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07.07.2010

Espoir - die Hoffnung lebt

Trotz eines amputierten Beins ist Roselene Emanuelle eine tatkräftige Frau, die anderen half.
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Trotz eines amputierten Beins ist Roselene Emanuelle eine tatkräftige Frau, die anderen half.

Kettershausen/Haiti "Inmitten von Spuren der grauenvollen Zerstörung und schlimmer Trostlosigkeit kann man fröhliche Gesichter und Tanz als Ausdruck von Lebensfreude finden." Daniela Joos hat es selbst erlebt. Als ehrenamtliches Mitglied eines Teams der Kaufbeurer Hilfsorganisation "humedica" war die Ärztin vier Wochen lang auf Haiti im Einsatz. Die Zeit, in der sie auf der Karibikinsel Hilfe leisten konnte, hat unvergessliche Eindrücke hinterlassen. "Ich möchte unbedingt dieses Jahr noch mal hin", weiß sie.

Die gebürtige Kettershauserin, die seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, hat nach Abschluss ihres Medizinstudiums im Rahmen der Weiterbildung zur Fachärztin für Radioonkologie knapp vier Jahre in Schweizer Spitälern gearbeitet. "Ich habe mich schon immer für humanitäre Hilfe interessiert und im Jahr 2009 zwei Kurse bei "humedica" absolviert, berichtet die 32-Jährige. Als sie von der Hilfsorganisation die Einladung zum Einsatz auf Haiti erhielt, hat sie sich sehr gefreut. "Ich konnte diesen Einsatz zwischen Tätigkeiten im Unispital Zürich und dem Kantonsspital Winterthur einschieben."

Ende Mai ist Daniela Joos als Mitglied eines jungen internationalen Teams aus Ärzten, Pflegekräften, einem Rettungsassistenten und einer Medizinstudentin auf Haiti angekommen. "Ein Teil unserer Gruppe war für die Arbeit am Hopital Espoir, dem Krankenhaus der Hoffnung, in Port-au-Prince vorgesehen. Dort betreuten wir rund 40 Patienten unter einfachen Bedingungen stationär in Zelten. Aber wir sahen auch ambulante Patienten mit Krankheiten, die auf das Erdbeben zurückzuführen waren."

Röntgenbilder an der Sonne trocknen lassen

Espoir - die Hoffnung lebt

Vielen Haitianern seien nach dem Erdbeben zerquetschte Gliedmaßen amputiert worden. Andere hatten komplizierte Knochenbrüche, die teilweise wegen Infektionen wiederholte Operationen erforderten. Nachdem diese Erstversorgung bereits unmittelbar nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 von anderen Ärzte-Teams übernommen wurde, leistete das zehnte "humedica"-Team, dem ich angehörte, medizinische Aufbauhilfe.

Zwei leitende deutsche Physiotherapeuten haben ebenfalls unermüdlich gearbeitet", berichtet die junge Ärztin. Als "Mädchen für alles" habe sie mit geradezu historischen Gerätschaften per Hand Röntgenbilder erstellt und an der Sonne trocknen lassen. Außerdem habe sie Ultraschalluntersuchungen mit winzigem Monitor durchgeführt, Wundversorgung und Visiten in den Zelten übernommen.

Für die Menschen auf Haiti gibt es eine Zeitrechnung vor dem 12. Januar und eine danach, hat das "humedica"-Team bei seiner Arbeit festgestellt. "Zahlreiche Bewohner sind heute noch extrem traumatisiert. Viele leiden unter Beschwerden wie unklaren Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und unspezifischen Schmerzen im Sinne eines posttraumatischen Stress-Syndroms."

Beinahe jede Familie trauere um Angehörige. Oft denkt sie an ihren Einsatz, während dem sie immer wieder das Gefühl von Hilflosigkeit überfallen habe. "Ich musste mich gewaltig umstellen und speziell mit der technischen Ausrüstung vor Ort arrangieren."

Vor allem die Zeltstädte, aber auch das Leben zwischen den Trümmern mit Suppenküchen und allerlei Verkaufstätigkeiten, die in erster Linie auf der Straße stattfinden, hat sie stets vor Augen. Ebenso die trotz ihres Schicksals ansteckend fröhlichen Menschen vom Espoir. Die Mutter eines Mädchens, die auch anderen in schlimmen Momenten beigestanden ist, oder die 20-jährige Schönheit Murielle, die ihre Eltern verloren hat und tapfer mit ihrer Beinprothese trainiert, hat die Ärztin fest in Erinnerung. "Die Haitianer begeistern sich sehr für die Fußballweltmeisterschaft. Sie tanzten trotz amputierter Gliedmaßen und begleiteten unsere Visiten mit dem Waka Waka Song von Shakira."

Eine Deutsche getroffen, die Hilfe zur Selbsthilfe leistet

In der Deutschen Sabine hat Daniela Joos im Rahmen eines Einsatzes mit der mobilen Klinik eine Frau mit Visionen getroffen, die auf Haiti bewundernswerte Hilfe zur Selbsthilfe leistet. "Sabine arbeitete seit Dezember 2009 in Port-au-Prince, hat das Erdbeben miterlebt und musste drei Tage lang warten, bis ihre verschüttete Tochter lebend aus den Trümmern geborgen werden konnte."

Jetzt setzt sich Sabine mit all ihrer Kraft als Patronin von 25 Obdachlosen-Camps ein. Bis zu 500 Erdbebenopfer haben dort Zuflucht gefunden und vorher keine offizielle medizinische Hilfe gesehen. "Es ist ein Leben unter unvorstellbaren Bedingungen, zwischen Trümmern, einem unbewältigten Müllproblem und der damit verbundenen Seuchengefahr", weiß Daniela Joos.

"Seit ich wieder zurück in meinem Heimatort Kettershausen bin, geht mir vor allem Sabine, diese Frau mit den weißen Shorts und dem blauen Top nicht aus dem Kopf. Ohne unsere Hilfe kann sie ihr Ziel nicht erreichen. Meine große Hoffnung ist es, dass Haiti und seine Menschen von uns nicht vergessen werden", sagt Daniela Joos.

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