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Illertissen

11.07.2019

Die Singphoniker machen Kniefall in der Illertisser Schranne

Für das „Jodellied der Zwerge“, ging es sogar in die Knie. Die Singphoniker (von links): Berno Scharpf, Daniel Schreiber, Johannes Euler, Henning Jensen, Michael Mantaj und Christian Schmid.
Bild: Regina Langhans

Die sechs Sänger begeistern das Illertisser Publikum nicht nur mit ihren Liedern, sondern auch mit ihrem Witz.

Schmachtende Blicke, dahinschmelzende Stimmen bei Liedern nach den „Comedian Harmonists“ (1927 bis 1935) oder Carl Orff (1895 bis 1982) unter dem Konzerttitel „Carl und Veronika“ – und schon war’s geschehen um die rund 250 Besucher in der Schranne in Illertissen. Die Singphoniker – ein 30 Jahre bestehendes Vokalsolistenensemble aus München – haben, nicht zuletzt mit Luftgitarre und ähnlichen Nummern, riesigen Beifall erhalten. Die sechs Sänger, teils begleitete Berno Scharpf am Flügel, dankten für das „gern gehörte Geräusch“ mit Zugaben.

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Ihr Konzert untertitelten sie mit „Eine Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts“. Denn nur das Vortragen flotter Lieder der Comedian Harmonists erschien ihnen wohl zu wenig. So sagte Johannes Euler (Countertenor): „Eigentlich hat jede Musik ihre Geschichte und wir haben sie mit Carl Orff ergänzt.“ Entsprechend stellten sie Lieder des in Berlin beheimateten Ensembles denen des Münchners Orff gegenüber. Der für moderne Musik aufgeschlossene Komponist hat die Berliner Gruppe offenbar gekannt und geschätzt.

Die Singphoniker schaffen es in ihrem Programm bis zum Mond

Genug Stoff also für die Singphoniker, die musikalische Abendgestaltung musikhistorisch zu ergänzen. Den Auftakt machten lateinische Gesänge von Orff zum Thema „Sunt lacrimae rerum“, worin das Tränenvergießen poetisch aufgearbeitet wurde. Darauf folgte die Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“, umgemünzt auf die „Beziehungskiste Carl und Veronika“. Sie endete gestenreich mit viel Tonmalerei in der vollen Lautstärke eines gedachten Orchesters. Darauf ging es wortwörtlich rund um den Mond: Erst Orff („Vor Zeiten gab es ein Land“), dann die „Comedian Harmonists“ beim Volkslied „Guter Mond“ und „Wochenend und Sonnenschein“ sowie Orff bei „Laudato si“ (Sonnengesang des Franziskus).

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Weitere Genüberstellungen waren Lieder aus Orffs Opern „Carmina Burana“ und „Die Kluge“ mit „Veronika der Lenz ist da“, „Bär zum Krokodil“ oder „Maskenball im Gänsestall“ à la „Comedian Harmonists“. Bei „Creole Love Call“ (Duke Ellington) zeigten sich die Sänger mit ihren Stimmen, in Gestik und Mimik, nochmals in Hochform.

Das Publikum nahm – neben tollen Evergreens im Ohr – auch das Wissen nach Hause, dass die „Comedian Harmonists“ wegen dreier jüdischer Sänger unter Hitler verboten wurden. Der politisch indifferente Orff hingegen erhielt sich die Gunst der Nazis und blieb in seinem musikalischen Schaffen unbehelligt.

Bald steht schon die nächste Veranstaltung im Rahmen von Kultur im Schloss an. Am Freitag ist Opernsängerin Christa Mayer zu Gast , die bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth im Fliegenden Holländer und bei Tristan mitspielt.

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