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Tiefenbach

08.07.2020

Der eigene Schrebergarten: Mehr als Geselligkeit und Gemüse

Knapp zwei Jahre ist es her, dass die Kleingartenanlage in Tiefenbach bezogen wurde. Für die Pächter sind ihre Parzellen ein Stück Zuhause im Grünen.

Plus Die Kleingartenanlage Am Seelach ist noch jung – die Parzellen dort sind begehrt. Bei einem Rundgang erzählen die Pächter, was ihnen der Garten bedeutet.

Eingewachsen und gut ins Landschaftsbild integriert präsentiert sich die noch junge Kleingartenanlage Am Seelach in Tiefenbach. Sie umfasst 18 Parzellen und liegt im Norden des Illertisser Stadtteils. Interessant ist, dass die Pächter beim Gestalten ihrer 240 Quadratmeter großen Flächen den Vorgaben folgend weitgehend Naturmaterialien verwenden. Historisch gewachsen ist das Vorzeigeprojekt des Tiefenbacher Obst- und Gartenbauvereins nicht, aber es hat seine Vorgeschichte, wie es dazu kam.

Kleine Gärten am Haus können den Schrebergarten nicht ersetzen

Darum und um die Entwicklung des erst am 15. April 2018 bezogenen Areals ging es den Kleingärtnern – eine Untergruppe des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins – und ihrem Sprecher Edwin Sannwald, als sie kürzlich Freunde „vom Fach“ durch die gepflegte Anlage führten. „Immer wieder kam bei mir das Unkraut durch“, erzählt zum Beispiel Pächterin Emma Schwabauer aus Betlinshausen. Doch inzwischen ist der parkähnlich angelegte Teil ihrer für Obst- und Gemüseanbau genutzten Parzelle schön mit Rasen bewachsen. Sie habe noch einen kleineren, ebenfalls bepflanzten Garten direkt bei ihrer Wohnung, erklärt sie. „Doch der kann meinen Schrebergarten nicht ersetzen.“ Ihn zu haben bedeute für sie Gemeinschaft, Geselligkeit und ihre ganze Familie profitiere mit.

Emma Schwabauer ist schon gespannt, wie hoch ihre Bäume einmal werden.

Für viele ist der Garten in Tiefenbach ein wichtiger Treffpunkt

Dagegen sehen sich Fikri Akan und seine Angehörigen, insgesamt drei Generationen, auf ihren Schrebergarten sogar angewiesen. Akan war schon Kleingärtner in der Vorgängeranlage und wollte als Mieter in einem Wohnblock in Illertissen seinen Garten keinesfalls missen. „Ich komme mindestens jeden zweiten Tag raus und treffe meine Familie.“ Für seine drei Kinder und die Enkelin wäre es bei ihm zu Hause auf Dauer zu eng. Dazu profitierten alle vom reichhaltig angebauten Obst und Gemüse. „Sehen Sie, mein Wein, nächstes Jahr wird er sich um den ganzen Bogen ranken“, schwärmt der Schrebergärtner.

Fikri Akan (vorne mit Enkelin) trifft seine Großfamilie am liebsten im Schrebergarten, wo Platz für alle ist.

Dem Verein geht es auch um einen guten Umgang mit der Natur

Tatsächlich geht es dem Obst- und Gartenbauverein aber nicht allein um Geselligkeit und Gemüse, sondern den guten Umgang mit der Natur. Vorsitzender Heiner Loop will auf seiner Pachtfläche zeigen, wie mit wenig Geld und Aufwand größtmöglicher Nutzen zu erreichen ist. Naturmaterialien, vom Dünger bis zur Beeteinfassung aus halbierten Holzpfählen oder gemulchte Wege geben die Richtung vor. Kies und Steine gehören nicht dazu. Gegenüber liegt die Parzelle von Edwin Sannwald – eine andere Art von Mustergarten. Seine Beete kennzeichnen Mischkulturen, nämlich Pflanzen, die sich unterstützen: Salat, Kohl und Radieschen etwa oder Zwiebeln und Möhren. Letztere könnten sich gegenseitig die Schädlinge vertreiben, weiß Sannwald.

Besucherin Inge Remiger, Vorsitzende des Illertisser Obst- und Gartenbauvereins sagt, angesichts eingeschränkter Angebote für Gartenliebhaber könne sie den Rundgang so richtig genießen. Sie war mit ihrem Stellvertreter Reinhold Scherer und zahlreichen Mitgliedern gekommen. Aber auch Kollege Johann Link vom Altenstadter Verein hatte sich dazugesellt.

Für die Gartenanlage gibt es verbindliche Regeln

Beim Durchlaufen des akkurat angelegten Terrains war von Sannwald und Loop auch über die Anfänge der Schrebergartenkultur in Tiefenbach in den Nachkriegsjahren 1947/48 zu erfahren. „Das Dorf hatte sehr viele Vertriebene aufgenommen, von denen etliche nach Möglichkeiten der Selbstversorgung suchten“, weiß Sannwald. So entstanden die Schrebergärten an der Gannertshofer Straße, für die er vor 25 Jahren die Sprecherrolle übernahm. Die Anlage hatte sich mit der Zeit überlebt und die Stadt Illertissen die Auflösung des teils verwilderten Areals angekündigt. Zugleich aber den weiterhin interessierten Pächtern eine neue Gartenheimat in Aussicht gestellt: Indem „Schrebergärten eine soziale Einrichtung“ seien, wie Bürgermeister Jürgen Eisen damals gesagt habe.

Allerdings wurden andere verbindliche Auflagen festgelegt. Im Gegenzug sorgte die Stadt für Wasserleitung, einheitlichen Hüttenrohbau von vier auf sechs Meter, Parkplätze und passende Umzäunung. Aber es gibt keine Kanalisation, Toiletten und Übernachtungserlaubnis, um eben dem Missbrauch vorzubeugen. Dabei seien die Parzellen bei einem Pachtbetrag von 40 Euro pro Jahr begehrt, weiß Loop. „Wir haben sogar eine Warteliste, sodass nach Dringlichkeit entschieden wird.“

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