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Illertissen

27.11.2019

Er baut in Illertissen Hotelzimmer am laufenden Band

Er will in Illertissen Hotelzimmer fertigen lassen: Unternehmer Tobias Waltl, 38, ist Geschäftsführer der Wagner Möbel-Manufaktur in Mindelheim. Das neue Werk in der Vöhlinstadt soll bis Mai 2020 in Betrieb gehen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus In Illertissen baut die Wagner Möbel Manufaktur aus Mindelheim eine Fertigungsanlage für Gebäudemodule. Was Geschäftsführer Waltl alles vorhat.

Manche verwenden Beton, andere Holz: Ideen zum Bau von Häusern in Modulbauweise gibt es einige. Aber mit Ziegeln macht das bisher keiner. Genau das will Tobias Waltl, der Geschäftsführer der Wagner Möbel-Manufaktur in Mindelheim, künftig in Illertissen tun. Im Gewerbegebiet Leitschäcker entsteht eine Fertigungsanlage. Darin stellen Mitarbeiter die Hotelzimmer für die eigene Kette gewissermaßen am Fließband her, von den Mauern bis zu den Möbeln. „Hinten kommt das Material rein und vorne das fix und fertige Zimmer raus“, sagt Waltl. So etwas gebe es bisher noch nicht: In Illertissen entsteht ein Modellprojekt.

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Bis zu 35 Tonnen schwer sind die Hotelzimmer, die auf Schienen durch die Fertigungshalle rollen. Von Station zu Station. Zuerst werden die Wände gemauert, daran arbeiten sieben Handwerker gleichzeitig. Waltl setzt hierbei auf Ziegelsteine, denn die seien robust, haltbar und dämmten besser als viele andere Materialien. „Ich will für Generationen bauen und nicht nur für ein paar Jahre.“ Die Rohbauversion des Hotelzimmers bewegt sich dann weiter durch die Fertigung: Elektrokabel und Leitungen werden verlegt, der Boden eingesetzt und schließlich die Möbel.

Walter Möbel-Manufaktur: Neue Mitarbeiter für Illertissen gesucht

Rund 50 Mitarbeiter will Waltl in Illertissen insgesamt beschäftigen, dazu gehören Maurer, Elektriker, Schreiner. Lageristen und Fliesenleger. Sind alle Arbeitsschritte getan, ist das Hotelzimmer quasi bezugsfertig und tritt von Illertissen aus per Schwerlasttransport seine Reise zum Bestimmungsort an. Der befindet sich wo immer Waltls Hotelkette WMM ein neues Haus errichtet. 13 sind bereits eröffnet, dazu gehören Häuser in Mindelheim, Kaufbeuren, Ingolstadt und Babenhausen. Fünf weitere befinden sich aktuell im Bau, so soll ein Hotel in Neu-Ulm im Februar eröffnen. Alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip.

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So soll die Fertigungsanlage im Leitschäcker in Illertissen einmal aussehen. Der Bau hat bereits begonnen.
Bild: Ulrich Wagner

Der Gast bucht online über eine Website und gelangt dann mit einem Code ins Zimmer. So können Übernachtungen recht günstig angeboten werden. Ohne viel drumherum. „Ein schönes Zimmer und einen Internetzugang, mehr braucht man nicht“, sagt Waltl. Zur Zielgruppe gehören vor allem Geschäftsreisende, aber auch Praktikanten und Werkstudenten. Weshalb sich die Hotels stets in der Nähe von Industriestandorten und wichtigen Verkehrsachsen befinden. Das Geschäft läuft offenbar gut – weitere Hotelbauten sind geplant: 21 weitere Grundstücke hat das Unternehmen bereits gekauft, sagt Waltl. Bis zu 250 könnten es in ganz Deutschland einmal werden, bevor „eine Sättigung“ erreicht sei. Aber dann gebe es ja noch Europa, sagt Waltl, der einmal als Hotelier im Tannheimer Tal gearbeitet hat. Er weiß: Ein Haus mit weniger als 100 Zimmern rentiere sich nicht, zu hoch seien die Betriebskosten. Die WMM-Hotels funktionierten allerdings auch mit weniger Räumen: Weil sie weitgehend ohne Personal auskämen. Eine solche Effizienz wünscht sich Waltl künftig auch in der Bauweise: Deshalb entsteht das Werk in Illertissen.

