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Babenhausen

01.09.2020

Das Ringen um die Zukunft des Zehentstadels in Babenhausen geht weiter

Die Sanierung des Zehentstadels ist nicht nur ein millionenschweres Projekt, sondern auch eines, das sich zieht.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Plus Aus Sicht des Bürgermeisters ist ein „harmloser Beschluss“ zu fällen. Doch im Marktrat schaukelt sich eine hitzige Debatte auf – ausgelöst durch einen Wortbeitrag vonseiten der Freien Wähler.

Es war der letzte Punkt auf der Tagesordnung, kurzfristig in den öffentlichen Teil geschoben, weil eigentlich nichts für eine Geheimhaltung sprach. Nicht einmal 20 Zeilen lang, der Text in den Sitzungsunterlagen. Und trotzdem schaukelte sich eine Debatte im Babenhauser Marktrat auf, bei der die Finger nur so in die Höhe schossen und die Stimmen bisweilen lauter wurden. Es ging – man ist versucht zu sagen: wieder einmal – um den Zehentstadel.

Die Zuschussgeber, die für eine Sanierung des Baudenkmals auf dem Schlossgelände und eine neue Nutzung als Veranstaltungszentrum Fördergelder in Millionenhöhe in Aussicht gestellt haben, erwarten nun, dass der Markt Babenhausen als Bauherr die nächsten Verfahrensschritte einleitet. „Dazu gehört in erster Linie die Ermittlung eines geeigneten Architekturbüros“, so Bürgermeister Otto Göppel ( CSU). Ihm zufolge findet Ende September ein Termin mit allen Förderstellen in Babenhausen statt, anschließend ein Koordinierungsgespräch. Göppel ließ anklingen, dass es gewiss keine gute Außenwirkung hätte, wären zu diesem Zeitpunkt noch keine Fortschritte zu vermelden.

Europaweite Ausschreibung der Architektenleistungen ist erforderlich

Weil die Baukosten Schätzungen zufolge bei acht oder neun Millionen Euro lägen und das Architektenhonorar entsprechend hoch ausfiele, sei „zwingend eine europaweite Ausschreibung der Architektenleistungen“ erforderlich, erklärte Göppel. Man bezeichnet dies als VgV-Verfahren. Ein solches kann die Gemeindeverwaltung nicht durchführen. Sie will deshalb ein geeignetes Büro mit dem Verfahren beauftragen. Der Marktrat sollte diesem Vorgehen am Mittwochabend – in der letzten Sitzung vor der Sommerpause – per Beschluss sein Einverständnis geben, sodass die Verwaltung bis zum Herbst Angebote von Büros einholen kann. Eine Abstimmung eher bürokratischer Natur.

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Dann ergriff Walter Kalischek das Wort. „Ich spreche für die Fraktion der Freien Wähler, wir werden dem Antrag nicht zustimmen.“ Es sei zu früh für einen solchen Beschluss, denn es fehle nach wie vor ein Gesamtkonzept. Ein solches müsste aus seiner Sicht auch die Stellplatzsituation aufgreifen. Stichwort: Tiefgarage – eine Vision, die das Haus Fugger zuletzt auch bei einer Infoveranstaltung über die Pläne für das Schlossgelände erläutert hatte. Lesen Sie dazu auch die Berichte "So soll sich das Babenhauser Schlossareal wandeln" und " Was die Babenhauser von Graf Fugger wissen wollten".

Kalischek: Es gibt nach wie vor kein Gesamtkonzept

Außerdem mangele es an einer „Auswertung der Bedarfsanalyse“, kritisierte Kalischek. Wie berichtet, wurden in den vergangenen Wochen Vereine und Institutionen nach deren Bedarf an Räumlichkeiten für Treffen, Feiern und andere Veranstaltungen im Zehentstadel abgefragt. Von den etwa 100 Adressaten habe sich „knapp die Hälfte überhaupt nicht gemeldet“, berichtete Kalischek, der sich die Rückmeldungen selbst genauer angesehen hat. Davon wiederum habe nur ein Teil Bedarf an großen Räumlichkeiten angemeldet.

