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27.07.2010

Der direkte Vöhringer Draht nach Russland

Nathalie Wenzel in ihrem Büro in Vöhringen. Foto: ub
Bild: ub

Vöhringen Die Gegend um Novosibirsk und der Landkreis Neu-Ulm haben nicht sehr viel gemein. Mal abgesehen davon, dass eine zunehmende Anzahl an Firmen den riesigen russischen Markt im Visier hat. Und jetzt kommt Vöhringen ins Spiel. "Ich bin wie das Öl, das für das Ineinandergreifen der Räder in einem Getriebe nötig ist!" lacht Nathalie Wenzel und umschreibt damit ihre Tätigkeit. In Russland sieht sie "einen Markt der Chancen." Deshalb will sie vor allem Kontakte zwischen kleinen und mittelständischen Betrieben in Deutschland und zu großen Firmen in Russland knüpfen. Denn eines weiß sie sicher: Deutsches Know-how ist in Russland gefragt.

Nathalie Wenzel ist 38 Jahre alt und hat sich die Markterschließung Russlands, so wirbt sie jedenfalls auf ihrer Visitenkarte, zum Ziel gesetzt. Da liegt die Messlatte hoch. Aber sie hat es clever angefangen. Sie studierte Betriebswirtschaft und setzte die Schwerpunkte auf Personalmanagement und Marketing. Ihre Kenntnisse im Personalwesen erwiesen sich bei einer international operierenden Firma in Senden als nützlich, in der sie als Personalreferentin anfing und zur Personalleiterin aufstieg. Viel hatte die aus Nowosibirsk stammende junge Frau erreicht. Aber sie hatte eine Idee im Hinterkopf. Sie spricht Deutsch und Russisch fließend, das war verbales Kapital, das sie einsetzen konnte. Die in wirtschaftlichen Fragen versierte junge Frau weiß um den enorm großen russischen Markt und kennt die Qualität deutscher Wertarbeit. Irgendwie wollte sie das verknüpfen. Aber sie erkannte sehr schnell, dass dies nur durch den Sprung in die Selbstständigkeit möglich war. Und diesen Sprung wagte sie 2008. Ganz schön mutig, wie sich Nathalie Wenzel heute eingesteht. Die Wirtschaftskrise zeichnete sich bereits deutlich ab. Ein Jahr später im Frühjahr 2009 gründete sie ihre eigene Firma.

Russischer Wodka

Was sie brauchte waren Informationen. Deshalb durchforstete sie die Homepages von Industrie- und Handelskammern, Ministerien auf Landes- und Bundesebene nach Firmen, die Kontakte zu Russland suchten oder bereits hatten. Ihnen bot sie ihre Dienste an: So will sie vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, dass sie bei Exportgeschäften mit Russland keine "Bauchlandung" machen. Sie offeriert Hilfe "in den Spielregeln", die es zu beachten gilt, klärt über Zoll- und Zertifizierungsverfahren auf, übersetzt Homepages in Russisch, Deutsch, Englisch und Ukrainisch, betreibt Marktrecherche und Kundensuche, bietet Pressearbeit in russischen Fachmedien an, aber auch Reiseservice und Dolmetscherdienste. Auch wirbt sie bei Firmen um langfristige Betreuung und ist auf Messen vertreten, wie sie sagt, die richtige Frau, die die Produkte von hüben wie drüben verkaufen kann, zumindest aber suchenden Firmen den Weg zu zeigen, an das Produkt ihrer Wahl zu kommen.

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Im Augenblick ist sie dabei, für ein deutsches Unternehmen eine russische Firma ausfindig zu machen, die eineinhalb Millionen Liter preiswerten Wodka produziert, der dann hierzulande auf dem Markt angeboten werden soll. Oder ein anderes Beispiel: Sie sucht für eine russische Firma Straßenreinigungsmaschinen. Bei Verhandlungen zwischen deutschen und russischen Partnern versteht sie ihre Rolle oft als eine Art Mediatorin, die vermittelnd aktiv wird, wenn die Gespräche nicht wie erhofft verlaufen. "Das liegt auch sehr oft an den Unterschieden in der Mentalität zwischen Russen und Deutschen", klärt sie auf. Nathalie Wenzel hat sogar in Nowokusnezk/Sibirien eine kleine GmbH gegründet, wie sie sagt, "weil es gut ist, auch vor Ort vertreten zu sein." Viel Wert legt sie auf die "menschliche Komponente", wie sie betont, "das ist bei Geschäftsabschlüssen ein ganz wichtiger Faktor."

Ihr Engagement, das ihr keinen Acht-Stunden-Tag garantiert, bringt sie auf einen Nenner: Ich liebe meine Heimat, aus der ich komme, und ich habe Vertrauen in die deutschen Produkte. Zwei Faktoren, aus denen sie Motivation und Selbstbewusstsein schöpft. Und ein drittes: Sie ist von ihrer Geschäftsidee überzeugt. Sie will, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die erstaunlich innovativ sind, "eine Chance auf dem großen russischen Markt haben."

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