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Illertissen

23.06.2019

Das Vermächtnis des Schloss-Hausmeisters

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3 Bilder
Das Vöhlinschloss in Illertissen war die Wirkungsstätte von Alexander Mayer. In der Hochschulfamilie hat der Hausmeister eine schmerzhafte Lücke hinterlassen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Mit Alexander Mayer ist ein wahrer Kenner des Illertisser Wahrzeichens gestorben. Am Hochschulstandort herrscht große Trauer: Doch es gibt eine gute Nachricht.

Fünf Monate sind seit dem unerwarteten Tod des beliebten Schlosshausmeisters Alexander Mayer vergangen: Mit ihm hat das Illertisser Wahrzeichen seine gute Seele verloren – schließlich wusste Mayer, der 33 Jahre im Vöhlinschloss gelebt hatte, so gut wie wohl niemand sonst über die Eigenheiten des ehrwürdigen Gemäuers Bescheid. Das sagt Werner Martin, der Geschäftsleiter des Hochschulzentrums Vöhlinschloss: „Er kannte jede Mauer und wusste, wo jedes Kabel und jede Leitung verläuft.“ Vieles werde nie wieder so sein, wie zu Mayers Zeiten. Den Hausmeister würden viele Menschen in bester Erinnerung behalten. Doch vor Ort müsse das Leben weitergehen. Und das tut es auch: Die vielfältigen Aufgaben werden nun auf mehrere Schultern verteilt. Bei aller Trauer gebe es auch eine gute Nachricht, sagt Martin. Sie betrifft Mayers Familie.

Im Schloss gibt es immer etwas zu tun

Zu tun gebe es im Hochschulschloss eigentlich immer etwas, sagt der Geschäftsführer. Schließlich finden in den Räumen, die von den drei Hochschulen Augsburg, Kempten und Neu-Ulm gemeinsam genutzt werden, pro Jahr etwa 350 Veranstaltungen statt. Die Vortragssäle müssten oft umgestaltet, dabei zum Beispiel zahlreiche Stühle auf- und abgebaut werden. Auch aufzuräumen gibt es meistens einiges. Hierbei hatte Mayer stets tatkräftig mitangepackt, sagt Martin, der gemeinsam mit einer Mitarbeiterin nun selbst regelmäßig Hand anlegt. Zudem würden für solche Umbauten immer wieder Aushilfskräfte auf 450-Euro-Basis gesucht.

A. Mayer (†)
Bild: Franziska Wolfinger

Für die technischen Dienste im und am Schloss wurde zudem ein neuer Mitarbeiter fest eingestellt, berichtet Martin. Er kümmert sich um die Gebäude- und Veranstaltungstechnik und gehört zum Team des Gebäudemanagements der Hochschule Neu-Ulm. Der Kollege sei ziemlich oft in Illertissen, bei Bedarf werde er von Neu-Ulm aus unterstützt. Zumal es sich beim Unterhalt und Betrieb von Gebäuden wie dem Hochschulschloss um eine „komplexe Sache“ handelt, wie Martin weiß. Moderne Gebäude seien mit viel Technik ausgestattet – die Aufgaben, die man früher unter der Berufsbezeichnung „Hausmeister“ verstanden habe, füllten heutzutage ganze Bachelor-Studiengänge. „Ein Einzelner kann das gar nicht mehr alles wissen.“

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Heute ist Gebäudemanagement ein Studiengang

Martin erklärt: Das Gebäudemanagement des Hochschulschlosses gliedere sich auf in den Bereich Technik (zu dem etwa Heizungen und Lichtanlagen gehören), die Abteilung Flächenmanagement, die kaufmännische Seite (beide in Augsburg angesiedelt) sowie die Infrastruktur – zu der auch Hausmeisteraufgaben wie kleinere Reparaturen und Entsorgung gezählt würden. Mit Alexander Mayer sei ein „großartiger Wissensträger“ verloren gegangen. Aber nicht nur das: Der Hausmeister habe auch die Sympathien der Hochschulfamilie genossen. Immer wieder fragten Dozenten, Professoren und Studenten, die nach längerer Abwesenheit wieder im Schloss seien, nach ihm.

Schmerzlich bemerkbar mache sich der Verlust aber nicht nur im Alltag, sagt Martin weiter: Die legendären, nächtlichen Führungen durch das Schloss, bei denen Mayer bei so manchem Teilnehmer für Grusel sorgte, werde es in dieser Form wohl niemals wieder geben.

„Herr Mayer fehlt uns sehr“ - das sagt der Geschäftsführer des Hochschulzentrums Vöhlinschloss, Werner Martin.
Bild: Hochschulzentrum Vöhlinschloss

Alexander Mayer hatte 1986 seinen Dienst als Justizbeamter in der Illertisser Außenstelle des Amtsgerichts Neu-Ulm angetreten und war von Beginn an in Personalunion als Hausmeister tätig. Als die Behörde 2009 abgezogen wurde, übernahm ihn das Hochschulschloss. Er lebte weiterhin in der Dienstwohnung zwischen der Schlosskapelle und dem „Hohen Schloss“. Dort kann seine Familie nun bleiben.

Entscheidung: Familie darf wohnen bleiben

Das ist laut Martin das Ergebnis eines Verwaltungsakts, an dem verschiedenste Behörden in ganz Bayern beteiligt waren. Dadurch sei eine Nachfolgeregelung samt Mietvertrag zustandegebracht worden. „Alle staatlichen Stellen haben kooperiert“, sagt Martin, der schon befürchtet hatte, die Familie müsse nach Mayers Tod möglicherweise ausziehen. Dass es nun anders komme, sei „sehr schön“. Das „Modell Dienstwohnung“, das vor Jahrzehnten im Öffentlichen Dienst gang und gäbe gewesen sei, komme ohnehin zusehends aus der Mode.

„Herr Mayer fehlt uns sehr“, resümiert Geschäftsführer Martin. Es sei das Anliegen der Hochschulfamilie, die Geschäfte im und ums Vöhlinschloss mit der gleichen Hingabe weiterzuführen. So gesehen werde Mayers guter Geist im Illertisser Wahrzeichen weiter zu spüren sein. Und der beliebte Hausmeister wird nicht vergessen werden.

Mehr über das Vöhlinschloss und seinen ehemaligen Hausmeister lesen Sie hier:

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