Die Haltung der Freien Wähler mündete in eine gewisse Empörung. Nach und nach nahmen alle Fraktionen im Marktrat Stellung.

„Die Anzahl der Vereine sagt nichts über die Häufigkeit der Veranstaltungen aus“, sagte Benedikt Neubauer (Grüne). „Und wenn wir heute dem nächsten Schritt zustimmen, heißt das nicht, dass gleich der Bagger anrollt oder eine Tiefgarage gebaut wird.“ Dem stimmte Martina Gleich (Junge Wähler Union) zu. Die Gemeinde müsse sich endlich „nach vorn bewegen“, um nicht in 30 Jahren auf demselben Stand zu sein wie heute. „Wir haben ein so tolles Areal da oben und schimpfen uns Fuggermarkt. Wir sind da doch stolz drauf“, sagte sie und weiter: „In jeder siebten Sitzung heißt es, der Ortskern stirbt aus“. Eine öffentliche Nutzung des Zehentstadels könne dieser Entwicklung entgegenwirken. Zumal große Räume für Veranstaltungen fehlen: „Wir haben nichts in Babenhausen!“

Markträtin Lepschy: Zuschüsse für Zehentstadel nicht verschenken

Dritter Bürgermeister Christian Pfeifer (CSU) verwies darauf, dass auch private Haushalte Bedarf an Veranstaltungsräumen haben, sei es für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern. Er rief dazu auf, mutig zu sein. Vor allem in Anbetracht der Zuschüsse: Es handele sich um Steuergeld, das jeder Bürger bezahlt habe. „Da bin ich doch froh, wenn es in Babenhausen investiert wird.“

Neben Pfeifer erinnerte Karin Lepschy (Liste engagierter Bürger) an die finanzielle Unterstützung, die ein solches Projekt erst möglich mache: „Die acht Millionen kriegen wir für das Ding und für sonst nichts.“ Mache der Marktrat schon jetzt, beim vorliegenden Beschluss, einen Rückzieher, hätte man sich die Arbeit der vergangenen Jahre „schenken können“. Fraktionskollege David Ott pflichtete bei: „Ich bin fast sprachlos, dass man überlegt, sich im Kreis zu drehen.“

Beschluss fällt mit drei Gegenstimmen

Nicht nur Kalischek, auch weitere Freie Wähler äußerten sich. Etwa Christian Zahner, der sagte: „Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber man muss doch etwas haben, das man dem Architekten dann sagt.“ Und Walter Miller appellierte: „Das muss wohl überlegt sein.“ Die finanziellen Auswirkungen auf die Marktgemeinde, die womöglich noch Kinder oder Enkel zu spüren hätten, dürfe man nicht aus dem Blick verlieren.

Dem Bürgermeister war der Ärger über die Debatte anzumerken: „Das ist ein harmloser Beschluss heute, da passiert absolut gar nichts. Ich weiß nicht, wieso man sich dagegen sträubt – überhaupt nicht“, wetterte er in Richtung Freie Wähler. Die Gemeinde dürfe nicht im Stillstand verharren: „Wir müssen diese Schritte gehen. Und wenn sich herausstellt, dass es zu teuer wird, dann müssen wir sagen: Es war eine schöne Idee, aber wir können uns das nicht leisten.“ Das VgV-Verfahren dauere seine Zeit. Parallel dazu müsse die Gemeinde ihre „Hausaufgaben machen“ und definieren, welche Ansprüche sie an den Zehentstadel stellt, um diese im Anschluss an den Architekten zu kommunizieren.

Der Beschluss, ein geeignetes Büro zu finden, welches das VgV-Verfahren begleitet, fiel mit drei Gegenstimmen aus den Reihen der Freien Wähler, deren Fraktion insgesamt acht Räte umfasst. Die Mitglieder Dieter Miller, Zweiter Bürgermeister, und Thomas Bihler waren bei der Sitzung nicht anwesend.

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