1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Er macht Jagd auf Energiefresser

Illertissen

21.09.2015

Er macht Jagd auf Energiefresser

Simon Ziegler ist neuer Klimaschutzmanager der Stadt Illertissen
Bild: Ralph Patscheider

Simon Ziegler arbeitet seit August bei der Stadt Illertissen als Klimaschutzmanager und hat schon erste Erkenntnisse gewonnen

In sein schmales Büro im alten Teil des Illertisser Rathauses fällt nicht übermäßig viel Tageslicht. Dementsprechend üppig ist es mit Neonröhren ausgestattet – für Simon Ziegler sogar zu üppig. Kaum hatte er das Büro bezogen, stieg er auf eine Leiter und trennte die Hälfte der Neonröhren von der Stromzufuhr. Im Grunde war das Zieglers erste Amtshandlung in Illertissen. Der 30-Jährige ist bei der Stadt seit August als Klimaschutzmanager beschäftigt. Eine seiner wichtigsten Aufgaben wird sein, Jagd auf Energiefresser zu machen. Sein Blick richtet sich dabei aber nicht nur auf die städtischen Gebäude, die gerade mal für etwa ein Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Illertissen verantwortlich sind. Vor allem wird Ziegler privaten Haushalten und Betrieben als Berater zur Seite stehen, falls die das wünschen. Die Organisation von Vorträgen und Öffentlichkeitsarbeit sollen zudem den Weg für die kommunale Energiewende bereiten helfen. Denn weniger Verbrauch und die Nutzung alternativer Energiequellen bedeuten Klimaschutz.

Dem widmet sich Illertissen schon seit geraumer Zeit. Ende der 1990er-Jahre ist die Stadt dem Klimaschutzbündnis „Agenda 21“ beigetreten. Das war damals noch ein relativ abstraktes Bekenntnis zum verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Schadstoffausstoß. In Babenhausen gab es einen Windkraft-Pionier namens Roderich Rothdach (†), in Illertissen nahm Stadtrat Dieter Baur auf dem Dach seines Wohnhauses die erste Fotovoltaikanlage in Betrieb. Im Lauf der Jahre eroberten innovative Ideen die Energietechnik. Heizungen arbeiteten effizienter, verschärfte Verordnungen für Wärmeschutz und Wärmedämmung waren zu beachten und – mal gutgläubig angenommen – der Schadstoffausstoß von Autos wurde deutlich reduziert.

Jüngst hat Illertissen von einer Agentur ein Klimaschutzkonzept und einen Energienutzungsplan erstellen lassen. Damit einher ging die Idee, einen Klimaschutzmanager einzustellen, der die Vorgaben zu überwachen und weiter zu entwickeln hat. Ein Förderprogramm des Bundesumweltministeriums kam der Stadt gerade recht. Das Gehalt des Klimaschutzmanagers wird drei Jahre lang zu 65 Prozent aus dem staatlichen Fördertopf bezahlt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Als Simon Ziegler erfuhr, wen die Stadt Illertissen sucht, dachte er: „Das ist die erste Stellenausschreibung, die meinen Studiengang und mein Berufsbild beschreibt.“ Er ist Ingenieur für Energiesysteme, hat den relativ neuen Studiengang 2013 als Bachelor of Engeneering abgeschlossen. In Senden aufgewachsen, hatte der heute 30-Jährige nach der mittleren Reife zunächst Elektriker gelernt, das Abitur nachgemacht und sich für sein Studium an der Hochschule Ulm eingeschrieben. Nach 2013 arbeitete er in einem Betrieb in der Region an einem Projekt weiter, über das er auch seine Bachelor-Arbeit geschrieben hatte, um dann die seinem Berufsbild entsprechende Stelle anzutreten.

Seit August arbeitet Ziegler für die Stadt Illertissen. In den ersten Tagen habe er sich dort einen Überblick verschafft, wo er direkten Einfluss nehmen könne. Das sind die städtischen Liegenschaften. In Hallen, Schulen, Kindergärten und Vereinsheimen hat er die Technik unter die Lupe genommen. Die Bestandsaufnahme ist inzwischen abgeschlossen. Zieglers erstes Fazit: Die Stadt hat schon laufend die Energiestandards verbessert, zum Beispiel mit Modernisierung von Schulen und Bädern. Er sieht aber noch viele Möglichkeiten, Energiefresser zu beseitigen. Dazu zählt er etwa über 20 Jahre alte Umwälzpumpen an Heizungen. Die neuen, elektronisch geregelten Pumpen benötigten bis zu 80 Prozent weniger Strom. Die Kosten für den Einbau hätten sich nicht nur in wenigen Jahren amortisiert. Durch den geringeren Verbrauch würden, umgerechnet auf die gesamte Stadt, über die Jahre auch viele Tausend Tonnen Kohlendioxid weniger anfallen.

Dazu muss er aber offensiv bei Haushalten und Gewerbe werben. Das ist Ziegler bewusst. Es soll ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit sein. Denn den gesamten Energieverbrauch in Illertissen aufgeteilt, entfallen nur ein Prozent auf städtische Gebäude, 30 Prozent auf die Haushalte, 35 auf Handel und Gewerbe sowie 34 Prozent auf den Verkehr. So plant er etwa, schwächer gestellten Haushalten Stromsparchecks oder Starterpakete zur Umstellung auf LED-Leuchten anbieten und regelmäßig Energiespartipps im Amtsblatt veröffentlichen. In seinen Beratungsstunden sieht er sich auch als Mittler, der Kontakte zu spezialisierten Energieagenturen vermitteln kann. Ziegler will Netzwerke knüpfen, etwa mit dem Klimaschutzmanager des Landkreises, und gemeinsame Aktionen planen. Sein Ziel ist, die Energiewende herbeizuführen mit wachsendem Anteil an regenerativen Quellen und sinkendem Energieverbrauch.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren