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Illertissen

23.12.2020

Frau aus Tiefenbach schreibt jedes Jahr Briefe an Christkind und Co.

Maritta von Perbandt aus Tiefenbach heftet ihre Weihnachtspost an die Türe, die jedes Jahr an Weihnachten voll ist mit himmlischer Korrespondenz.

Plus Maritta von Perbandt hat eine besondere Art, ihre Lieben mit Grüßen zum Fest zu überraschen. Sie schreibt an Weihnachtspostämter - und bekommt Antworten.

Wunschzettel schreiben, auf eine Antwort vom Christkind warten, jeden Tag erwartungsvoll zum Briefkasten laufen – das machen nur Kinder? Meistens vermutlich, manchmal sind aber auch jung gebliebene Erwachsene wie Maritta von Perbandt unter den Schreibern. Sie hat Übung im Verfassen von himmlischer Korrespondenz, nicht nur, weil sich die neunfache Urgroßmutter von der Vorfreude der Kinder anstecken lässt.

Weihnachten ist die Leidenschaft der Tiefenbacherin

Ein Besuch in ihrem schon in der Adventszeit rundum zur zauberhaften Weihnachtslandschaft umgestalteten Haus in Tiefenbach verrät ein bisschen mehr über die 79-Jährige und ihre Leidenschaft. Ein Artikel unserer Zeitung in den 1990er-Jahren hat sie auf die Idee gebracht, über die Weihnachtspostämter einsamen oder kranken Menschen in ihrem Bekanntenkreis ganz besondere Briefe mit aufmunternden Worten zukommen zu lassen.

Überall funkelt und glitzert es im Perbandtschen Wohnzimmer, dazu verströmen die nach altem Rezept gebackenen Vanillekipferl einen feinen Duft. Das hat Stil, und stilvoll breitet die Hausherrin ihre Korrespondenz aus: „Sehen Sie, ein Schreiben vom Père Noël aus Frankreich, oder da eines aus Kanada, sogar handschriftlich verfasst und mit Ho Ho Ho Santa unterschrieben.“ Verschmitzt fügt sie hinzu: „Diesmal war ich so frei, den Übersetzungsdienst im Internet auszuprobieren und offensichtlich mit Erfolg.“ Sie habe den Eindruck, dass der Weihnachtsmann sie besser verstehen und die Anliegen ausführlicher beantworten konnte.

Briefe aus Frankreich und Kanada (links im Bild) sind besonders farbenfroh gestaltet. Post aus der Schweiz beinhaltet eine weihnachtliche Geschichte (rechts).

Als Kind brachte ihr der Weihnachtsmann Geschenke, nicht das Christkind

Apropos Weihnachtsmann: Der habe auch ihr als Kind im norddeutschen Peine, wo sie aufwuchs, die Geschenke an Weihnachten gebracht. Und nicht etwa das Christkind, wie in Süddeutschland üblich. In welchen Anliegen sie an Christkind, Nikolaus oder Weihnachtsmann schreibt, hängt also ganz vom angegebenen Empfänger der Weihnachtspost ab. Zum einen ist es ja die verzweigte Familie der Mutter dreier Söhne mit zehn Enkeln und neun Urenkeln. Wenn ihr die Allerjüngsten mit erstaunten Augen über Details in der Post vom Christkind berichten, kann sie mit den Kleinen zusammen staunen.

Fast noch größer ist aber die Überraschung der Erwachsenen, wenn bei ihnen ein Brief buchstäblich vom Himmel hereinschneit. Sind es Freunde, komme unweigerlich der Anruf, „so etwas kann auch nur dir einfallen“, erzählt sie. Es gebe aber auch verwunderte, ungläubige Anfragen wie: „Kann das sein, dass mir das Christkind geschrieben hat?“ Darauf antwortet Maritta von Perbandt dann ganz fröhlich: „Warum nicht, mir hat es nämlich auch geschrieben.“

Post vom Christkind: Von Perbandt begeistert sich für Weihnachten

Denn unter den angegebenen Empfänger-Adressen gibt sie auch ihre eigene an, um sich auch selbst über Post von Christkind & Co. freuen zu können. Die gelernte Hauswirtschaftslehrerin ist viel zu neugierig, um sich derart hochkarätige himmlische Korrespondenz entgehen zu lassen. Besonders, wenn anhand der Illustrationen oder kleinen Geschichten Einblicke in andere Weihnachtstraditionen zu gewinnen sind.

Es sei aber auch schon zu richtigen kleinen Briefwechsel gekommen, etwa wegen einer Nachfrage zum Briefempfänger oder aber die Bitte, im nächsten Jahr Rückporto oder einen adressierten Rückumschlag beizulegen, um das für die himmlischen Auftraggeber ehrenamtlich tätige Schreibbüro etwas zu entlasten. Derartigen Bitten komme sie selbstverständlich gerne nach, sagt von Perbandt.

Die Tiefenbacherin hat 21 Weihnachtspostämter angeschrieben

Insgesamt 21 Weihnachtspostämter hat von Perbandt diesmal weltweit angeschrieben, etwa in Hongkong, Australien oder auf dem Nordpol. „Besonders gespannt bin ich auf Antwort aus Russland, wo Väterchen Frost wohnt“, sagt sie. Je entfernter das Postamt, desto länger könne auch schon mal die Antwort dauern. In Deutschland hat sie neun Postämter angeschrieben, deren Namen für sich sprechen: Engelskirchen, Himmelpfort, Himmelpforten, Himmelsthür, Himmelstadt, Himmelsberg, Himmelreich, Nikolausdorf und St. Nikolaus.

Interessant auch zu wissen, dass der Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür im Jahr 1967 seine Tätigkeit als „Himmlisches Postamt“ aufnahm und damit als die älteste Weihnachtspostfiliale Deutschlands gilt. Es heißt, Kinder hätten immer wieder ihre Wunschzettel in die Briefkästen geworfen, sodass sich die Post etwas einfallen ließ.

Von Perbandt sammelt alle Antworten, oft handschriftlich verfasste Briefe

Inzwischen existieren Weihnachtspostämter in mehreren Staaten des deutschsprachigen, skandinavischen und angloamerikanischen Kulturraums und werden dort zumeist von den jeweiligen Postorganisationen unterhalten. Weihnachtliche Sonderbriefmarken und spezielle Stempelabdrücke zeichnen die Antwortbriefe aus. Das hebt die verwendeten Umschläge optisch heraus und macht sie überdies zu interessanten Sammlerstücken.

„Die deutsche Weihnachtspost mit den kürzesten Wegen ist schon vollständig eingetroffen“, sagt die Christkind-Schreiberin. Auch ausländische Briefe seien schon da, sogar handschriftlich verfasste Schreiben. Etwa aus Dänemark, der Schweiz, der Slowakei mit Weihnachtslieder-CD oder vom Père Noël aus Frankreich. Aus Kanada grüßt Santa Claus von seinem Rentierschlitten und lädt zu einer imaginären Rundreise per Internet ein.

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