satte Rabatte angeboten. Die Einzelhändler in der Region bewerten diesen Trend unterschiedlich.

Plus Der Black Friday findet nicht nur am Freitag statt: Online wie offline werden dieser Tage Rabattschlachten ausgetragen. Was Händler in der Region dazu sagen.

Ein Geschenk macht die Neu-Ulmer Glacis-Galerie ihren Kunden erst nach dem vielleicht umsatzstärksten Wochenende des Jahres: Ab dem kommenden Montag, 2. Dezember, ist die Toilettennutzung gratis. „Wir haben uns mit dem Mieter geeinigt“, sagt Centermanager Tim Keller. Damit verschwindet, gemessen an der Kritik in den sozialen Netzwerken, ein großes Ärgernis im Einkaufszentrum mit seinen 90 Geschäften. Doch zunächst steht ein Mega-Wochenende bevor. In der Galerie gibt es zum Black Friday spezielle Angebote. So wie bei mehreren Händlern in der Region.

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Das letzte Wochenende mit kostenpflichtiger Toilette ist für das Einkaufszentrum in Neu-Ulm überaus wichtig: „Wir haben eine etwa doppelt so hohe Frequenz wie an normalen Tagen“, sagt Keller über die „Black Price Days“ am Freitag und Samstag. Das heißt: Statt 17.000 Menschen, so lautet die vom Betreiber ECE kommunizierte Zahl, schlendern 32.000 Menschen durch die Gänge. Wie Keller sagt, seien die Auswirkungen auf die Umsätze unterschiedlich: Bei manchen würde sich gar „eins zu eins“ der Umsatz verdoppeln.

Black Friday in Pfaffenhofen: Auch eine Friseurin macht mit

Der Black Friday beschränkt sich nicht auf Filialisten und Internet-Profis wie Amazon oder Otto. Selbst Friseure schwimmen auf der schwarzen Welle. So etwa der Salon von Jessica Widmer in Pfaffenhofen, die 20 Prozent Rabatt auf Shampoo und Co gibt. „Ich beteilige mich zum ersten Mal“, sagt die Paffenhoferin. Schließlich sei ja überall von „Black Deals“ zu lesen.

Black Friday: Machen die Händler in der Region mit?

Adrian Nas, Geschäftsführer des Illertisser Modehauses Rimmele, ist skeptisch, was die Rabattschlachten angeht: „Das gerät aus den Fugen“, ärgert er sich. „Es heißt nur noch: billig, billig, billig.“ Dabei griffen etwa Online-Händler durchaus in die Trickkiste; manch einer erhöhe zuvor die Preise, um sie dann mit viel Trara wieder zu senken. Unterm Strich sieht Nas immer mehr Druck auf dem Einzelhandel lasten. Und so versucht auch das Modehaus, zu reagieren – und veranstaltet „Shopping Days“. Zufrieden stimmt Nas das nicht: „Wir machen uns das Weihnachtsgeschäft kaputt.“ Wer sich rund um den Black Friday mit Rabatt-Ware eindecke, kaufe danach nicht mehr so viel.

Illertissen: Einzelhändler kämpfen gegen Online-Konkurrenz

In der Vöhlinstadt ist der „schwarze Verkaufsschlager“ schon seit geraumer Zeit ein Thema: Die örtliche Werbegemeinschaft macht sich grundsätzlich Gedanken, wie der übermächtigen Online-Konkurrenz zu begegnen ist. Ein Ansatz: Die Kunden mit speziellen Aktionen in die Läden zu locken – weg von Laptop und Smartphone und in die Stadt hinein. Ein Beispiel war der Shopping-Samstag im Juli. Es gab Programm, die Auer Bimmelbahn drehte ihre Runden. Das zeigte Wirkung: In den Geschäften war einiges los. Und es gibt weitere Überlegungen: Gerade junge Kunden müssten von den Einzelhändlern stärker angesprochen werden heißt es, etwa über soziale Medien.

Wer in diesen Tagen durch Ulm oder Neu-Ulm läuft, merkt: Der Begriff Black Friday wird selten verwendet. Stattdessen heißt es „Black Week“, „Red Week“, „Black Deal“ oder „Cyber Deal“. Der Grund liegt in der Angst vor Abmahnungen. Dieter Sievert, Leiter der Rechtsabteilung beim Handelsverband Baden-Württemberg, empfiehlt Händlern, den Begriff Black Friday zu meiden. Denn es laufe ein Rechtsstreit. Das deutsche Patentamt hatte zwar entschieden, die Marke zu löschen, weil sie nach deutschem Recht gar nicht eintragungsfähig war. Die Markeninhaberin aus Hongkong legte jedoch Beschwerde beim Bundespatentgericht ein.

Black Friday im Landkreis: Nicht alle machen mit

So oder so: Als den „neuen Schlussverkauf“ bezeichnet Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, die Tage rund um den Black Friday. Als ehemaliger Inhaber des Ulmer Traditionskaufhauses ist Hutter ein Kenner der regionalen Handelslandschaft. Die Lage der Einzelhändler in Ulm sei „ziemlich dramatisch“. In den Köpfen habe sich Ulm als eine Stadt der Dauerstaus und Parkplatznot verfestigt. „Sehr schwierig“, sagt Hutter. Er habe gehört, dass umliegende Städte und Gemeinden davon profitierten, weil Ulm als nicht erreichbar gelte.

Der Neu-Ulmer Centermanager Keller, Herr über 1100 Stellplätze, lacht sich heimlich ins Fäustchen. „Wir liegen im Plan.“ Inwiefern das mit der Ulmer Parkplatznot zu tun hat, darüber kann er nur spekulieren.

Längst nicht alle Händler in der Region springen auf den Hype um den Black Friday auf. Skeptisch äußert sich etwa Rainer Wolf, Chef von Intersport Wolf mit Sitz in Weißenhorn: „Ich kann doch eine Ware nicht am Donnerstag für 500 Euro und am Freitag für 400 verkaufen.“

Andere wandeln den aus den USA importierten Beginn der Weihnachtseinkaufssaison für den guten Zweck um: Aus einem „Tag des reinen Konsums und Kommerzes, erdacht als Marketinginstrument zur Renditesteigerung“, wie es Rasmus Schöll, Chef der Aegis Literatur Buchhandlung ausdrückt, wird Wohltätigkeit: Die Buchhandlung wird am Black Friday zehn Prozent des Umsatzes an die Ulmer Tafel spenden.

Der Einzelhandel in Bedrängnis - mehr dazu lesen Sie hier:

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