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Illertissen

24.04.2018

Der große Traum vom Schulabschluss

Hier halten die jüngsten Schützlinge einen Mittagsschlaf.
3 Bilder
Hier halten die jüngsten Schützlinge einen Mittagsschlaf.
Foto: Sammlung Rohrhirsch

Vor einigen Jahren hat Sylvia Rohrhirsch eine Bildungsanstalt in Kenia mitbegründet. Das Projekt funktioniert – aber es steht vor Herausforderungen.

Heiß war es, aber herzlich: Mit Eindrücken wie diesen ist kürzlich ist eine Delegation aus der Region von einer Reise ins nordkenianische Hochland zurückgekehrt. Unter Leitung von Sylvia Rohrhirsch aus Bellenberg ging es ins Umland von Eldoret, wo die in der Auslandshilfe tätige Krankenschwester dank vieler Spenden vor einigen Jahren ein Schulprojekt ins Leben gerufen hat – gemeinsam mit Felix Limo, einem ehemaligen Weltklasse-Langstreckenläufer. Der einstige Weltrekordhalter, der demnächst in Illertissen bei dem Benefizlauf „Rund-Bike-Rock“ starten will, hieß die Besucher willkommen, unter denen auch die Illertisser Stadträte Ansgar Batzner und Susanne Kränzle-Riedl waren. Auch die rund 180 Kinder, die momentan in der Einrichtung betreut werden, freuten sich sichtlich. Mit der Felison’s School erhalten sie die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Denn Schulbildung sei in den von Armut geprägten Landstrichen Kenias eher selten zu bekommen, sagt Rohrhirsch. Und weiß: Ihre Arbeit ist noch lange nicht getan.

Momentan können die Kinder nur bis einschließlich der fünften Klasse unterrichten werden. Der Bau weiterer Klassenzimmer ist zwar bereits in Planung, aber noch fehlen dringend benötigte Spenden: 3000 Euro wollen gesammelt werden, damit ein Raum für die Sechstklässler errichtet werden kann. Günstig? Nicht im Verhältnis zu den dortigen Lebenshaltungskosten, sagt die 54-jährige Bellenbergerin. Ein Lehrer verdiene in Kenia im Monat umgerechnet 65 Euro. Beim Projekt Klassenzimmer dränge die Zeit: Zum Jahreswechsel sollte es fertig sein, denn in Kenia starte das Schuljahr im Januar. Vorgesehen ist, dass alle zwölf Monate ein neues Klassenzimmer dazukommt. Und dass am Ende die Schüler nach der neunten Klasse ihren Abschluss machen können. Doch auch dann sei die Arbeit noch nicht vollendet, sagt Rohrhirsch. Wer danach nicht auf eine weiterführende Schule gehen kann, soll in Eldoret eine Berufsausbildung machen können. Aber bis dahin sei es noch ein weiter Weg, sagt die Bellenbergerin: „Es wird sicher nicht langweilig.“

Vor Ort gibt es große Probleme zu meistern, eines davon ist die Wasserversorgung. Momentan müssen jeden Tag 400 Liter Wasser aus einem Reservoir geschöpft und zum Gebrauch an der Felison’s School abgekocht werden: „Das ist der Wahnsinn“, sagt Rohrhirsch. Deshalb soll ein Tiefbrunnen gebaut werden. Der wird richtig teuer: Schon das dafür erforderliche Gutachten kostete 4000 Euro, der Brunnen an sich werde wohl mit 12000Euro zu Buche schlagen. Es müssen wohl noch einige Spendengelder zusammengetragen werden. Aber die Helfer wüssten, dass ihr Engagement wichtig sei: „Diesen Brunnen brauchen wir eben sehr dringend“, sagt Rohrhirsch.

In der Felison’s School sollen die Kinder individuell gefördert werden: die Klassen seien lediglich bis zu 25 Schüler groß, in anderen Einrichtungen Kenias seien bis zu 100 junge Leute in einem Raum. Zudem hätten die Lehrer in dem Schulprojekt in Eldoret alle eine Ausbildung, betont die Bellenbergerin. Das sei ein Anliegen von Mitbegründer Felix Limo.

Der ehemalige Weltrekordhalter im 15-Kilometer-Straßenlauf, ist ausgebildeter Tierarzt und konnte als einziges von acht Kindern seiner Familie eine Schule besuchen. Nun will der 37-Jährige etwas davon zurückgeben, sagt Rohrhirsch, die Limo vor vielen Jahren bei ihren Auslandshilfseinsätzen kennengelernt hatte. In einigen Jahren will Limo die Schule sich selbst überlassen: Dann soll sich die Einrichtung aus eigenen Kräften finanzieren und ohne Spenden auskommen. Bis es soweit ist, muss aber noch einiges gebaut werden. Limo sammelt also weiterhin fleißg Geld – auch in Illertissen will er für sein Schulprojekt werben. Beim Run-Bike-Rock-Lauf am Samstag, 9. Juni, will er als Gast starten. Vorausgesetzt er bekommt ein Visum, wie Rohrhirsch sagt. Fraglich sei das auch bei Endro Sitienei, dem zweiten Ex-Spitzenläufer, der in der Vöhlinstadt an den Start gehen wollte. „Mal sehen, ob das klappt“, sagt die Bellenbergerin, die seit 13 Jahren bei humanitären Einsätzen in Kriegs- und Krisengebieten in der Welt unterwegs ist.

Angst habe sie dabei nicht. Schließlich reise man ja nicht blauäugig inach Kenia, Jordanien oder Pakistan – oder gar in Gebiete, in denen gekämpft wird. „Das gefährlichste ist meistens die Fahrt zum Flughafen“, sagt Rohrhirsch und lacht. Viel Elend habe sie trotzdem schon gesehen. Ihr Credo: „Mitfühlen darf man, aber nicht mitleiden.“ Was ihr allerdings auf die Nerven geht – wenn hierzulande auf hohem Niveau gejammert wird. „Andere Menschen auf der Welt haben es viel viel schlechter.“ Ansonsten spricht Rohrhirsch gerne über ihre Erlebnisse – zum Beispiel am morgigen Mittwochabend bei der Afrika-Diskussionsrunde im Kolleg der Schulbrüder. Da wird sie auch die Felison’s School vorstellen.

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