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Landkreis Neu-Ulm

10.01.2020

Der Kreisimker macht den Abflug

Die Figurenbeuten wie das kunstvolle Exemplar im Hof des Illertisser Vöhlinschlosses betreut Walter Burger als ehemaliger Vorsitzender des Kreisimkerverbands auch weiterhin.
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Die Figurenbeuten wie das kunstvolle Exemplar im Hof des Illertisser Vöhlinschlosses betreut Walter Burger als ehemaliger Vorsitzender des Kreisimkerverbands auch weiterhin.
Foto: Regina Langhans

Der Weißenhorner Walter Burger hört aus gesundheitlichen Gründen auf. Seine Aufgaben übernimmt kommissarisch ein Nersinger.

Das Thema Bienen- und Insektensterben ist derzeit in aller Munde. Als leidenschaftlicher Imker zeigt sich Walter Burger, 73 Jahre alt, jedoch etwas skeptisch: „Wie lange dieses Interesse wohl anhält?“ Die Bedeutung der Bienen für die Menschen hat der bisherige Kreisimker aus Weißenhorn in den elf Jahren seiner Tätigkeit stets in den Vordergrund gerückt. Nun hört er aus gesundheitlichen Gründen auf. Seine Aufgaben übernimmt bis zur Vorstandswahl im Jahr 2021 der stellvertretende Kreisvorsitzende Gerhard Wildner aus Nersingen.

Walter Burger hat im Landkreis von Anfang an „Öffentlichkeitsarbeit“ für die Bienen betrieben und dabei große Kreativität entwickelt. So konnte er passend zur Eröffnung des Bayerischen Bienenmuseums im Vöhlinschloss 2016 das Treffen zum Schwäbischen Imkertag in den Illertisser Schlosshof holen. Bei dem Anlass ernannte er Landrat Thorsten Freudenberger zum „Botschafter für Honig für unsere Region“ – mit Urkundenüberreichung. Eine Folge davon: In den Präsenten des Landrats an Jubilare befindet sich seither stets ein Glas heimischen Honigs.

So fleißig wie die Biene selbst

Weitere Initiativen Burgers, der sich den Fleiß der Bienen wohl selbst an die Fersen geheftet hat, waren seine Bemühungen um Blüh- und Ausgleichsflächen. 2017 schrieb er dahingehend alle Kommunen an. Vier Flächen konnte der Landkreis inzwischen pachten: Drei Parzellen befinden sich am Illertisser Bienenweg, eine Fläche liegt am Kreisverkehr zwischen Illertissen und Au, eine weitere auf Osterberger Flur. Das vierte Areal befindet sich bei Pfaffenhofen auf dem Weg nach Holzheim.

In dem Zusammenhang wirbt Burger auch für den Anbau der sogenannten durchwachsenen Silphie. Als blühende Energiepflanze soll sie den Mais ersetzen. Er informiert: „In der Biogasanlage erreicht sie bis zu 80 Prozent des Energiewerts vom Mais.“ Aber sie biete Insekten in einer blüharmen Zeit Nahrung und sei mehrjährig. Mais werde jährlich neu gepflanzt. Berechnungen zufolge falle der Kostenvergleich zwischen den Energiepflanzen im Fünfjahreszeitraum zugunsten der Silphie aus. In Ostdeutschland werde sie schon mehr als 30 Jahre angebaut, sagt Burger. Bedingt durch den Klimawandel blühe vieles früher und damit dicht aufeinander, sodass Imker in der blüharmen Zeit sogar zufütterten. „Die Biene zählt wegen ihrer Bestäubungsleistung – nach Rind und Schwein – zum drittwichtigsten Nutztier“, sagt Burger. Die Honigproduktion trage viel weniger bei. „40 Prozent unserer Nahrung entsteht aufgrund der Bestäubungsleistung der Insekten.“

Weil zur Imkerei nicht nur die Idee gehört, etwas gegen das Insektensterben tun zu können, sondern Fachwissen, hat sich Burger frühzeitig auch darum gekümmert. Im Jahr 2010 sorgte er dafür, dass künftig die vom Schwäbischen Imkerbund in Kaufbeuren angebotenen Imkerkurse auch in Illertissen stattfinden. Burger sagt: „Für Interessierte kann das eine Entscheidungshilfe sein.“ Die Imkerei sei auch mit Arbeit und Wissen verbunden. Einen Bienenstock könne jeder haben, doch dann gehe die Lust verloren oder die Völker würden krank und auswildern. Dabei suchen sie fremde Bienenstöcke auf und übertragen die Krankheiten. Burger empfiehlt, einem Verein beizutreten und somit Experten an der Seite zu haben. Aus diesen Gründen gehörten Imkervereinen meist nur Aktive an.

Auch Gerhard Wildner aus Nersingen ist ein Vollblut-Imker

Auf die Biene gekommen ist Burger vor etwa 40 Jahren durch seine Vorträge über Wildbienen, zu denen der Naturkenner gerne geholt wurde. Bald bekam er von Imkern zu hören: „Wenn du es gescheit machen willst, leg dir ein Bienenvolk zu.“ Burger, von Beruf kaufmännischer Angestellter, befolgte den Rat und trat 2007 dem Imkerverein Vöhringen bei, um 2008 in den seiner Heimatstadt Weißenhorn zu wechseln. Beide Male ging schnell die Verantwortung des Vorsitzenden an ihn und Anfang 2009 wurde er zum Kreisvorsitzenden gewählt. Er betreute damals neun Ortsvereine mit insgesamt 230 Mitgliedern. Im Jahr 2018 waren es 370.

Rückblickend bedauert Burger, es nicht geschafft zu haben, der Bienenstadt Illertissen wieder zu einem Imkerverein zu verhelfen. Dieser löste sich mangels Vorstand 2009 auf, die Imker wechselten nach Altenstadt.

Mit Gerhard Wildner gelangt erneut ein Vollblut-Imker ins Amt. Der 66-Jährige ist Vorsitzender des Nersinger Vereins und stellvertretender Vorsitzender im Bezirksimkerverband Schwaben. Selbst hat er 16 Völker. Wildner arbeitet bei einer großen Firma in Senden in der Entwicklung. Nun freut er sich, als Imker über den Kommunalbereich hinaus gestalten zu können. „Aber ich merke, dass mein Vorgänger die Messlatte sehr hoch gesteckt hat“, sagt er.

Mehr über die Durchwachsene Silphie im Landkreis Neu-Ulm lesen Sie hier:

Die Durchwachsene Silphie trotzt der Trockenheit

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