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Illertissen

18.05.2020

Drogenberatung in Illertissen: Suchtkranken setzt die Krise zu

Die Corona-Krise belastet auch Suchtkranke. Viele plagen Zukunftsängste.
Bild: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)

Plus Corona beeinflusst die Arbeit der Drogenberatungsstelle Drob Inn in Illertissen. Wie die Mitarbeiterinnen die Klienten begleiten – und wie sich die Szene 2019 entwickelt hat.

Die Angst, sich anzustecken. Den Job zu verlieren und die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Die Sorge, wieder abzurutschen in einen Alltag ohne Struktur, der von der Sucht bestimmt ist. Die Klienten der Drogenberatungsstelle Drob Inn in Illertissen lässt die Corona-Krise nicht kalt. „Der größte Punkt ist die Vereinsamung“, weiß Beraterin Laura Fischer. Eine Folge: „Die Rückfallgedanken gehen nach oben.“ Es sei auch möglich, dass vermehrt Drogen konsumiert werden; belegen lasse sich das aber nicht. Wie Drob Inn helfen will.

Fischer berichtet im Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss des Illertisser Stadtrats von der Arbeit der Drogenberatungsstelle im vergangenen Jahr – und davon, wie diese in jüngster Zeit beeinflusst wurde durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So konnte Fischer zum Beispiel zwischen Mitte März und Anfang Mai nicht als Streetworkerin unterwegs sein. Normalerweise kommt sie auf den öffentlichen Plätzen, auf der Straße oder im Illertisser Jugendhaus mit Leuten ins Gespräch, um auf die Beratungsstelle aufmerksam zu machen. Eine wichtige Arbeit, die sie im vergangenen Jahr ausgebaut hat – insgesamt kamen rund 300 Kontakte zustande. Eine Intensivierung ist weiterhin das Ziel. Deshalb sagt Laura Fischer auch mit einer gewissen Erleichterung in der Stimme: „Inzwischen wurde das Streetwork in Absprache mit dem Landratsamt wieder reaktiviert.“ Abstand zu halten, ist stets oberstes Gebot.

Die Offenen Sprechstunden hingegen, die man sonst mittwochs zwischen 15 bis 18 Uhr ohne Termin besuchen kann, sind Corona-bedingt noch ausgesetzt. Beratungen erfolgen derzeit, wenn möglich, telefonisch. In der Beratungsstelle kommen Schutzmasken und Desinfektionsmittel zum Einsatz. Einen hohen Stellenwert, so Fischer, nehme die aufsuchende Arbeit etwa in Form von gemeinsamen Spaziergängen mit Klienten ein, um zunehmende Einsamkeit zu vertreiben.

Beraterin: Es gibt keine offene Drogenszene in Illertissen

Die Drogenberatungsstelle in Illertissen ist zuständig für den südlichen Landkreis, mit Schwerpunkt auf der Vöhlinstadt. Wie sich die Situation dort zuletzt gestaltet hat? „Es gibt keine offene Drogenszene“, berichtet Laura Fischer. Die Konsumenten ziehen sich eher ins Private zurück. Eine Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu treten und Hilfe anzubieten, bietet Streetwork. Da sich Suchtkranke oftmals kennen, spielen auch Erzählungen eine wichtige Rolle. Hinzukommen Überweisungen. So hat die Stelle laut Fischer einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt.

Im vergangenen Jahr zählte Drob Inn 28 neue und 75 bereits bekannte Klienten – mehr Männer als Frauen. Die größte Gruppe bildeten dabei Personen, die von Opiaten abhängig sind. „Harte Drogen der Stoffgruppe Opiate bestimmen weiterhin die Beratungslandschaft“, sagt Fischer. In der Fallstatistik folgen die THC-Abhängigen und die Personen mit Multiplem Substanzgebrauch, umgangssprachlich Mischkonsum genannt. „Auch medizinisches Marihuana ist ein häufiges Thema in Beratungen“, berichtet Fischer. Altersmäßig sei der Anteil an Jugendlichen und jungen Erwachsenen am höchsten. Diese Altersgruppe komme häufig aufgrund einer gerichtlichen Auflage.

Zur Zielgruppe der Beratungsstelle gehören aber nicht nur Abhängige oder Konsumenten, die mit illegalem Rauschmittel „experimentieren“. Auch für Familienangehörige und Freunde, die sich Sorgen machen, und für andere Helfer, die beruflich mit dem Thema Sucht zu tun haben, will Drob Inn eine Anlaufstelle sein. Ebenfalls zu den Klienten zählen Substitutionspatienten, die von illegalen Substanzen loskommen wollen. Sie bekommen von Ärzten Präparate verschrieben, die sie anstelle von Drogen nehmen. Die Therapie zielt darauf ab, dass Suchtkranke den Kreislauf aus Entzugserscheinungen und Beschaffungskriminalität durchbrechen.

Modell der Finanzierung soll sich ändern

Ansprechpartner sind Laura Fischer und Ina Grab, die sich eine 100-Prozent-Stelle teilen. 25 Prozent dieser Stelle wurden bisher von der Stadt Illertissen für Streetwork finanziert, 75 Prozent vom Bezirk Schwaben für die Beratung und psychosoziale Begleitung während einer Substitution. Dieses Modell soll sich ändern. Nicht mehr die jeweilige Kommune allein soll „ihre“ Beratungsstelle vor Ort bezuschussen – neben Illertissen tun dies auch Vöhringen und Senden –, sondern der Landkreis.

Der bayerische Gemeindetag im Landkreis schlage vor, die Finanzierung künftig „solidarischer“ zu gestalten, so der Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen in der Sitzung. Um die Kosten über eine Umlage auf mehrere Schultern verteilen zu können, seien noch Beschlüsse aller Gemeinden erforderlich. Einen solchen fällte der Ausschuss denn auch.

Info:

  • Betrieben wird die Beratungsstelle Drob Inn in Illertissen von der Diakonie Neu-Ulm. Weitere Büros im Landkreis gibt es in Neu-Ulm, Senden, Weißenhorn und Vöhringen.
  • Um Drob Inn spannt sich ein Netzwerk. Die Beratungsstelle in Illertissen kooperiert zum Beispiel mit der Stadtjugendpflege, mit den Schulen und der Erziehungsberatungsstelle. Sie tritt als Vermittler mit Behörden, Ärzten, der Bewährungshilfe und Therapieeinrichtungen auf.
  • Nähere Informationen finden Interessierte online unter diakonie-neu-ulm.de

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