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Osterberg

24.02.2020

Gemeinschaftsprojekt: Der Diesel fließt weiter

Der Fortbestand der Gemeinschaftstankanlage in Osterberg ist gesichert. Unser Bild zeigt die Geschäftsführer Monika Haugg und Josef Weh beim Tankvorgang, der rund um die Uhr und bargeldlos möglich ist.
Bild: Armin Schmid

Plus Vor 24 Jahren haben die Osterberger ihre eigene Tankstelle eröffnet. Wie es dort nun nach dem Tod des langjährigen Betriebsleiters weitergeht.

Autos, Traktoren und Lkw betanken, Wertstoffe abgeben, das Auto aussaugen oder waschen – das Dienstleistungsangebot rund um die Gemeinschaftstankanlage Osterberg GbR ist groß. Und ausgesprochen ungewöhnlich: In dieser Form gibt es ein solches Gemeinschaftsprojekt in der Region kein zweites Mal. Am vergangenen Freitag haben die Mitglieder beschlossen, die Anlage weiterzuführen. Seit der Gründung im Jahr 1996 hat das Projekt eine Menge Höhen und Tiefen erlebt – zuletzt galt es, den Tod des langjährigen Betriebsleiters zu verkraften.

Gemeinschaftstankstelle: Das Projekt hatte Höhen und Tiefen

Um die Zukunft der Tankanlage, die am Ortsrand von Osterberg in Richtung Babenhausen liegt, ging es am Freitag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Um dort tanken zu können, muss man kein Mitglied sein. Im Prinzip kann jedermann das Dienstleistungsangebot nutzen. Über die Jahre gesehen hat das Gemeinschaftsprojekt, das aus der Dorferneuerung heraus entstanden ist, Höhen und Tiefen erlebt. Zu den traurigen Nachrichten gehörte der Umstand, dass der langjährige Betriebsleiter Helmut Geyer Anfang des Jahres verstorben ist. Die beiden Geschäftsführer Monika Haugg und Josef Weg betonten, dass Schreyer die Tankanlage über 13 Jahre hinweg mit viel Geschick und Herzblut geführt habe. Josef Weh erinnerte daran, dass Helmut Schreyer sich im Jahr 2007 während einer existenziellen Krise freiwillig an die Mitglieder gewandt und die technische Betreuung und Buchhaltung in die Hand genommen habe.

In der Nachbarschaft liegt die Waschanlage der Gemeinde

Gegründet wurde die GbR im Jahr 1996. Die Lage der Gemeinschaftstankanlage am Ortseingang ist nahezu ideal: Gleich nebenan ist der Wertstoffhof angesiedelt und eine Waschanlage samt Staubsauger, alles von der Gemeinde Osterberg betrieben. Für die Osterberger ist die Nähe ein großer Vorteil, denn die nächsten Tankstellen sind weit entfernt. Der Hauptgrund für die Gründung sei damals jedoch der Umweltgedanke gewesen: Es sollte umweltfreundlicher Biodiesel zum Einsatz kommen. 36 Mitglieder garantieren deshalb, dass sie 160 000 Liter Biodiesel tanken werden. Ein Dorferneuerungszuschuss in Höhe von 78 000 Euro brachte das Projekt ins Rollen, die Einlagen der Mitglieder lieferten weitere knapp 50000 Euro. Für 27000 Euro wurde die Anlage erstmals aufgefüllt. Unter den Zapfsäulen liegen zwei Tanklager mit insgesamt rund 50 000 Liter Fassungsvermögen.

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Doch der Biodiesel schaffte Probleme: An den Fahrzeugen traten technische Störungen auf. So wurde der Biodiesel schnell uninteressant und musste mit Verlust abgestoßen werden. Seither wird die Anlage mit herkömmlichem Diesel betrieben. Durch widrige Umstände hatten sich bis zum Jahr 2007 knapp 40 000 Euro an Schulden angehäuft. Helmut Geyer war es letztlich gelungen, die Krise abzuwenden und den Schuldenberg wieder anzutragen. „Heute schreiben wir wieder schwarze Zahlen“, bekräftigte Josef Weh.

Die Anlage soll sich weiterentwickeln

Ziel der außerordentlichen Mitgliederversammlung war es, eine Nachfolgeregelung für die Betriebsleitung zu finden und die Gemeinschaftsanlage zukunftsfähig zu gestalten. Nachdem sich die Mitglieder einhellig zur Weiterführung der Gemeinschaftstankanlage ausgesprochen hatten, erklärte sich Irmtraud Hellmert dazu bereit, die Buchführung zu übernehmen. Zudem will die Gemeinschaft in die technischen Anlagen investieren. Eine automatische Füllstandsanzeige soll Erleichterung bringen und auch eine automatisierte Preisgestaltung. Die Computeranlage soll ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht werden.

Monika Haugg ist erleichtert darüber, dass der Fortbestand gesichert werden konnte. „Die Gemeinschaftstankanlage ist eine Bereicherung für den Ort und hat auch den Zusammenhalt gefördert.“ Zudem könne man mittels Tankkarte Tag und Nacht bargeldlos tanken. Damit das Gemeinschaftsprojekt auf stabilere Beine gestellt wird, sollen neue Kunden geworben werden. Interessenten, die gerne in Osterberg tanken würden, können sich beim Geschäftsführer Josef Weh melden.

Zur besten Zeit waren es knapp 50 Mitglieder in der GbR, im Moment sind es noch 31. Die Tankanlage hat 50 registrierte Kunden, darunter Firmen, Landwirte und Privatpersonen. Die ausgegebene Jahresmenge liegt bei 250 000 bis 280 000 Litern Diesel.

Etwas günstiger als anderswo tanken die Nutzer der Gemeinschaftstankstelle übrigens auch: Der Kraftstoffpreis in Osterberg liegt in der Regel leicht unter dem Marktniveau. Die Befüllung des Tanklagers gewährleistet der Energiehandel Süd.

Über das besondere Angebot in Osterberg haben wir auch hier berichtet:
Die Wasch- und Tank-Oase Osterberg

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