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Illertissen

12.02.2019

Die Familie Keßlinger lehrte Illertissen das Fahren

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An einem Fahrgestell-Modell konnte der eingebaute Motor per Knopfdruck zum Laufen gebracht werden. Damit sollten Fahrschüler eine Vorstellung bekommen, wie das Auto funktioniert. Im Hintergrund ein Plan zu Straßenverläufen.

Plus Als Fahrschullehrer hat Edgar Keßlinger so manch gewagte Tour hinter sich gebracht – genauso wie sein Vater und sein Großvater. Das zeigt nun eine Ausstellung im Museum.

Den Namen Keßlinger verbinden die meisten Illertisser immer noch mit der einstigen und ersten Fahrschule im Ort. Dabei hat Edgar Keßlinger im Jahr 2008 an Yvonne Barro verkauft, die das Traditionsunternehmen in der Vöhlinstadt weiterführt. Das Spannende daran ist, dass sich die Entwicklung der Motorisierung in Illertissen anhand dreier Generationen einer Familie erzählen lässt. Das „Museum für Geschichten und Geschichte im Schloss“ will dem in einer Sonderausstellung Rechnung tragen: Mit viel Originalmaterial und Filmen aus den frühen Fahrschuljahren. Die Schau startet diesen Freitag.

Zweifellos zählt die Geschichte der 1925 von Christoph Keßlinger gegründeten, ersten Fahrschule in Illertissen zu den exklusiven Kapiteln der jüngeren Stadtchronik. Wenn Enkelsohn Edgar Keßlinger, heute 80 Jahre alt, in seinen Erinnerungen kramt, mag man sich eine Vorstellung machen über die Bedeutung von Errungenschaften, die heute selbstverständlich scheinen.

Ein Pfarrer tat sich besonders schwer

Ein markanter Unterschied zu früher ist zweifellos das Alter der Schüler: Hatte Keßlinger zu Beginn seiner 47-jährigen Fahrlehrerzeit 1961 vornehmlich 30- bis 40-Jährige zu unterrichten, so kann die Fahrprüfung heute ab dem 17. Lebensjahr abgelegt werden. Sein erstes Fahrschulauto war ein Volkswagen, später kamen Marken wie Opel oder Ford dazu. Keßlinger stand immer aufseiten seiner Schützlinge. „Man muss bedenken, nicht nur der Fahrschüler, sondern auch sein Lehrer nehmen an der Prüfung teil.“ Von den erlebten Begebenheiten wird er eine nicht vergessen: Ein knapp 60-jähriger Pfarrer aus Weißenhorn, wo Keßlinger 1964 eine Filiale eröffnete, tat sich in den Fahrstunden besonders schwer. Der Senior erinnert sich, wie an dessen Prüfungstag extremes Glatteis geherrscht habe. „Der Prüfer mahnte zu besonders langsamer Fahrweise – und das hat meinem Schüler wohl zum Bestehen des Führerscheins verholfen.“ Er brauchte nichts weiter als dahinzuschleichen. Dass er bestanden habe, hätten viele nicht geglaubt. Keßlinger: „Mir aber ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

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Als Großvater Christoph im Jahr 1925 die Fahrschule gründete, betrieb er an der Hauptstraße 3 bereits eine Werkstatt zur Reparatur von Autos und Motorrädern. Privatfahrer waren rar, sodass das Firmenschild warb: „Ausbildung für Berufs- und Herrenfahrer.“ Mit letzterem waren Taxifahrer gemeint.

Als der Opa 1930 starb, führte Sohn Christoph Laden und Werkstatt weiter, der ältere Bruder Josef übernahm 1932 die Fahrschule und kaufte die Autowerkstatt Hofmann an der Ulmer Straße dazu. 1938 wurde Josef Keßlinger zum Militär einberufen. Er verkaufte und zog mit seiner jungen Familie nach München, wo er zunächst als Fahrlehrer gebraucht wurde. Sobald er einrücken musste, kehrte die Familie nach Illertissen zurück. 1945 kam Josef Keßlinger schwerkrank nach Hause und starb noch im November. Darauf machte seine Frau Irmgard den Lastwagenführerschein und setzte den Fahrschulbetrieb am neuen Standort in der Apothekerstraße fort. Es waren die Anfänge der Motorisierung, sodass noch mit Gütertransporten und Taxifahrten Geld verdient wurde. Der wiedergegründete Betrieb firmierte unter Keßlinger-Schließer.

Edgar Keßlinger hat 47 Jahre lang Bürgern das Autofahren beigebracht.

1961 führte ihn der 21-jährige Edgar Keßlinger als jüngster Fahrschullehrer weit und breit allein fort. Die Firma expandierte. Die Mutter hatte bereits 1956 am heutigen Standort, Unterer Graben, ein Haus gebaut. Der Sohn erweiterte es 1967 um den Fahrschultrakt. Für ihn war der Beruf eine Passion. „Mit 16 habe ich schon gewusst, wo der Vergaser sitzt“, erinnert er sich lächelnd. Begonnen habe alles in der alten Werkstatt des Großvaters. Nach der Realschule absolvierte er eine Schlosserlehre, darauf ein Praktikum in der Lastwagen-Werkstatt der Schwabengarage. Es folgten der Lastwagen-Führerschein und die Prüfung am Motorrad. Keßlinger galt als einer, der nicht aus der Ruhe zu bringen war. Da musste was dran sein, sonst hätte Gerti Keßlinger 1968 nicht ihren Fahrlehrer geheiratet.

Zu sehen im Erdgeschoss des Vöhlinschlosses von Donnerstag bis Sonntag sowie am Feiertag von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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