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Magel-Kapelle

09.04.2011

Ein Stück Historie für die Zukunft konserviert

Inge Magel (rechts) vor dem stilgerecht renovierten „Käppele“ oder „Kerker“ in Osterberg, das seit seiner Erbauung 1857 zum Hof ihrer Familie gehört.
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Inge Magel (rechts) vor dem stilgerecht renovierten „Käppele“ oder „Kerker“ in Osterberg, das seit seiner Erbauung 1857 zum Hof ihrer Familie gehört.
Bild: Fotos: lor

Nach umfassender Renovierung wird das Kleinod am Sonntag eingeweiht

Osterberg Am südlichen Ortsrand von Osterberg in Richtung Weiler steht am rechten Straßenrand ein auffallendes Ensemble aus Wegkreuz, Kapelle und Gedenktafel. Nach langwieriger Renovierung unter Aufsicht des Denkmalschutzamtes erstrahlt das Kleinod, welches in Besitz der Familie Magel ist, wieder in neuem Glanz. Am Sonntag, 10. April, erhält es nach dem Familiengottesdienst in der Pfarrkirche um 10.30 Uhr die kirchliche Weihe.

Die Magel-Kapelle, wie sie im Ort genannt wird, stammt laut Inschrift auf dem Kreuzsockel aus dem Jahr 1857 und beherbergt einen gegeißelten Heiland. Die letzte Renovierung fand Anfang der 1980er Jahre statt, wie sich Inge Magel erinnert: „Das haben noch mein Mann und ich gemeinsam bewerkstelligt, allerdings ohne Dacharbeiten.“ Die waren aber jetzt fällig geworden. Zimmerer hatten dazu nach Kriterien des Denkmalschutzes, dessen Hilfe Inge Magel diesmal in Anspruch genommen hat, beschädigte Balken in die Werkstatt geholt, um minutiös schlechtes Holz auszusägen und durch gutes zu ersetzen.

Einfach alles wurde unter solchen Gesichtspunkten erneuert, das wieder feucht gewordene Mauerwerk, die Zinnen des Sandsteinsockels, das Eisenkreuz mit den vergoldeten Figuren, das schmiedeeiserne Gitter, der Kerker-Heiland und die Holzbänke im Inneren. Gerade in letzterem Fall hatte Inge Magel, die mit ihrem Mann, Altbürgermeister Ferdinand Magel, die Dorfchronik verfasst und Heimatinteresse bewiesen hat, die Renovierung infrage gestellt und vom Restaurator zu hören bekommen: „Sie kennen nicht den Charme der alten Bänke.“ Diesen Satz habe sie dann in lehrmeisterlicher Manier noch oft zu hören bekommen während der fast einjährigen Renovierungszeit, erzählt Magel belustigt.

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„Erhalte das Alte, erkenne das Neue“

Dazugelernt hat sie Einiges. Beim Freilegen des feuchten Mauerwerks stellte sich beispielsweise heraus, dass der Sockel nicht verputzt war. Dieser wurde nun eingeschlämmt. Auch der gepflasterte Vorplatz habe dazu geführt, dass Regenwasser am Mauerwerk hochspritzen konnte und für Feuchtigkeit sorgte. Entsprechend der Empfehlung liegt jetzt Riesel um die Kapelle. „Erhalte das Alte, erkenne das Neue“, ihr Credo hat sich wieder bewahrheitet.

Die traditionsbewusste Osterbergerin hat viele handwerkliche, sogar schwere Vorarbeiten selbst erledigt und auf die Hilfe von Nachbarn und Freunden zählen können. Beispielsweise bei dem so wichtigen Stromanschluss für die Arbeiter, da ihr Hof von der Kapelle zu weit weg ist.

Mit den Planungen habe sie bereits 2009 begonnen, erzählt Magel, indem sie den Instanzenweg von Gemeinde, Unterer Denkmalbehörde und Landesdenkmalamt durchschritten habe. Es galt Ausschreibungen zu tätigen und Angebote einzuholen, bis schließlich am Dienstag nach Pfingsten 2010 die Bauarbeiten beginnen konnten. Nun ist die Kapelle mit neugotischen Spitzbogenfenstern, geschnitzter Giebeleinfassung und farbig abgesetzten Mauerelementen wieder ein echter Hingucker geworden, das gepflegte Vorgärtlein mit Wegkreuz lädt zum Nähertreten in den nach drei Seiten offenen Gebetsraum ein.

Anno dazumal, 1899, mag wohl auch Josepha Bader diesen Unterschlupf vor hereinbrechendem Unwetter gesucht – und nicht mehr erreicht haben. Sie wurde vom Blitz tödlich getroffen wurde, wie auf der Tafel am Giebel zu lesen ist.

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