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Illertissen

07.08.2017

Eine besondere Blume für den Tausendsassa

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Auszeichnung für den Konzertveranstalter Fritz Unglert (links im Bild): Für sein Engagement in der Illertisser Kulturszene erhielt die „Silberdistel“ unserer Zeitung von Ronald Hinzpeter, dem Redaktionsleiter der Illertisser Zeitung.
Bild: Jens Carsten

Fritz Unglert ist mit der „Silberdistel“ ausgezeichnet worden. Dabei bewies der Konzertveranstalter, dass er längst nicht nur abseits der Bühne eine gute Figur macht.

Wenn die Besucher in Scharen in den Barocksaal des Vöhlinschlosses drängen, dann meistens weil sich dort bekannte Musiker ein Stelldichein geben. Oft werden solch beliebte Konzerte vom Freundeskreis Kultur im Schloss organisiert – unter Federführung von dessen rührigem Vorsitzenden Fritz Unglert. Auch am Freitag waren die gepolsterten Stühle in dem repräsentativen Raum fast alle besetzt. Allerdings aus einem anderen Anlass: Denn Unglert selbst stand an diesem Abend im Mittelpunkt. Der 76-Jährige wurde mit der Auszeichnung „Die Silberdistel“ bedacht.

Diese Würdigung wird von unserer Zeitung an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Allgemeinheit einsetzen. So wie Unglert, der das kulturelle Leben Illertissens mit großem Engagement seit vielen Jahren bereichert. Mit leidenschaftlicher Hingabe plant, organisiert und richtet Unglert gemeinsam mit dem Freundeskreis viel beachtete Konzerte aus, die stets auch Besucher von weit her in die Vöhlinstadt locken. Immer wieder gelingt es, berühmte Künstler für die Reihe Kultur im Schloss zu verpflichten – wohl auch, weil sie wie viele Kenner der hiesigen Kulturszene wissen und schätzen, dass Unglert mit Leib und Seele dabei ist. „Er brennt für seine Sache“, sagte denn auch Ronald Hinzpeter, der Redaktionsleiter von Neu-Ulmer und Illertisser Zeitung, als er die Silberdistel (dazu gehören eine silberne Skulptur und eine Urkunde) überreichte. Dass die Vöhlinstadt bis weit über die Grenzen der Region als Veranstaltungsort bekannt ist, sei vor allem Unglerts Charme zu verdanken. „Wenn er andere überzeugen will, kann er Steine zum Schmelzen bringen“, sagte Hinzpeter in seiner Laudatio. So habe es Unglert sogar geschafft, das eher beschauliche Illertissen zu einer Festivalstadt zu machen: Im Rahmen der Reihe „Junge Künstler – Stars von Morgen“ werde kulturell Interessierte Hochkarätiges geboten.

Sichtlich bewegt nahm Fritz Unglert die Auszeichnung entgegen. Diese beanspruche er nicht für sich alleine, wie er betonte. Viel mehr sei die Verleihung der Silberdistel der Verdienst des gesamten Vereins, dessen Vorstandsmitglieder bei der Organisation der Konzerte ständig gefordert seien. „Ihr seid Garanten der Kultur, ohne euch geht gar nichts“, lobte Unglert. Ihn selbst habe die Ankündigung der nahenden Ehre überrascht. Denn er sei davon ausgegangen, dass die Silberdistel meist sozial engagierten Bürgern verliehen werde. Dieses mal habe man aber die Kultur in den Fokus gestellt. An Hinzpeter gewandt sagte Unglert: „Mein Kompliment herzlichen Dank für diese geniale Idee.“ Denn Kultur sei ausgesprochen wichtig. „Und wir sind alle angesprochen, damit sie in Illertissen bleibt.“

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Bürgermeister Jürgen Eisen gratulierte mit Worten von Horaz, einem der bekanntesten Dichter der römischen Antike: Kultur soll bewegen, hieß es in dem Zitat. Das sei Unglert in Illertissen stets gelungen. Vor allem wegen seiner Passion, zu der Eisen eine Anekdote zu berichten wusste. Eines späten Abends sei er dem Rathaus gekommen und habe gegenüber in Schranne noch Licht brennen sehen. Zunächst etwas verstimmt ob der mutmaßlichen Gedankenlosigkeit eines seiner Mitarbeiter betrat der Rathauschef den Saal – und stellte den wahren Grund der Beleuchtung fest. Da habe „der Fritz Unglert“ gesessen und mit einer Musikerin für den anstehenden Auftritt geprobt. Eisen lauschte und ging dann später selbst zum Konzert – obwohl es sich bei klassischer Musik nach eigenem Bekunden nicht um sein bevorzugtes Genre handelt. Der Mut wurde offenbar belohnt, er sei begeistert gewesen, sagte Eisen. Und fügte hinzu: „Danke Fritz, dass Du mir die Kultur beibringst.“

Genauso heiter, wenngleich etwas morbide, ging es im Festvortrag von Gabriele Rüger, der stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Kultur im Schloss weiter. Sie stellte das Sterben von Opernfiguren ins Zentrum ihrer Ausführungen – inspiriert durch die Fahrten in weltberühmte Spielhäuser, die Unglert organisiert. Was die Sterblichkeit angeht, gewinnt der Komponist Richard Wagner das Rennen gegen seinen Kollegen Giuseppe Verdi, hieß es. Lasse der Italiener pro Oper im Schnitt 1,75 Figuren verenden, seien es bei Wagner 2,5, war zu erfahren. Vielleicht mit ein Grund für die Anziehungskraft dieser Kulturform, so Rüger. „Wir sind alle gefesselt davon, wie auf der Bühne geliebt, gelitten und gestorben wird.“ In diesem Sinne wünschte die Rednerin dem Jubilar, noch viele Opern genießen zu können. Rüger würdigte Unglert, der dem Verein seit 2003 vorsteht, den Vereinsvorsitzenden als wahren Tausendsassa, einen Alleskönner, wenn es um Konzertveranstaltungen geht. Er sei Manager und Werbebeauftragter zugleich, habe Visionen und zudem die Gabe, alle anderen danach auszurichten, wie Rüger augenzwinkernd verriet. Doch das stets mit dem Blick aufs gemeinsame Ziel: In Illertissen tolle Veranstaltungen anbieten zu können. „Für Fritz Unglert ist gutes Management so selbstverständlich wie gute Musik.“

Auch wenn an diesem Abend im Barocksaal kein Konzert angesetzt war – jede Menge Musik gab es trotzdem zu hören. Und zwar mit einer ganz persönlichen Note: So spielten Unglerts Töchter Conny und Simone sowie sein Schwiegersohn Alexander Resch als „Meine Hausmusik“ an Gitarre, Geige und Akkordeon auf. Zu hören gab es unter anderem den Salzburger Walzer und den „Gretl Boarischen“. Und dann hatte auch Unglert selbst seinen Auftritt als Künstler: Gemeinsam mit Michael Pickl und Paul Ludwig stimmte er drei Lieder an und machte die Besucher so zu Augen- und Ohrenzeugen der Wiedervereinigung des berühmten Illertisser Dreigesangs. Ein wohl einzigartiges Erlebnis, denn das Trio hatte 2016 aus Altergründen erklärt, nach 45 Jahren im Geschäft keine öffentliche Auftritte mehr absolvieren zu wollen. Seine Beliebtheit ist davon unberührt: Regelmäßig sind Lieder wie „I bin a Schwoab“ in den Programmen des bayerischen Rundfunks und des Südwestrundfunks zu hören, hieß es.

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