Kulturtage

10.06.2011

Der Stoibernator

Silberne Häupter, goldene Worte: Der Kabarettist Wolfgang Krebs zog bei den Babenhauser Kulturtagen lustvoll als Edmund Stoiber (links) und Horst Seehofer die Politiker und ihre Sprachkunst durch den Kakao.
Bild: Fotos: fs

Kabarettist Wolfgang Krebs und sein fulminanter „Rhetorikkurs“

Babenhausen „Ja wir kennan! Yes we can!“ Unter diesem Motto stand das Rhetorikseminar von Dr. Edmund Stoiber, alias Wolfgang Krebs, im Rahmen der Babenhauser Kulturtage. Diesen Widerspruch in sich, nämlich den Rhetoriker Stoiber, arbeitete der Kabarettist Wolfgang Krebs gekonnt heraus. Dabei zündete er ein rhetorisches Feuerwerk, aber nicht von Stoiber selbst, gespickt mit Anspielungen – aber auch manchmal Anzüglichkeiten – und gekonntem Wortwitz.

So befand sich der mit der Technik auf Kriegsfuß stehende „Spitzenpolitiker“ mit seiner Rede zum Jubiläum der Augsburger „Puppenschachtel“, bei der das „Fundament die Basis aller Grundlagen“ ist. Gnadenlos führte Krebs die Sprachhülsen der Berufspolitiker vor, wobei sich der ehemalige „Minsterpräsident“ mit seinen „Geheimdossiähs“ besonders eignete. So wird aus der freien Rede schon einmal die freie Liebe, sind „quattro stagioni“ nicht etwa ein Pizzabelag, sondern die vier Bahnhöfe Roms, und schließlich wird aus der Macht in den Händen diejenige aus den Lenden. Wen er wohl meinte? Da wirft dann schon mal einer mit dem Glashaus nach Steinen, meldet sich der „Antwortbeanrufer“ mit seltsamen Politikersprüchen, stinkt der Kopf vom Fisch her oder gibt es noch einige wenige Exemplare der „verbliebenen Vertriebenen“, zudem ist Angela Merkel die ostdeutsche Zwangsfrisierte.

Überhaupt bekommen die Politikerinnen ihr Fett ab. So sei der Blick von Renate Künast in den Spiegel „nicht Eitelkeit, sondern Mut“, die Bildungsministerin Schavan eine „ausgelutschte Gottsackerfluign“ beziehungsweise wäre die Babenhauserin Claudia Roth eine ideale Burkaträgerin und die Pauli eine „Heimsuchung mit Epizentrum Nürnberg“, eine Rote Hexe in der Manier von Jeanne d’ Arc, aber auch eine Lady Gaga der Politik. Angesichts der häuslichen Dominanz seiner Karin stellt „Stoiber“ frustriert fest, dass „der Zölibat gar kein so schlechtes Konzept“ wäre.

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Passend dann der Englischkurs für Öttinger und Westerwelle. An Letzterem ließ Krebs kein gutes Haar – in jeder „Beziehung“. Gelungen auch die Rede Seehofers auf seinen eigenen 60. Geburtstag und dies nach 70 Jahren in der Politik. Nur Hohn und Spott blieb für den „Frankenobmann“ Günther Beckstein, einem „Karrierehindernis auf zwei Beinen“, nämlich Protestant und Franke, dessen Heimat eine Art Gaza-Streifen gegenüber den Norddeutschen darstelle.

Der abgeschriebene Freiherr zu Guttenberg

Da durfte natürlich nicht dessen Landsmann Freiherr zu Guttenberg fehlen. Bei ihm sei nicht die Frage, was er abgeschrieben hat, sondern wann die Wähler ihn abgeschrieben haben. Doch im Mittelpunkt des Abends stand stets „Stoiber“ selbst, die Lichtgestalt der CSU, der Dreieinige der Politik, der seine Greuther Ausbootung immer noch nicht verkraftet hat. Nur folgerichtig dessen Androhung, nämlich „liebe Bayern haltet durch, ich komme bald wieder“.

Doch auch lokale Themen bezog Krebs in sein buntes Programm ein, von Bürgermeister „Dr. Göppel oder Goppel“, den Radweg nach Kellmünz, fehlende Umgehungsstraßen und ein ehemaliger Bahnhof, an dem der „Transpirant“ halten könnte. Am „Nabel der Welt“ ruft der „Ministerpräsident des ehemaligen Bayern“ dann mit einem Fuggerle in der Hand aus: „Ich bin ein Babenhauser!“

Gelungen anschließend das ‚getürkte‘ Interview, bei dem sich Journalisten die Fragen zu den bereits vorliegenden Antworten aus der Staatskanzlei einfallen lassen müssen. Nicht weniger pointiert ist das Video samt Agenda Wolfratshausen 3000, das für den Auftritt im „Fuckelbook“ vorgesehen ist. Denn schließlich ist „Stoiber“ der Anführer der Konterrevolution für ein freies Bayern, in dem nur geduldet wird, wer auch CSU wählt.

Donnernder Applaus für den zweistündigen Rhetorikkurs samt Einblicken in die Niederungen der Politik war der Dank für viel Sprachwitz und Action, wobei von den Zuhörern äußerste Konzentration gefordert war, um nicht die eine oder andere Pointe zu verpassen.

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