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Strukturreform

22.06.2017

Eine Kreisklinik ohne Neu-Ulm?

Interims-Stiftungsdirektor Ernst-Peter Keller vor rund 60 Bürgern in Altenstadt.
Bild: Schuster

Bei Runde drei der Bürgerdialoge in Altenstadt wird deutlich: Vielen Bürgern im Süden ist die Donaustadt ein Dorn im Auge. Der Blick in die Zukunft fällt deshalb schwer

Wie soll es in Zukunft mit den Krankenhäusern im Landkreis Neu-Ulm weitergehen? Um diese Frage drehte sich auch Runde drei des Klinik-Bürgerdialogs, zu dem Kreis und Kreisspitalstiftung eingeladen hatten. Rund 60 Bürger – ein großer Teil davon Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte – waren gestern Abend dem Aufruf in die Altenstadter Winkle-Kantine gefolgt, um über künftige Strukturen nachzudenken. Dabei wurde schnell klar: Nur in die Zukunft zu blicken, das fiel den Anwesenden schwer.

Denn viele Bürger aus dem südlichen Landkreis fühlen sich – was die medizinische Versorgung betrifft – nicht nur vom Norden abgehängt, sondern auch benachteiligt. Das wurde in vielen Wortbeiträgen deutlich. Als die erste Bürgerin nach rund eineinhalbstündigen Fachvorträgen das Wort ergriff, ging es dann auch zunächst um bereits gefällte Entscheidungen: „Warum sind alle Abteilungen, die kostendeckend waren, von Illertissen wegverlegt worden?“, fragte sie in die Runde. Am Ende sei Illertissen nur der „Kruscht“ geblieben. Im Saal erntete sie dafür Applaus.

Ernst-Peter Keller, Interims-Stiftungsdirektor, versuchte die Diskussion immer wieder in Richtung Zukunft zu lenken. Es mache keinen Sinn, die Debatte aus vergangenen Jahren noch einmal aufzurollen. Vielmehr gehe es darum, die drei Krankenhäuser des Landkreises auf eine solide Grundlage zu stellen.

Wie das funktionieren könnte, das verdeutlichte Siegfried Hasenbein. Der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft sollte am Abend vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen erklären. Denn kaum ein Bereich sei in Deutschland so sehr reguliert, wie das Krankenhauswesen. Ideen mit einzubringen, sei daher nicht einfach. Den Anwesenden gab Hasenbein den Tipp, sich weniger emotionalen, sondern mehr objektiven Kriterien zu öffnen. „Es ist verständlich, dass Sie das Bedürfnis nach einer ortsnahen Versorgung haben.“ Diese bringe jedoch nichts, wenn Strukturen bestünden, die nicht mehr tragfähig seien oder in Zukunft unter Umständen nicht mehr zugelassen würden. Der Trend gehe hin zu größeren Zentren und zu einem nicht mehr ganz so dicht gestrickten Netz medizinischer Versorgung. „Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei“, so Hasenbein. Für den Landkreis könne der Neubau eines Krankenhauses, etwa in Illertissen oder Weißenhorn, durchaus eine Lösung sein – allerdings dürfe keine Entscheidung auf Vermutungen basieren, sondern auf von Gutachtern belegten Zahlen.

Auch im Saal fand die Idee Anklang – allerdings ohne das Krankenhaus in Neu-Ulm mit ins Boot zu holen. „Neu-Ulm arbeitet ja ohnehin auf die Kreisfreiheit zu“, sagte eine Bürgerin. Die Donauklinik könne doch verkauft oder privatisiert werden, so ein weiterer Vorschlag. Wie bereits in Pfaffenhofen wurde auch in Altenstadt scharf kritisiert, dass für rund 7,7 Millionen Euro ein neues Parkhaus neben der Klinik in Neu-Ulm gebaut werden soll. Dabei sei es doch wichtiger, eine gute Grundversorgung für alle Bürger zu schaffen. „Menschen sollten doch mehr Wert sein als ein gutes Parkhaus“, entfuhr es einer Bürgerin.

Der Altenstadter Markterat Robert Heller wollte schließlich wissen, wie der zeitliche Fahrplan nun aussehe. „Nicht, dass wir in einem Jahr wieder hier sitzen und immer noch nichts geschehen ist.“ Interims-Stiftungsdirektor Ernst-Peter Keller bekräftigte, dass auch ihm daran gelegen sei, dass bald Entscheidungen getroffen würden. Dass Gutachten der Beratungsfirma KPMG soll am 10. Juli im Krankenhausausschuss vorgestellt werden. In der zweiten Jahreshälfte, so Keller, sollen dann die Vorbereitungen für ein neues Krankenhauskonzept getroffen werden.

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