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Buch

25.10.2019

Giftige Farbe im Kindergarten: Was ein Prüfer dazu sagt

Die Farbe, mit der die Fassade des neuen Bucher Kindergartens gestrichen wurde, ist unbedenklich. Die Eltern könnten da ganz beruhigt sein, sagt Bürgermeister Roland Biesenberger.
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Die Farbe, mit der die Fassade des neuen Bucher Kindergartens gestrichen wurde, ist unbedenklich. Die Eltern könnten da ganz beruhigt sein, sagt Bürgermeister Roland Biesenberger.

Plus Die UWG-Fraktion im Marktrat in Buch spricht von "krebserregender Farbe". Der Bürgermeister hat das von einem Sachverständigen prüfen lassen.

Es sind Vorwürfe, die Eltern kleiner Kinder massiv beunruhigen: Die Farbe, mit der der neue Kindergarten in Buch gestrichen wurde, soll Krebs auslösen können. Das hatte die UWG-Fraktion in einer Sitzung des Marktrats so dargestellt. Bürgermeister Roland Biesenberger (CSU) hatte diese Behauptung bereits zurückgewiesen und hat nun noch eine Stellungnahme eines Sachverständigen eingeholt.

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Bürgermeister: Man hat die Behauptung sehr Ernst genommen

Man habe die Vorwürfe, die aus der Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) kamen, im Rathaus allerdings durchaus Ernst genommen. Zumal Fraktionsmitglied Franz Eberl seit rund vierzig Jahren einen eigenen Malerbetrieb führt. „Eine solche Aussage müssen wir in der Verwaltung natürlich überprüfen“, sagt Biesenberger. Nach dem Farbenhersteller Sto hat nun auch ein unabhängiger Sachverständiger der Handwerkskammer Ulm bestätigt, dass der Fassadenanstrich am Kindergarten „Purzelbaum“, der am 8. November eingeweiht werden soll, unbedenklich sei.

Der Kindergarten „Purzelbaum“ nimmt Form an. Am 8. November soll er eingeweiht werden.

Die verwendete Farbe Sto Color Silco G enthält einen geringen Prozentsatz des Stoffes Isoproturon – laut Hersteller zwischen 0,1 und 0,14 Prozent. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei einem Prozent, also rund zehn Mal so viel wie in der betreffenden Farbe enthalten ist. Der Sachverständige der Handwerkskammer, Robert Kussauer, schreibt dazu: Erst ab Konzentrationen von mehr als einem Prozent werde ein Produkt als „vermutlich Krebs erzeugend“ eingestuft.

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UWG-Marktrat beharrt auf seiner Meinung

Isoproturon ist ein Biozid, also ein Gift, das Algenbildung an Fassaden verhindern soll. Marktrat und Malermeister Franz Eberl bleibt bei seiner Meinung: Es hätte keine Farbe mit diesem Wirkstoff verwendet werden müssen. Eberl weist auf biozidfreie Alternativen hin, beispielsweise mineralische Farben, die das Wachstum von Algen durch einen höheren pH-Wert verhindern. Auch gebe es innovative bionische Farben, die durch eine entsprechende Mikrostruktur dafür sorgen, dass Feuchtigkeit an der Wand schneller abläuft. Diese bionische Farbe ist allerdings annähernd doppelt so teuer wie die am Kindergarten verwendete Farbe.

In seiner Stellungnahme erläutert Kussauer, warum ein Gebäude wie der Kindergarten in Buch für diese Art von Verschmutzung besonders anfällig ist. Aus Gründen der Energieeffizienz wurde es mit einem Wärmeverbundsystem gedämmt. Dadurch ist der Wärmestrom von innen nach außen reduziert, was zur Folge hat, dass sich auf der Außenfassade Wasser niederschlägt, was wiederum das Algenwachstum begünstigt.

Was es mit dem Gift Isoproturon auf sich hat

In Buch habe man sich laut des Sachverständigen außerdem für einen organischen, einen Siliconharzputz entschieden, der elastischer und druckstabiler ist als andere Putze. Das heißt, er hält etwa Ballspielen oder an die Wand gelehnten Fahrrädern besser stand, weshalb diese Art von Putz üblicherweise an Schulen und Kindergärten verwendet wird. Auf einem organischen Putz können allerdings keine mineralischen Anstriche, die durch einen höheren pH-Wert gegen Veralgung wirken, aufgebracht werden, da sie dort kaum trocknen.

Damit auf der Fassade keine Algen wachsen, enthält die Farbe in niedriger Konzentration das Biozid Isoproturon.

Zu dem Wirkstoff Isoproturon erklärt Kussauer, dass dieser in der Farbe Sto Color Silco G gekapselt eingesetzt wird. Das bedeutet, dass das Biozid mit einer Schicht ummantelt ist, durch die das Gift nur bei Feuchtigkeit und in geringen Mengen abgegeben wird. Auch die Frauenhofer-Gesellschaft für Bauphysik habe diesen Effekt so nachgewiesen, erklärt Kussauer. Weiter weist er darauf hin, dass ähnliche Wirkstoffe auch in der Landwirtschaft und Kosmetikindustrie eingesetzt werden.

Isoproturon wurde, wie jedes andere Biozid, das in der Europäischen Union verwendet wird, aufwendigen Prüfungen unterzogen. Dabei werde unter anderem getestet, wie sich der Stoff auf Menschen oder die Umwelt auswirke. Nur Stoffe, die dabei gut abschneiden, werden in der EU für ein bestimmtes Einsatzgebiet zugelassen, erklärt Kussauer.

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