08.07.2010

Ein richtiger Schritt

Ein richtiger Schritt
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Die Würfel sind gefallen. Papst Benedikt hat den 66-jährigen Konrad Zdarsa, Bischof von Görlitz, als Nachfolger des zurückgetretenen Walter Mixa im Bistum Augsburg auserkoren. Die Entscheidung wird in Kirchenkreisen allgemein positiv bewertet. Foto: dpa/Hildenbrand
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Region In einheimischen Kirchenkreisen ist dieser Mann ein gänzlich unbeschriebenes Blatt: Konrad Zdarsa wird neuer Bischof im Bistum Augsburg, wie unsere Zeitung bereits gestern meldete. Bei den Katholiken herrscht zumindest insoweit Freude über diese rasche Entscheidung des Papstes. Was vom Nachfolger des zurück getretenen Walter Mixa erhofft und erwartet wird, wollten wir von katholischen Pfarrern und Pfarrgemeinderäten wissen.

Von Regina Langhans und Wolfgang kahler

"Weder den Namen noch die Person habe ich bisher wahrgenommen oder gelesen", sagt Hans Huber offen. "Für uns alle ist das eine sehr gute Entscheidung", meint der Dekan aus Bellenberg zur Berufung Zdarsas. Nach den Querelen in der Diözese musste es jemand von außwärts sein, so der Geistliche: "Wichtig war, dass es keiner vom Bistum ist". Ob sich die aufgewühlte Lage in der Kirchenregion jetzt rasch beruhigt, hänge auch davon ab, was Mixa nach seinem Rücktritt mache, meint der Dekan. Er jedenfalls freue sich riesig über die Lösung und er hofft, dass das Bistum nun wieder in ruhiges Gewässer gesteuert wird. An den Vorschlägen des Domkapitels für die Nachfolge Mixas kann der Bellenberger nichts sinnvolles finden: "Das war ein Witz". Alle diese Personen seien mit der Situation im Bistum befasst gewesen.

Dass der neue Bischof eher dem konservativen Lager zugerechnet wird, bereitet dem Dekan keine Probleme: Er selbst rechnet sich keinem Flügel zu, sondern orientiere sich an Fakten: "Ich lasse mich nicht vor den Karren spannen".

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Ähnlich optimistisch beurteilt Michael Menzinger die Entscheidung zugunsten Konrad Zdarsas. Ebenso wie seinem Glaubensbruder in Bellenberg sagt dem Vöhringer Pfarrer der neue Name bisher nichts. Aber schon jetzt freue er sich und heiße ebenso wie die 7500 Katholiken der Pfarrei den neuen Bischof willkommen. "Es ist gut, dass es mit dieser personellen Entscheidung so schnell ging", meint Pfarrer Menzinger. Er hoffe, dass es Zdarsa gelinge, die Spaltung der Diözese zu überwinden und dass er die Kraft habe, zu heilen, was verwundet wurde. Auf Mixas Nachfolger komme nun eine erhebliche Aufgabe zu, denkt der Vöhringer Geistliche, eine Aufgabe, um die sich niemand reißen werde. "Es war die einzig richtige Lösung", meint Menzinger und stimmt darin mit Dekan Huber überein, "jemand von außen zu nehmen". In dieser Situation habe der Heiligen Vater in Rom gezeigt, dass er außer Intelligenz auch über große Schlauheit verfüge, um diese personelle Wahl zu treffen. Menzinger hält den neuen Bischof angesichts von dessen Lebenslauf für einen Praktiker mit Erfahrung, dem er durchaus das nötige Geschick für die kommenden schweren Aufgaben zutraut.

Ebenso völlig überrascht über Zdarsa wie seine Amtsbrüder ist Johann Wölfle. Der Pfarrer aus Buch ist zugleich erstaunt, dass die Wahl auf einen Bischof aus so großer Entfernung fiel. Mixas Nachfolger müsse nun innere Einheit stiften, damit in der Diözese wieder Frieden einkehre. Zdarsa sollte, so Wölfle, den Kontakt mit den Dekanen halten und auf Leute zugehen. "Ich wünsche ihm Geduld, Mut und sehr viel Begeisterung", meint der Bucher Pfarrer und er hofft, dass der Bischof Mut zur Augenhöhe habe.

Fanny Blum aus Altenstadt-Filzingen ist seit vielen Jahren Mitglied im Pfarrgemeinderat Altenstadt und hat Erfahrung im Umgang mit geistlichen Herrn. Vom neuen Bischof erwartet sie sich, dass er in seiner Diözese den Kontakt zu den Menschen sucht. "Ich wünsche mir von ihm Weltoffenheit, dass er wirklich aufgeschlossen ist gegenüber seinen Priestern und den Menschen." Denn die Zeiten hätten sich geändert, konservative Denkweisen würden nicht weiterbringen.

Auch für Michael Sauter hat der Umgang mit Menschen vorrangige Bedeutung: "Neben all den selbstverständlichen Charaktereigenschaften wie etwa Ehrlichkeit, die von Führungspersönlichkeiten erwartet werden, muss unser neuer Bischof ein geschickter Manager sein und über viel diplomatisches Geschick verfügen", meint der Vorsitzende der katholischen Pfarrgemeinde Babenhausen.

Kathrin Lang aus Illertissen steht als Ministrantin und frischgebackene Pfarrgemeinderätin schon lange in kirchlichen Diensten. Ihrer Einschätzung nach ist das angeknackste Gemeinschaftsgefühl in der Diözese sehr reparaturbedürftig. "Ich hoffe, dass mit einem neuen Bischof das ständige Aufeinander-Herumhacken aufhört.

Mit ihm könnte wieder ein neues Gemeinschaftsgefühl aufkommen." Jetzt freut sie sich erst mal, dass so schnell ein neuer Bischof benannt worden ist. "Er soll erst mal ankommen und anfangen dürfen, und wir sollten ihm in aller Offenheit begegnen." Von Spekulationen oder vorab angestellten Vermutungen hält sie nicht viel.

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