Illertissen: Hotels lassen sich in Modulbauweise günstiger bauen

Mit den dort produzierten Modulen ließen sich Gebäude günstiger erstellen als in der herkömmlichen Bauart, in der die ersten 13 Hotels entstanden sind. Massiv seien die neuen Fertighäuser trotzdem, sagt Waltl: „Meine Hotels sollen 100 Jahre stehen und nicht nur 20.“ Sind die Module einmal angeschlossen und verputzt, „sieht kein Mensch mehr, dass es aus Einzelteilen besteht“. Die Module brächten auch Vorteile für die Übernachtungsgäste mit sich: Zwischen ihrem und dem nächsten Zimmer lägen dann zwei Wände, was den Schallschutz deutlich erhöhe. Neben der Fertigungshalle in Illertissen soll auch gleich ein WMM-Hotel entstehen – es ist das erste der Kette, das aus Modulen besteht. „In Illertissen entsteht etwas Einzigartiges“, sagt Waltl.

Unternehmer Waltl: Günstiges Wohnen ist ein Mega-Trend

Grundsätzlich ließen sich in dem neuen Werk auch Zimmer für Wohnhäuser bauen, sagt der Unternehmer. Möglicherweise eine Idee für die Zukunft: „Günstiger und bezahlbarer Wohnraum ist momentan ein Mega-Trend.“ Schon jetzt macht Waltl aber mehr, als Hotels bauen: Zur WMM AG gehören inzwischen 14 Unternehmen und Abteilungen, sogenannte Divisionen – neben der Wagner Möbel-Manufaktur, der Hotelkette, einer Immobiliensparte und einer Schlosserei unter anderem auch Allgäu DSL. In das Telekommunikationsunternehmen stieg Waltl 2017 ein, als der damalige Geschäftsführer lieber die Welt umsegeln wollte und aufhörte. Die Geschäfte laufen offenbar gut: Derzeit würden mit einem speziell zu diesem Zweck entwickelten Pflug 800 Kilometer Glasfaserkabel im ganzen Allgäu verlegt. Ohne dieses Gerät seien solche Maßnahmen in ländlichen Regionen weitaus teurer, so Waltl. Im Allgäu liege die Firma bei den Kundenzahlen nach Telekom und Vodafone auf dem dritten Platz. „Wir sind breit aufgestellt“, sagt Waltl über die Firmengruppe, die derzeit etwa 250 Mitarbeiter beschäftigt. „Wenn eine Sparte mal nicht so gut läuft, läuft es eben in einer anderen.“

Im neuen Gewerbegebiet in Illertissen geht es voran.
Bild: Ulrich Wagner

Der gebürtige Ingolstädter Waltl gilt als versierter Unternehmer: Im Alter von 17 Jahren gründete er eine Bank, die er später verkaufte. Er studierte in den USA, der Schweiz und arbeitete als Banker. Schon vor der Lehmann-Pleite und deren Folgen kehrte Waltl der Finanzbranche den Rücken, kaufte 2006 den Möbelproduzenten Wagner in Mindelheim und zog ins Allgäu. „Ich wollte ein Produkt, das man fühlen, riechen und schmecken kann“, sagt er über seine Beweggründe. Im Geld steckten jedoch keine Emotionen. Und schon gar keine Positiven.

In Illertissen will Waltl rund 5,5 Millionen Euro investieren. So jedenfalls die aktuellen Schätzungen. Der Bau der Fertigungshalle hat begonnen, in Betrieb gehen soll sie im April oder Mai 2020. Dadurch entstehen rund 50 Arbeitsplätze. „Wir suchen gute Leute“, sagt Waltl. Er ist zuversichtlich, die in Illertissen und Umgebung auch zu finden. Ein Grund dafür: Das Modul-Werk bietet eine große Annehmlichkeit – gearbeitet wird drinnen. Und nicht, wie für die vielen Handwerksberufe üblich, draußen. Bei Wind und Wetter.

Warum die Walter Möbel-Manufaktur in Illertissen baut - mehr darüber lesen Sie hier: Warum Möbel Wagner nach Illertissen ausweicht

Im neuen Gewerbegebiet im Leitschäcker in Illertissen geht es voran - mehr dazu hier:

Das neue Gewerbegebiet auf dem Leitschäcker an der A7 bei Illertissen entwickelt sich zusehends. McDonald´s will noch im Dezember eröffnen und auch der Hotelbauer Wagner steht in den Startlöchern.  Im kommenden Jahr werden eine Total-Tankstelle, eine Waschanlage und ein Sanitär-Unternehmen hinzukommen.
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Neues Gewerbegebiet: Im Leitschäcker wird fleißig gebaut
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