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Memmingen

13.09.2019

Diebestour in Memmingen endet vor Gericht

Ein Ladendieb musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Der mehrfach vorbestrafte Täter war nach einer Verfolgungsfahrt festgenommen worden. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Erst nach einer dreistündigen Beweisaufnahme hat das Urteil des Amtsgerichts Memmingen festgestanden: Zehneinhalb Monate Freiheitsstrafe wegen Ladendiebstahls. Zuvor hatte es sich Einzelrichter Nicolai Braun wahrlich nicht leicht gemacht: Fünf Zeugen und ein Sachverständiger wurden gehört.

Dabei schien der Sachverhalt nach Verlesung der Anklage eigentlich klar: Ein 38-Jähriger aus dem Raum Oberschwaben war beobachtet worden, wie er im April 2018 mit einem Komplizen ein Laptop aus einem Elektrofachmarkt in Memmingen entwendet hatte. Der Diebstahl wurde von einer Videokamera aufgezeichnet und von einem Kunden bemerkt, der sich vor dem Geschäft aufgehalten hatte. Dieser beteiligte sich neben zwei Mitarbeitern des Fachmarkts und einer zufällig auf dem Parkplatz befindlichen Polizeistreife an der anschließenden Verfolgungsjagd, bei welcher der Angeklagte kurzzeitig aus den Augen verloren wurde. Der Kunde wurde mit ins Polizeiauto gesetzt und half bei der Fahndung nach dem Dieb. Nach wenigen Minuten entdeckten die Verfolger den Gesuchten in einem Auto auf dem Beifahrersitz. Die Polizei hielt den Wagen an und nahm den Mann fest. Im Auto wurde weiteres mutmaßliches Diebesgut aus einem benachbarten Elektrofachmarkt gefunden.

Die Polizei hatte auch Drogen entdeckt

Der Rechtsanwalt des Angeklagten bemängelte während der Verhandlung die Ermittlungen und die Maßnahmen der Polizei. Sie seien unvollständig und unrechtmäßig gewesen, „was zweifelsfrei ein Beweisverwertungsverbot“ nach sich ziehe. Er zeigte sich entsetzt darüber, dass die Polizei seinem Mandanten, der von der Flucht noch immer ganz außer Atem gewesen sei, Handschellen angelegt habe, ohne ihn über seine Rechte zu belehren.

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Weil die Polizei bei der Durchsuchung des mutmaßlichen Diebes auch eine kleine Menge Haschisch und eine Spritze mit Anhaftungen von Heroin gefunden hatte, musste sich der 38-Jährige außerdem wegen Drogenbesitzes verantworten. Er konsumiere seit seinem 18. Lebensjahr regelmäßig Heroin und andere Drogen, berichtete er. An die Tat könne er sich nicht wirklich erinnern. „Schon möglich, dass ich das Laptop gestohlen habe.“

Ein psychiatrischer Sachverständiger hielt den Angeklagten in seinem Gutachten für schwer drogenabhängig und schloss eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus. Die Chancen für eine erfolgreiche Drogentherapie seien gering, konstatierte der Psychiater.

Am Ende verkündete der Richter das Strafmaß: Zehn Monate und zwei Wochen wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Rauschgiftbesitzes. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung kam im Hinblick auf das Vorstrafenregister – das zahlreiche Einträge wegen Eigentums- und Rauschgiftdelikten enthält – nicht in Betracht. Im Rahmen der Urteilsbegründung zeigte der Richter wenig Verständnis für die Aussagen des Verteidigers, die er teils für abwegig hielt. Der Mittäter übrigens wurde im Oktober 2018 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Da niemand wusste, wo er sich nun aufhält, konnte er nicht gehört werden.

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