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Geschichte

19.03.2015

Die Vergangenheit aufarbeiten

Eine Ausstellung in Altenstadt erinnert an das jüdische Leben in der Gemeinde. Begleitet wird sie von einem Rahmenprogramm, das vor allem zum Nachdenken anregen soll

Sie soll mehr sein als eine bloße Ansammlung von Tafeln, Grafiken und Bildern. Sie soll Emotionen wecken und gegen das Vergessen ankämpfen. Vor allem aber soll sie an das erinnern, was in Altenstadt viele Jahre lang beiseitegeschoben wurde: das jüdische Leben in der Gemeinde.

Zwei Jahre ist es nun her, dass sich der Altenstadter Alwin Müller dafür eingesetzt hat, die Wanderausstellung „Ma Tovu …“. „Wie schön sind deine Zelte, Jakob …“ über Synagogen in Schwaben auch in die Gemeinde zu holen. Mit Erfolg. Am Freitag ist Eröffnung – nicht nur für Heimatkundler Müller ein besonderes Projekt. „Wir wollen der örtlichen Bevölkerung zeigen, was war.“ Die 300-jährige Geschichte der Juden in Altenstadt soll aufgearbeitet werden. Mit und für die Bürger.

Konzipiert wurde die Wanderausstellung vom Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben, zu dem auch Altenstadt gehört. Um sie mit einer persönlichen Note anzureichern, hat Müller lange Zeit versucht, Relikte des jüdischen Lebens in Altenstadt ausfindig zu machen: persönliche Gegenstände, Fotos, Dokumente. Bislang allerdings mit nur mäßigem Erfolg. „Es ist nur wenig bei mir angekommen“, sagt Müller. Vielleicht tauche ja nach der Ausstellung das eine oder andere bereits verloren geglaubte Stück wieder auf.

Ein besonderes Relikt hält er nun allerdings in seinen Händen. Es ist eine Steintafel mit jüdischen Schriftzeichen. „Bis zum Abriss hing die Tafel an der Fassade der Synagoge“, erklärt Müller. Sie wird in der Ausstellung genauso zu sehen sein wie Teile eines ehemaligen Synagogen-Fensters und Dokumente zu deren Abriss in den 1950er-Jahren.

Begleitet wird die Ausstellung von einem siebenteiligen Begleitprogramm der Volkshochschule (VHS) Illertissen. Auch Müller wird darin vertreten sein. Am Freitag, 27. März, und am Sonntag, 29. März, wird er jeweils von 15 bis 16.30 Uhr durch die Gemeinde führen und über die Geschichte des jüdischen Friedhofs (Freitag) und des jüdischen Lebens im Ort (Sonntag) erzählen.

Weitere Veranstaltungen im Überblick:

Am Samstag, 21. März, findet in der Winkle-Kantine eine Filmvorführung mit dem Titel „Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“ statt. Beginn ist um 20 Uhr. Regisseure sind Peter Haas und Silvia Holzinger.

Am Mittwoch, 25. März, zeigt Buchautor Gerd Berghofer in einem Vortrag mit dem Titel „Die Anderen“ das Leben der Landjuden in einem fränkischen Dorf auf. Der Vortrag findet von 20 bis 22 Uhr im Pfarrsaal in Altenstadt statt.

Abschließen wird das Begleitprogramm das Hörspiel „7 Mark 30 und ein Hosenknopf – Die Reichskristallnacht auf dem Lande“, von und mit Karin Sommer. Das Hörspiel der gebürtigen Altenstadterin, das auch schon im Bayerischen Rundfunk zu hören war, wird am Donnerstag, 2. April, von 20 bis 22 Uhr in der TSV-Halle in Altenstadt aufgeführt.

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