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Klosterbeuren

29.11.2019

Bruch mit Modebranche: Klosterbeurerin gründet eigenes Label

Patricia Müller, die in Klosterbeuren wohnt, hat im Sommer ihr eigenes Modelabel herausgebracht. Der Mantel ist ihr neustes Stück.
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Patricia Müller, die in Klosterbeuren wohnt, hat im Sommer ihr eigenes Modelabel herausgebracht. Der Mantel ist ihr neustes Stück.
Bild: Kenneth Fraunhofer

Plus Patricia Müller hat bei großen Namen in der Modebranche gearbeitet. Dann kündigte sie – und gründete ein Label, mit dem sie eigene Maßstäbe setzen will.

Zeitlos schön soll ihre Mode sein. Langlebig. Nicht unbedingt etwas für die sogenannten Fashion-Victims, die Trends hinterherhecheln und morgens vor überfüllten Kleiderschränken stehen. Und so kam Patricia Müller auch auf den Namen für ihr eigenes Modelabel: few. Das steht für „Formula for an Effortless Wardrobe“, was in etwa bedeutet: Formel für eine mühelose Garderobe. Dabei war die 39-Jährige, die mittlerweile wieder in Klosterbeuren wohnt, lange Zeit selbst Mitglied jener Bekleidungsindustrie, die so schnelllebig geworden ist und die im Jahr zig Kollektionen hervorbringt. Dann kam der Bruch: „Die Branche war nicht mehr mit meinen Idealen vereinbar“, sagt Patricia Müller.

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Im Keller ihres Elternhauses in Klosterbeuren reihen sich Nähmaschinen und eine Bügelstation aneinander. An einer Kleiderpuppe ist Stoff zur Abendrobe drapiert. In diesem Raum nahm und nimmt die „few“-Kleidung ihren Anfang. Ein Ein-Knopf-Blazer und ein Hemdblusenkleid etwa; neu ist ein Mantel. Alles ist in Schwarz gehalten. „Das ist sinnvoll, man kann schwarz mit allem kombinieren, ganz mühelos“, erklärt Patricia Müller, die selbst Jeans, Dutt und ein an den Ärmeln gekrempeltes Hemd trägt.

Garderobe: Ihre Mode soll langlebig und gut kombinierbar sein.
Bild: Sabrina Schatz

Die junge Frau hat die Modebranche 20 Jahre lang kennengelernt – von kreativer wie industrieller Seite aus. Sie machte eine Ausbildung zur Damenschneiderin und Schnittmacherin. Es folgte ein Studium der Bekleidungstechnik, seit dem sie sich diplomierte Bekleidungsingenieurin nennen kann. Während eines Auslandssemesters in der Modemetropole New York lag ihr Fokus auf dem Marketing. Danach war die junge Frau etwa für Escada, für das serbische Modelabel Ivko und für Hugo Boss tätig. Die Arbeit reichte von der Entwicklung über den Vertriebsaufbau bis zum strategischen Brand Management. Doch dann kündigte sie den Job bei Hugo Boss. Denn die Branche war ihr suspekt geworden.

Bruch mit Modebranche: Klosterbeurerin gründet eigenes Label
Inspiration: Bilder an der Pinnwand liefern Anregungen.
Bild: Sabrina Schatz

„Da waren sehr viele Fragen, die ich hatte.“ Zum Beispiel: Warum wird viel Geld und Zeit in die Entwicklung von Modellen gesteckt, die es später nicht in die finalen Kollektionen schaffen und die die Kunden nie zu Gesicht bekommen? Warum werden pro Jahr zig Kollektionen mit zig Teilen in die Läden gebracht, die mit der ursprünglichen Idee nicht mehr viel gemein haben? Wozu der Überfluss? Es folgte eine „Beziehungspause mit der Mode“ – die aber nicht lange anhielt.

Auf Reisen wurde Müller klar, dass die Mode nach wie vor ihre Leidenschaft ist. „Aber auch, dass ich das Ganze selbst machen muss. Mit einem eigenen Stempel“, sagt sie. Herausgekommen ist „few“ – aus Patricia Müllers Sicht ein „konsequentes Slow-Fashion-Label“.

Fairer Handel ist ihr ein Anliegen

Dieser Anspruch drückt sich nicht nur in zeitlosem Design und in der überschaubaren Zahl der Kleidungsstücke aus, sondern auch in deren Herstellung. Die Stoffe kommen aus Italien. „Es sind auch Reste von hochwertigen Stoffen, bei denen ich mir dachte, dass man noch was draus machen kann.“ Gefertigt wird die Kleidung in einer Manufaktur ebenfalls in Italien, um kurze Wege zu sichern. „Ich wollte in der Nähe produzieren, Asien kam da nicht infrage.“ Auch die Klosterbeurerin näht momentan Teile.

Außerdem habe sie sich mit dem Thema fairer Handel auseinandergesetzt. „Ich habe mich bewusst entschieden, den Einzelhandel rauszunehmen“, sagt sie. Den Direktvertrieb hält sie für essenziell, um Kosten zu sparen und dafür Geld in die Produktqualität stecken zu können. „In der klassischen Einzelhandelskalkulation fließen nur durchschnittlich 20 Prozent des Verkaufspreises in das Produkt“, schreibt Müller auf ihrer Website. Werbung läuft über soziale Netzwerke wie Instagram (@f_e_wardrobe_diary) und mündliche Empfehlungen.

Im Online-Shop des Labels ist auch aufgeführt, wie sich die Preise der einzelnen Kleidungsstücke zusammensetzen. Also etwa, wie viel Geld in das Produkt selbst, in die – möglichst schlanke – Organisation und Marge fließt. „Transparenz ist wichtig“, sagt Patricia Müller. Und so hängt in ihrem Atelier in Klosterbeuren auch ein Bild, auf dem eben dieses Wort abgebildet ist.

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