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04.07.2010

Einsam durch Raum und Zeit

Der Mützenmann: Michael Schenker im Ulmer Zelt. Links daneben: Sänger Gary Barden. Foto: hip
Bild: hip

Ulm Zum Ende der Zelt-Saison bricht in guter Tradition die Heldenzeit an - und in der Rockmusik gibt es nur einen wahren Heros: den Gitarristen. So waren in den vergangenen Jahren schon der grantige Gary Moore da, der öde Großtechniker Joe Satriani und der außerirdische Steve Vai. Und jetzt der manchmal arg irrlichternde Genius Michael Schenker.

Der Mann war mal einer der begabtesten Saitenzupfer seiner Generation. Die Rolling Stones hatten einst ein Auge auf ihn geworfen, doch der Scorpions-Jungspund stieg erst mal in der dritten Reihe ein und katapultierte die bleischweren UFO in den Hardrock-Himmel. Und damit verlor er dank Alkohol und Drogen gleichzeitig den Boden unter den Füßen. Die Karriere schwankte nach dem Ausstieg bei UFO zwischen Hit ("Anytime" mit der McAuley Schenker Group) und Komplettabsturz.

Seit einiger Zeit hat sich der einst hübsche Blonde im Griff, doch die Jahre des Tiefflugs haben ihn gezeichnet. Wie er mit seinen 55 Jahren da so auf der brütend heißen Zeltbühne steht, ausgerechnet eine Wollmütze auf dem Kopf, wirkt seine gerötete Gesichtslandschaft zerklüftet. Er selber ist fast unbeweglich in sich versunken, wenn er in seiner typisch geknickten Körperhaltung die Gitarre zwischen die Beine klemmt und durch Raum und Zeit soliert.

Ja, das ist der Michael Schenker, den seine Fans immer noch lieben, denn seine Finger haben alle Pein, die er seinem Körper angetan hat, schadlos überstanden. Da ist dieser unverkennbar näselnde Schenker-Ton, der so sanft schwingen kann und sich dann wieder giftig ins Ohr beißt. Das macht ihm keiner nach, seit er sich als gerade mal 18-Jähriger mit Herzblut ins Rock-Geschichtsbuch eingeschrieben hat: "Phenomenon" hieß 1974 sein erstes UFO-Album und damit war das Phänomen Michael Schenker geboren. Sein flinker, hoch melodischer Stil unterscheidet ihn von den vielen seelenlosen Fummlern der Hardrock-Zunft. Und weil er immer noch so spielen kann, auch wenn die technischen Standards für Gitarrengötter mittlerweile deutlich höher gelegt worden sind, ist es eigentlich egal, was für Stücke er von sich gibt.

Das sind vor allem die alten Bolzer der ersten Michael Schenker Group, dargeboten von einer recht durchschnittlichen Band. Die ursprünglich angekündigte Starbesetzung mit Bassist Neil Murray (Ex-Whitesnake), Keyboarder Don Airey (Deep Purple) und Simon Phillips (Toto) war ein Irrtum der Zelt-Macher. Nur Sänger Gary Barden kam tatsächlich. Der hätte auch daheimbleiben können, weil er eh nichts taugt. Die Band um Bassist Chris Glen (immer mal wieder MSG), Schlagzeuger Pete Holms und Gitarrist/Keyboarder Wayne Findlay spielt derart mittelprächtig, dass beim UFO-Klassiker "Lights Out" musikalisch wirklich die Lichter ausgehen. Aber eigentlich will man in erster Linie Schenker solieren hören. Das tut er vor allem in "Rock Bottom" gewohnt eindrucksvoll. Er bleibt ein Großer, der die Heldenverehrung Ton für Ton verdient hat.

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